Petra Hartlieb: Buberlpartie, Dumont Buchverlag, Köln 2026, 384 Seiten, €18,00, 978-3-7558-0048-4
„Wenn der Crash am Freitagnachmittag doch der Auftakt einer rechtsradikalen Anschlagserie war, mit dem Ziel, linke, grüne oder jüdische Einrichtungen in die Luft zu jagen, um das Land zu destabilisieren, welche Rolle spielte dann Albert Schotterer in diesem Stück? War er nur eine Marionette, die Befehle ausführte und sich für die ‚Sache‘ opferte? Hatte er darauf spekuliert, dass sein fettes Auto ihn vor Verletzungen schützen würde und er mit dem Urteil ‚Unfall‘ aus der Sache rauskäme?“
Oberinspektorin Alma Oberkofler steht vor einem Rätsel und nur ihr guter Kontakt zum Verfassungsschutzbeamten Werner Althuber wird ihr vielleicht die Augen öffnen. Dabei war sie mit ihrer Lieblingsbuchhändlerin dieses Mal ganz nah am Geschehen, als der riesige SUV mit höchster Geschwindigkeit in das angesagte Restaurant „Nudel“ gleich vor ihnen raste. Die folgende Explosion führte zu einem unsäglichen Brand und Chaos. Zum Glück kaum verletzt konnte Alma einen syrischen Angestellten retten. In den Flammen kamen jedoch vier Menschen und auch der Fahrer des SUV, Albert Schotterer, ums Leben. Bevor der „Unfall“, wie es viele Amtsträger gern bezeichnen, geschah, sah Alma noch die Schriftstellerin Miriam Cohen aus dem Restaurant ihres Bruders Amon Cohen wutschnaubend hinauslaufen. Zu den Opfern zählte nun nicht nur der Inhaber des jüdischen Restaurants, sondern auch ein stadtbekannter engagierter Journalist namens Sebastian Schmuck und eine weitere Person, die allerdings erst sehr spät identifiziert werden kann.
Eigentlich wollte Alma mit ihrem Lebensgefährten Antti in den Urlaub fahren, aber nun muss sie unbedingt bei den Ermittlungen dabei sein. Denn natürlich gehen die Polizeibeamten kaum von einem Unfall aus, denn die Bauunternehmer Albert Schotterer und Vater Hans, der vor Kurzem verstorben ist, beide in der Heimatpartei engagiert, sind eng mit den Neuen Rechten bis hin zu Reichsbürgern in Schwerin und der AfD verbunden. Zu schnell sollen die Akten geschlossen werden, denn auch die höchsten Verantwortlichen in der Regierung suchen schon wieder die Nähe zum Parteichef der Rechten und versammeln sich in Männerbünden, auch genannt „Buberlpartie“. Doch was wollen die Neuen Rechten? Was planen sie und wer steht erneut hinter ihnen?
Alma lässt sich von ihren Recherchen rund um Familie Schotterer nicht abbringen. Sie trifft sich mit Constanze Schotterer, die frühzeitig Vater und Bruder verlassen hat und nun in der Schweiz ein Hotel besitzt. Constanze Schotterer ist die Lebenspartnerin der Wiener Staatsanwältin Susanne Wolf und diese ist die Tochter vom vierten Toten, Franz Schubert, der ausgerechnet in einer wichtigen Abteilung für Baugenehmigungen arbeitete. Dass der Bauunternehmer Schotterer sich verspekuliert hatte und im „roten“ Wien nicht mehr durch Korruption seinen Willen durchsetzen konnte und mit mit seiner Firma vor der Pleite steht, ergeben die Befragungen der Ermittler. Und immer deutlicher wird, dass Albert Schotterer der Meinung war, dass er demnächst einen hohen Posten in der Regierung bekleiden würde. Was diese eigenartige Ansicht mit einer Waldhütte, in der sich gern die rechten Parteigenossen getroffen haben zu tun hat, überrascht dann nicht nur Alma.
Doch wo ist nun das Motiv für diesen eindeutigen Anschlag? Die Sprengstoffexperten werden Licht ins Dunkel bringen und Almas penetrante Art, sich gegen die Anweisungen des aalglatten Staatsanwalt aufzulehnen.
Wie immer legt Petra Hartlieb mit ihrer Hauptfigur der Chefinspektorin Alma Oberkofler den Finger in die Wunde, d.h. sie umkreist aktuelle gesellschaftliche Konflikte, die auch das Nachbarland Deutschland schon lang beschäftigen und demnächst hoffentlich nicht unter den Teppich gekehrt, sondern öffentlich gemacht werden.