Peter Grainger: Ein unglücklicher Tod – Ein Fall für DC Smith, Aus dem Englischen von Eva Regul, Diogenes Verlag, Zürich, 288 Seiten, €18,00, 978-3-257-30120-5

„Seine Zeit war inzwischen vorbei. Er wusste es, und alle anderen wussten es auch; er passte nicht mehr so in den modernen Polizeidienst, er war der sprichwörtliche Dinosaurier, der noch geduldet wurde, weil er nach wie vor anständige Ergebnisse lieferte, und zwar meistens nur, weil er sich eben nicht so genau an die Vorschriften und die Buchstaben des Gesetzes hielt. Wie sollte er dabei einen Welpen trainieren?“

Detective Sergeant David Smith, der eigentlich einen viel höheren Dienstgrad bekleidet, kehrt nach einem internen Ermittlungsverfahren im August in seine Polizeistelle in Norfolk zurück. Dass seine Frau Sheila verstorben ist, erfahren die Lesenden erst im Laufe der Handlung. Auch wenn die Personaldecke viel zu kurz ist, wollen Smith‘ Vorgesetzte ihn zu gern aufs Altenteil schieben. Aber noch ist es nicht so weit, denn zum Glück schätzt und respektiert DI Alison Reeve, die neue Chefin, Smith‘ Gespür für Menschen, seine Gründlichkeit und seine feinsinnige Art, Leute zum Reden zu bringen. Als sie ihn dann mit ein paar Bagatellfällen abspeist, ist sie überrascht, dass er nicht protestiert. Allerdings ist Smith nicht so begeistert, als klar wird, dass er als Mentor für ein paar Tage den jungen DC Christopher Waters unter seine Fittiche nehmen soll. Aber was kann schon passieren, wenn er an Schulen Vorträge über Drogenmissbrauch hält, einem Kleinkriminelle auf die Finger klopft und die Akte zum Unfalltod des siebzehnjährigen Wayne Fletcher endgültig schließen soll?
Peter Grainger spannt in diesem neuen Roman einen erfahrenen Ermittler, der am Ende seiner beruflichen Karriere steht mit einem jungen Kriminalbeamten zusammen, der alles noch vor sich hat. Smith kann kein Team zusammenstellen und so braucht er Waters Mitarbeit, vor allem seine Kenntnisse der modernen Technik. Und Waters erweist sich als jemand, der lernfähig und engagiert ist. Da Smith kein desillusionierter Polizist ist, der sich zu wichtig nimmt und jede Gelegenheit nutzt, um jüngere Kollegen herunterzuputzen, teilt er Waters immer mehr Aufgaben zu, auch wenn es zum Ende hin gefährlich wird.
Was Smith kaum schätzt, ist Oberflächlichkeit und Schlamperei bei der Arbeit. Und diese vermutet er, als er sich den schmalen Ordner zum Todesfall Fletcher ansieht. Wie kann es sein, dass der Tote, der offenbar mit viel Alkohol und Cannabis im Blut am Rande eines Flusses im Lake District gefunden wurde, eine starke Prellung am Kopf vorweist? Und warum zeigt der Körper des Toten Anzeichen davon, dass offenbar jemand versucht hat, ihn wiederzubeleben? Während eines Picknicks, so die Aussagen der jugendlichen Zeugen, ist Fletcher, ein ausgezeichneter Schwimmer, aus Spaß einem Kanufahrer hinterher geschwommen und nicht zurückgekehrt. Tod durch Ertrinken kann in diesem Fall einfach nicht stimmen. Smith und Waters suchen nun nach dem Kanufahrer, der unter falschem Namen das Kanu gemietet hat und offenbar einen osteuropäischen Akzent hat. An der Flussstrecke werden Leute befragt und per Zufall entdeckt Smith in der Nähe eines schwer bewachten Privatgrundstückes die verbrannten Überbleibsel eines Holzkanus am Ufer, und später noch eine Zigarettenschachtel bosnischer Herkunft. Da Smith nun neugierig geworden ist, klettert er durch das Loch im Sicherheitszaun von Manley Park, lässt sich von den Wachleuten schnappen und fordert dann ein Gespräch mit dem Besitzer des riesigen Areals, einem offensichtlich hohen ehemaligen Militärangehörigen. Ab diesem Moment weiß Smith, dass hinter dem „unglücklichen Tod“ Fletchers mehr steckt als vermutet, denn der Geheimdienst kommt ins Spiel und seltsamerweise ist dieser über jeden Schritt von Smith informiert.
Mit DC Smith hat Peter Grainger, der eigentlich Robert Partridge heißt und dreißig Jahre als Lehrer für Englisch und Literatur gearbeitet hat, eine ambivalente, lebenserfahrene Figur mit Ecken und Kanten geschaffen, die durch ihren langjährigen Dienst vielleicht zum alten Eisen gehört, aber ihren Spürsinn nicht verloren hat. Zum anderen schreibt der englische Autor temporeiche, lebendige Dialoge, deren trockener Humor aus den unterschiedlichen Lebenserfahrungen der Generationen der Ermittler resultiert.
Empfehlenswert! Den nächsten Band sollte man nicht verpassen!