Kim Hundevadt: Porcus, Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg, btb Verlag, München 2026, 416 Seiten, €17,00, 978-3-442-77586-6<

„Seit dem Treffen mit Victor Poulsen und Christiane Mielcke ging ihm ständig im Kopf herum, dass Katja einen gewaltigen finanziellen Vorteil hätte, wenn sie ihren Mann umbrachte. Allerdings war dieser Gedanke wahnsinnig. Katja würde doch niemals einen Menschen, noch dazu ihren eigenen Ehemann, umbringen?“

Mickael Moll von der Kopenhagener Zeitung Morgenbladet hat schon seit längerer Zeit Søren Poulsen, den größten Schweinezüchter Dänemarks, im Visier. Immerhin soll dieser mit russischen Oligarchen trotz Sanktionen Geschäfte machen. Allerdings könnten auch kleinliche Rachegedanken dahinter stecken, denn der sechsundvierzigjährige Investigativjournalist war einst mit Katja, der derzeitigen attraktiven, viel zu jungen Ehefrau von Poulsen, liiert und sie hatte ihn auf eine perfide Art abserviert. Dass Poulsen nun auf eine sehr brutale wie absolut widerwärtige Weise getötet wurde, d.h. er wurde wie ein Schwein über drei Wochen gehalten und abgeschlachtet, erregt alle Gemüter. Ausgerechnet Mick, der auf echte Storys angewiesen ist, erhielt die anonyme Mitteilung, wo er Poulsen nach seinem Verschwinden finden kann. Auf Mors ist dann die Aufregung groß und natürlich ist auch der Geheimdienst vor Ort. Auf Anweisung ihres arroganten, jungen Chefs, Mads Funch, soll Christiane Mielcke, kurz Chris, bei der Taskforce Porcus als Verbindungsoffizier zwischen der Polizei und dem PET fungieren. Als erstes geraten natürlich die aggressiven Tierschützer unter Verdacht und dazu gehört auch Micks neunzehnjährige Tochter Anna. Doch die vorschnellen Verhaftungen enden in einem Desaster für Funch, der nur in eine Richtung ermitteln will. Chris, die geheime Informationen an die Presse, speziell an ihren Lieblingsjournalisten Steen Fischer durchsticht, denkt viel breiter, trifft bei ihren Ermittlungen aber auch immer wieder auf Mick. Um ein Motiv für den abscheulichen Mord zu finden, vergräbt sich dieser in tausenden Dateien von ParadiseLeak der Steueroase auf den Seychellen und geht davon aus, dass Poulsen nicht nur Steuern in Millionenhöhe hinterzogen, sondern eventuell auch seine russischen Partner über den Tisch gezogen hat, was diese kaum akzeptieren würden. Als dann jedoch, und diese Info kommt von Fischer, ein junges, muslimisches Bandenmitglied in Schweden mit Geld nur so um sich wirft und kurz danach ermordet wird, ergibt sich eine völlig neue Spur. Als dann auch noch Videos im Netz erscheinen, die die Todesqualen von Søren Poulsen zeigen und Drohungen gegen weitere Züchter ausgesprochen werden, wird die Zeit knapp.
Kim Hundevadt konfrontiert bei seinem ersten Thriller in dieser Reihe die Lesenden mit vielen unappetitlichen, um nicht zu sagen, grausigen Details über die Schweinezucht, insbesondere beim Umgang mit Ferkeln in Dänemark. Wer das Buch bis zum Ende gelesen hat, wird sicher eine Zeitlang keine Würstchen mehr essen können.
Über die Lebensumstände der beiden ambivalent gezeichneten Hauptfiguren Mick und Chris liefert der dänische Autor viele persönliche Hintergrundinformationen, woraus zu schließen wäre, dass sie auch im nächsten Buch eine Rolle spielen könnten.
Spannend und auch Angst einflößend liest sich dieser Krimi, denn der Autor zeigt penetrant mit dem Finger auf die gesellschaftlichen Missstände beim Umgang mit Nutztieren und nicht einen Moment lang spüren die Lesenden irgendetwas vom so gepriesenen dänischen Hygge, ganz im Gegenteil.

Hart, aber sehr gut!