Emylia Hall: The Shell House Detektives . Der Fremde am Strand, Aus dem Englischen von Sylvia Spatz, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2026, 400 Seiten, €17,00, 978-3-423-26458-7
„Etwas hat sich verändert. Dies ist nicht länger eine tragische Geschichte, sondern ein Kriminalfall. Dass ausgerechnet jetzt eine Frau vermisst wird, ist kein Zufall. Abgesehen davon glaubt Jayden ohnehin nicht an Zufälle. Nicht bei der Polizeiarbeit. Vielleicht geht es Ally Bright genauso, auch wenn ihr die Zusammenhänge, die Roland Hunter herstellt, nicht gefallen.“
Die vierundsechzigjährige, eigentlich sehr introvertierte Ally Bright lebt an der Küste von Cornwall in einem herrlichen Holzhaus, dem Shell House. Immer noch trauert sie um ihren Mann Bill, der den Einwohnern als angesehener Polizist mit Herz und Verstand in Erinnerung bleiben wird. Als Künstlerin arbeitet Ally an Riesencollagen, die sie u.a. aus Plastikgegenständen zusammensetzt, die sie bei ihren Strandspaziergängen mit Hund Fox findet. Ihre Tochter Evie lebt schon lang in Sydney und hofft, dass die Mutter bald zu ihr zieht und sich um die Enkel kümmert. Doch Ally liebt ihren Heimatort und das Meer, das sie immer wieder tröstet. Als dann eines Tages der junge Lewis Pacoe nach seinem fünfjährigen Gefängnisaufenthalt vor ihr steht, um unbedingt mit Bill zu sprechen und am folgenden Tag von den Klippen stürzt, findet Ally keine Ruhe mehr. Tragischerweise fällt Lewis genau da in die Tiefe, wo sich einst sein Vater das Leben genommen hatte. Für Bill damals eine schreckliche Erinnerung und so versprach er dem Sohn, dass er ihm, wenn er wieder in Freiheit ist, helfen würde. Doch Bill ist tot und auch die Großmutter von Lewis, die in der Nähe von Ally ihr Grundstück an den reichen Managmentberater Roland Hunter verkauft hat und im betreuten Wohnen dann verstorben ist. Niemand hatte Lewis Bescheid gesagt und so gerät der junge Mann an einen aggressiven Roland Hunter, der sich von den Fragen des jungen Mannes extrem belästigt fühlt. Roland und seine zweite Frau Helena, die kaum Kontakte zu den Einheimischen pflegen, haben sich an ihrem Traumort einen pompösen Glaspalast mit Meerblick auf dem erworbenen Grundstück gebaut. Auch Jayden Weston, ein neunundzwanzigjähriger Ex-Polizist, ist mit seiner schwangeren Frau Cat, die aus der Gegend stammt, neu nach Porthpella gezogen. Jayden, der als Polizist ein traumatisches Erlebnis hatte, und Ally treffen sich am Strand genau zu dem Zeitpunkt, als Lewis seinen Sturz überlebt und ins Krankenhaus gebracht wird. Beide sind sich gleich sympathisch und so erzählt Ally von ihrem schlechten Gewissen Lewis gegenüber. Nach und nach beginnen beide, was die hiesigen Polizeibeamten kaum erfreut, Informationen zusammenzutragen, denn Rolands Frau Helena verschwindet plötzlich. Jayden hatte eine junge Joggerin am Strand panisch weglaufen sehen. Dass dies Helena war, stellt sich später heraus. Ally findet ihre Uhr im Sand und auf dieser befinden sich die Fingerabdrücke von Lewis. Sofort behauptet Roland, dass Lewis ihr etwas angetan hat, was Ally nicht glauben kann. Durch seine Kontakte zur Polizei findet Jayden heraus, dass Rolands wohlhabende, erste Frau vor fünf Jahren bei einem Einbruch in ihr Haus zu Tode kam. Sebastian Lyle, der Schwager von Roland, behauptet steif und fest, dass nur Roland der Täter sein kann, um das Vermögen seiner Frau zu erben. Doch Rolands Alibi ist überzeugend, denn er war in dieser Nacht bei seiner Geliebten Helena. Ally jedenfalls lernt durch diesen tragischen Fall nicht nur Jayden kennen, sondern auch noch Gus Munro, der für ein paar Wochen am Meer lebt, um einen Roman zu schreiben. Die erfolgreichen Recherchen und dezenten Befragungen der beiden Hobbydetektive, die ihre Erkenntnisse immer an die Polizei weitergeben, können Ally und Jayden Helena finden. Sie fühlt sich schuldig, weil sie mittlerweile der Meinung ist, dass Roland wohl seine Frau ermordet hat.
Durch genaues Zuhören und Kombinieren lösen Ally und Jayden noch vor den eher passiven Polizeibeamten den Mordfall vor fünf Jahren. Dass Jayden seinen Beruf sehr vermisst, kann er nicht verleugnen und Ally hat ihr Talent für Befragungen entdeckt. Außerdem stärkt Gus ihr den Rücken.
Ob sie nun zu ihrer Tochter ans andere Ende der Welt zieht, bleibt offen und vielleicht folgt auch bald nach diesem Kriminalromandebüt ein zweiter, was zu hoffen wäre. Denn Emylia Hall schreibt temporeich, atmosphärisch genau und natürlich spielen das Meer und Cornwall neben der eigenwilligen Ally, dem sympathischen Jayden die Hauptrollen in diesem Pageturner.