Kristina Ohlsson: Nachtschatten . Ein Schwedenkrimi mit August Strindberg, Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann, Blanvalet Verlag, München 2026, 576 Seiten, €18,00, 978-3-7645-1023-7
„Jemand zu finden, der nicht gefunden werden will, ist schwer, aber nicht unmöglich.“
Es ist Frühjahr in Hovenäst und eigentlich wollen August Strindberg und Maria Martinsson endlich heiraten. Doch ehe es zu diesem freudigen Ereignis kommen kann, konstruiert Kristina Ohlsson eine ausufernde Geschichte rund um eine in der Nacht verschwundene junge Frau mit Beinprothese, den ersten geheimnisvollen Gast in August Strindbergs Pension, der nach drei Jahren endlich den Tod seiner Tochter aufklären will, Augusts eigene rätselhafte Familiengeschichte, verbunden mit der seltsamen Anziehungskraft einer Gesellschaft, die der Meinung ist, dass UFOs auf der Erde landen. Diese unterschiedlichen Handlungsstränge setzt die schwedische Autorin dann einem Puzzle gleich zu einem logischen Bild zusammen, in dem alle Figuren in Beziehungen zueinander stehen.
Der einstige Leiter von UFO Gothia, Stig Ljung, genannt E.T., hat angeblich eine junge, kaum bekleidete Frau in der Nacht flüchten sehen. Später stellt sich heraus, ein Mann hat sie verfolgt.
Gefunden wird die Beinprothese von Bella Silver. Doch wo ist die junge Frau? Ihr Freund Jens ist abgetaucht und ihre einst beste Freundin Emma scheint die Polizei nur anzulügen. In August Strindbergs neuer Pension zieht der Norweger Sander Jensen, der den Tod seiner Tochter Amalia nicht verkraften kann. Seine Frau Annie und die Zwillingsschwester Mikaela kommen besser mit dem Verlust klar. Sander kann sich nicht erklären, warum Amalia, die eine ausgezeichnete Schwimmerin war und eigentlich nie Alkohol getrunken hat, bei Kungshamm ertrinken konnte. Außerdem scheint Sander in irgendeiner Beziehung zu August zu stehen. Dieser sucht mit seinem Freund Henry in der Schweiz nach dem abgetauchten Anwalt Ismael Thelin, der ihm endlich mehr Informationen zu seinen Eltern und May Elwander geben soll. Augusts Eltern sind verstorben und ihn beunruhigen Fotos und Dokumente, die er gefunden hat und ihn glauben lassen, dass er vielleicht adoptiert wurde. Die Menschen, die er zu seiner Vergangenheit befragen könnte, wollen einfach nicht mit ihm sprechen. Und dann bekommt die Ermittlerin Maria auch noch anonyme Textnachrichten, die mehr als bedrohlich sind und Ray-Ray, ihr Kollege und Freund, entdeckt, dass seine älteste Tochter Nathalie die Schule schwänzt und ihn anlügt. Sander hat sich bei August einquartiert, da er mit Bella verabredet war. Doch diese meldet sich nicht mehr. Welche Verbindung gab es zwischen Amalia und Bellas Freundeskreis rund um den Enkel von E.T., den alle Bobby nennen? Die polizeilichen schwerfälligen Ermittlungen Bellas Verschwinden betreffend laufen ins Leere, niemand kann Jens finden, der wohl früher auch der Freund von Emma war. Als sich dann herausstellt, dass Amalias Tod vor drei Jahren mit Bellas Mopedunfall, durch den sie ihr Bein verlor, in Beziehung steht, beginnt die Geschichte endlich Fahrt aufzunehmen.
Kristina Ohlsson verbindet unterschiedliche Zeitebenen und Geschehnisse mit der gegenwärtigen Suche nach Bella, der Ursache von Amalias Tod und Augusts Recherchen, die seinen Vater und die ominöse May betreffen.
Den Fans der August Strindberg – Reihe ( Besprechungen sind auch in diesem Literaturblog zu finden ) fällt es sicher nicht schwer, der langwierigen, sehr bedrückenden, aber auch allzu überladenen Handlung zu folgen, in der junge Frauen in den Bann eines gefühlskalten, widerlichen Täters geraten. Väter sorgen sich in diesem Krimi um die Töchter, die ihr eigenen Wege einschlagen.
Kristina Ohlsson: Spätsommertod, Ein Schwedenkrimi mit August Stringberg