Alex Finlay: Falls mir etwas zustößt, Aus dem Englischen von Leo Strohm, Goldmann Verlag, München 2026, 386 Seiten, €14,00, 978-3-442-49733-1

„Es ergibt einfach keinen Sinn – warum sollte jemand Alison entführen, um sie an die beiden Männer auszuliefern, die es dann mit einem völlig verzweifelten Vater zu tun bekommen hatten? Einem Vater mit alten Freunden, die in der Lage waren, das Mädchen aus der Hand der Entführer zu retten und gleichzeitig das Ganze zu vertuschen.“

Für Ryan ist und bleibt es ein Albtraum. Er trifft sich in Leavenworth, Kansas, an einem romantischen Ort mit seiner Highschool – Liebe Alison. Der Regen überrascht sie. Und in dem Moment, wo beide im Auto von Alisons Vater sitzen, reißt jemand die Tür auf, entführt die junge Frau und ein anderer schlägt Ryan ohnmächtig. Auch nach fünf Jahren kann Ryan diesen bedrückenden, wie hilflosen Moment nicht vergessen. Er hat seinen Nachnamen geändert, da er über lange Zeit des Mordes an seiner Freundin Alison beschuldigt wurde. Als Täter identifizierten die Ermittler dann den Serienmörder Benedict Cromwell, der diesen angeblichen Mord jedoch immer bestritten hat. Im Gefängnis wird er von Mitinsassen getötet. Ryan will nun unbedingt Anwalt werden und bekommt ausgerechnet im italienischen Montepulciana, bei einem Studentenaustausch, eine seltsame Nachricht, offenbar von einem der damaligen Entführer.
Zeitgleich in Kansas tritt die einundzwanzigjährige Poppy McGee nach ihrem Militärdienst ihren Dienst als Debuty Sheriff an. Sie muss sich um ihren sehr kranken Vater kümmern, der einst ebenfalls als Polizist gearbeitet hat. Ihr Bruder Dash ist zwar eine Frohnatur, aber als Pfleger kaum geeignet. Am ersten Tag wird Poppy, die davon ausgegangen war, dass sie in ihrem neuen Job eine ruhige Kugel schiebt, an einen See gerufen. Hier ziehen die Beamten den Wagen von Alisons Vater aus dem Wasser, am Steuer sitzen zwei getötete Männer. Im Auto findet die Spurensicherung eine Handtasche von Alison und darin sogar eine ominöse Botschaft von der jungen Frau: „Falls mir etwas zustößt“ und dann folgt eine seltsame Zahlenreihe, offensichtlich ein Code.
Alex Finlay erzählt seine spannende Handlung zeitlich versetzt, was die Lesenden allerdings erst ab der Mitte des Romans verstehen. Parallel zur gegenwärtigen Handlung, in der Poppy die Ermittlungen aufnimmt und erfahren muss, dass ihr Vorgänger im Amt so einiges vertuscht hat, dreht sich ein weiterer Erzählstrang um einen skrupellosen Mafioso namens Shane O’Leary. Dessen Teenagersohn Anthony begeht Selbstmord, da er von seinen privilegierten Mitschülern an einer Eliteschule aufs Grausamste gemobbt wird. Shane O’Leary nimmt rücksichtslos Rache an den Jugendlichen und am Direktor der Schule. Taylor, die Tochter seines Buchhalters Michael Harper, war ebenfalls an der Bloßstellung des armen Anthony beteiligt. Beide müssen nun fliehen und ihre Namen ändern, und so wird aus Taylor Alison Lane.
Geschickt lässt Alex Finlay die Lesenden die Puzzleteile aus den verschiedenen Handlungssträngen zusammensetzen und deutlich wird, dass Alison und ihr Vater, der auch noch das Vermögen des Mafiabosses mitgenommen hatte, zwar in Kansas untertauchen können, aber unsichtbar bleiben sie nicht. Hat doch ein Mafioso Alison in einem veröffentlichten Youtube – Video wiedererkannt.
Nur Poppys hartnäckige Ermittlungen führen dazu, dass ihr Bruder Dash, der in Alison verliebt war, endlich erzählt, was er an diesem Abend bei der Entführung gesehen hat. Und auch Ryan wird langsam klar, dass Alison nicht ermordet wurde, sondern noch lebt und jetzt gemeinsam mit ihrem Vater erneut in Gefahr schwebt.

Absolut spannender Plot! Nichts für zarte Gemüter!