Alexander Oetker: Signora Commissaria und die Insel der Träume, Hoffmann und Campe Verlag, Atlantik, Hamburg 2026, 272 Seiten, €18,00, 978-3-455-02110-3
„Giulia hatte sich entschieden, keine Waffe zu tragen. Sie wusste nicht, warum. Es hatte ihr einfach kein gutes Gefühl gegeben, in einem voll besetzten Touristenzug ihre Pistole zu tragen, ohne zu wissen, ob einer der Erpresser zufällig neben ihr saß.“
Als Roberta Cavalli, die ahnungslose Marketingfrau des hochangesehenen Modehauses Giotti, bei einer harmlosen Polizeikontrolle in Santa Croce wegen Geschwindigkeitsübertretung den Kofferraum ihres Autos öffnen muss, sind sie und der Polizeibeamte mehr als schockiert. Sie finden die gefesselte Leiche von Davide Giotti, dem charismatischen Sohn des Modemoguls Carlo Giotti. Da Giulia Ferrari, die Commissaria, sich Urlaub genommen hatte, übernimmt Questore Medici diesen brisanten Fall, bei dem Giulias blinder Mitarbeiter Enzo Aleardi sehr auf die Hilfe vom ehemaligen Polizisten Luigi Barista gehofft hatte. Aber dieser hatte seinen langjährigen Dienst wegen Medicis unangemessenem Führungsstil von einem Tag auf den anderen gekündigt. Heimlich versuchen nun beide, an Medici vorbei die Ermittlungen zu führen, was allerdings kläglich scheitert. Giulia muss helfen. Allerdings hält sie sich auf Sardinien auf, denn sie hat ihre jüngere, einst entführte Schwester Sofia in einer abgelegenen Region aufgespürt, nachdem sie nach Jahren endlich von der Mafia einen Hinweis bekommen hat. Die tragische Geschichte der Familie zieht sich wie ein roter Faden durch diese Reihe rund um die Commissaria.
Um Enzo, der suspendiert wurde, und Luigi, der auch noch im Gefängnis gelandet ist, aus dem Schlamassel zu befreien, kehrt die Commissaria nach Florenz zurück. Sie ahnt, dass die Hauptverdächtige Roberta Cavalli nicht ganz die Wahrheit sagt und irgendwie doch involviert ist. Die Beamten durchsuchen die teuer eingerichtete Wohnung Giottis, der immer wieder mal Affären mit Models hatte, auf dem Ponte Vecchio und befragen den Modemogul und Vater des Toten, der als kreativer Kopf der Firma sich gegen harte Konkurrenten durchsetzen muss. Dass das Modehaus gleich mehrmals erpresst wird, führt die Ermittler auf eine neue Spur. Denn Davide Giotto sollte bei der ersten Erpressung eine Million Euro übergeben. Beim Treffpunkt mit den Entführern ist er nie angekommen.
Den Handlungsverlauf unterbricht Alexander Oetker mit Rezepten und kulinarischen Ausflügen in die toskanische Küche und bodenständigen Dialogen zwischen Luigi und seiner Frau Carla, die eigentlich gemeinsam eine Bar führen.
Wie hart es ist, sich in der Modebranche durchzusetzen, bedingt auch durch die Konkurrenz aus Asien, wird den Lesenden in Erinnerung gerufen und nicht nur Enzo und Luigi wundern sich, wie viel Geld Menschen für Taschen oder Kleider ausgeben, wenn sie glauben, es sei das Original und keine wertlose Kopie aus China.
Wer die unterhaltsamen Krimis des umtriebigen Autors liebt, wird auch bei diesem Roman nicht enttäuscht. Es sind die lebendigen, wie vertrauensvollen Hauptfiguren, denen Lesende gern folgen und natürlich die Beschreibungen rund um die Toscana, insbesondere des besonderen Flairs von Sata Croce, mit ihren Menschen, der Landschaft und ihrer wunderbaren Gerichte.