Freya Sampson: Mord ohne Vorwort . Ein Buchclub ermittelt, Aus dem Englischen von Claudia Voit, Dumont Buchverlag, Köln 2026, 349 Seiten, €18,00, 978-3-7558-0090-3
„Phyllis stieß einen langen Seufzer aus. Mehr denn je begriff sie jetzt, wie sich Miss Marple gefühlt haben musste, als die Leute sie immer wieder aufs Neue unterschätzten und ihre Theorien als Geschwätz und bloße Spekulation abtaten. Aber die gute alte Jane Marple wusste, dass eine Theorie, zu der alle Fakten passten, die richtige sein musste.“
Wenn die siebzigjährige, allein lebende Phyllis Hudson sich in einem gut auskannte, dann sind das alle Romane von Agatha Christie, insbesondere die, in denen Miss Marple die Fälle bravourös löst. Allerdings verwechselt die sehr streitbare und in ihrer Art allzu direkte, alte Dame zu gern die fiktive Welt der Krimis mit der des realen Lebens.
Freya Sampson erzählt ihren Cosy Crime rund um einen ominösen Todesfall und einen gemeinen Diebstahl multiperspektivisch. Zu Wort kommt natürlich Phyllis, aber auch Nova, die Leiterin des Buchclubs, der einundachtzigjährige Arthur und Michael. Alle nehmen an den Treffen des Buchclubs im Gemeindezentrum teil und müssen feststellen, dass während ihrer letzten Zusammenkunft 10.000 Pfund, mühsam für die Erneuerung des Daches gesammelt, aus dem Nebenraum gestohlen wurden. Ins Visier der Polizei gerät nun Michael, der die Besprechung des Buchclubs vorzeitig verlassen hat und zu ihrem Unglück auch Nova, die offenbar den Raum, in dem das Geld deponiert war, nicht abgeschlossen hatte. Nun zahlt die Versicherung keinen Penny und die Existenz des Gemeindezentrums wird vom Gemeinderat, wie immer um Kosten zu sparen, in Frage gestellt. Alle stehen auf Novas Seite, ihre Chefin, aber auch ihre beste Freundin Lauren und alle Buchclub-Mitglieder. Und natürlich prescht Phyllis, immer an ihrer Seite ihre uralte Englische Dogge, vor und versucht die Buchclub – Mitglieder zu überreden, den Diebstahl aufzuklären.
„Phyllis seufzte übertrieben auf. ‚Hast du noch nie einen Krimi gelesen? Ohne die Hilfe eines Hobbydetektivs schafft es die britische Polizei nie, ein Verbrechen zu lösen.'“
Hier muss die junge Nova, die den Buchclub der Gemeinde St Tredock seit neuester Zeit leitet und laut Phyllis nie die richtigen Kekse anbietet, energisch widersprechen. Aber gegen die laute, leicht schrullige Phyllis hat sich noch niemand durchgesetzt. Allerdings sind ihre Mutmaßungen und möglichen Rekonstruktionen des Tathergangs ab und zu doch vorschnell. So behauptet sie, nach ihrer Observierung von Michaels Haus, dass er angeblich verstorben sei, was sich als falsch herausstellt. Zu Tode gekommen ist Eve, die einundneunzigjährige Mutter von Michael, nach einem heftigen Streit mit ihrem Sohn, der daraufhin unauffindbar ist. Als Hauptverdächtiger neben Nova ist er nun das Zielobjekt des Buchclubs. Dabei hat Nova, die in Kürze heiraten wird, wirklich andere Probleme als auf Verbrecherjagd zu gehen. Ihr sitzt die nervige Schwiegermutter im Nacken und ihr künftiger Ehemann Craig will sogar, dass sie ihre Arbeit, die sie so liebt, kündigt. Den Rücken stärkt ihr der einundachtzigjährige Arthur, der gern von seiner Frau, die am liebsten Liebesromane gelesen hat, spricht. Dass sie längst verstorben ist, weiß niemand. Nova jedenfalls macht in ihrer Arbeit einen Fehler nach dem anderen und kann sich das alles nicht erklären. Und dann stellt sich auch noch heraus, dass Michael offenbar einen Privatdetektiv angeheuert hatte. Seltsamerweise hat dieser wohl Phyllis beobachtet, was alle noch mehr verunsichert. Wer nun das Geld gestohlen hat, Nova aus dem Job drängen will und was hinter dem gewaltsamen Tod der alten Dame steckt, wird natürlich durch die teils witzige, aber auch dilettantische Ermittlungsarbeit des Buchclubs in einer emotionalen Achterbahn der Gefühle nach und nach aufgedeckt. Originell sind die ambivalent gezeichneten Figuren, die sich durch ihre Gegensätzlichkeit in Alter und Lebenserfahrung wunderbar ergänzen. Agatha Christie Romane werden in Erinnerung gerufen, aber es geht auch um Klassiker wie „Viel Lärm um nichts“ von William Shakespeare.
Rundum gelungene Strand- oder Wochenendlektüre für alle die Krimis ohne Gewaltexzesse mögen!
Sehr empfehlenswert!