Shari Lapena: Was sie nicht weiß, Aus dem Englischen von Kristian Lutze, Goldmann Verlag, München 2026, 384 Seiten, €17,00, 978-3-442-20703-9

„Er geht zu seinem Bett, lässt sich erschöpft und überwältigt auf die Matratze sinken und versucht nachzudenken. Er hat Angst davor, was die Polizei finden könnte.“

Die Kleinfamilie Frost, Bryden und Sam sind seit fünf Jahren verheiratet, lebt in Albany, New York ein ganz normales Leben. Die fünfundreißigjährige Bryden arbeitet Vollzeit als Buchhalterin und kümmert sie die meiste Zeit um die dreijährige Tochter Clara und den Haushalt. Clara ist ein liebes Kind und geht gern in den Kindergarten. Ehemann Sam ist in einer großen Firma als Portfoliomanager beschäftigt. Sie sind wohlhabend und bewohnen eine Eigentumswohnung in einem größeren Mehrfamilienhaus. Eine Nachbarin, die ebenfalls eine kleine Tochter hat, ist gut mit Bryden befreundet und oft verbringen die Mädchen Zeit miteinander. Alles prima, so scheint es. Doch dann eines Tages holt Bryden ihre Tochter nicht rechtzeitig von der Kita ab. Sam muss alles stehen und liegen lassen und Clara nach Hause bringen. Hier stellt er fest, dass seine Frau ohne Mantel, Handy oder Handtasche die Wohnung verlassen hat. Äußerst schnell ist die Polizei vor Ort und durchkämmt das gesamte Haus und die Tiefgarage, in der seit einiger Zeit die Kameras ausgefallen sind. Detective Jayne Salter vom Albany Police Department kann sich nicht erklären, was geschehen sein könnte. Sie hat sofort den Ehemann im Visier. Aber es gibt auch einen Nachbarn, der vor einiger Zeit angeblich eine junge Frau entführt und vergewaltigt hat. Nachweisen konnte man ihm diese Tat nie.
Shari Lapena erzählt ihren Thriller nun aus unterschiedlichen Perspektiven. Zum einen ist da der Ehemann, dann die Eltern von Bryden, ihre Schwester Lizzi, die beste Freundin Paige und die Ermittler. Und noch ein Paar rückt in den Focus der Polizei, Derek Gardner und seine hochintelligente wie attraktive Frau Alice. Bryden ist vor sieben Wochen auf den nagelneuen Tesla von Derek Gardner aufgefahren. Kein großer Schaden, Bryden hat Derek den Schaden, ohne die Versicherungen hinzubeziehen, bar bezahlt. In den Befragungen der Ermittler behauptet Paige nun, dass Bryden ein sexuelles Verhältnis mit Derek hatte, was Sam sofort zurückweist. Immer wieder beschwört er seine harmonische Beziehung zu Frau und Kind. Als dann ein Spür- und Leichenhund die Abstellräume im Haus durchsucht, findet er die Leiche von Bryden in einem Koffer versteckt hinter hohen Pappen. Offenbar ist sie in ihrer eigenen Wohnung hinterrücks mit einem Plastikbeutel erstickt worden. Brydens Eltern können diese grausige Tat kaum fassen und rücken immer mehr von ihrem Schwiegersohn ab. Als sich dann noch herausstellt, dass er seine Frau, da er beruflich überfordert und frustriert ist, geschlagen hat, zerbricht die Vorstellung von der kleinen harmlosen, glücklichen Familie. Denn auch Sam ist fremdgegangen und ahnt, dass die Polizei auch dies bald herausfinden wird. Jeder in der Familie misstraut nun dem anderen. Nur Lizzi und Paige halten noch zu Sam. Lizzi, die innerhalb der Familie nie die Wertschätzung erfahren hat, die ihr ihrer Meinung nach zusteht, füttert im Netz eine Community von Hobbydetektiven anonym mit Informationen, die sie durch die anwesenden Detectives aufgeschnappt hat. Aber auch Derek ist immer noch verdächtig, was seine diabolische Frau Alice sehr beunruhigt. Zum einen ist sie extrem eifersüchtig wie eiskalt, zum anderen scheint sie eine Frau zu sein, die andere zu gern manipuliert, kontrolliert und wie ihr Mann allzu gern belügt.
In kurzen Kapiteln umkreist Shari Lapena die möglichen Verdächtigen und zerstört dabei desillusioniert die Idee von der heilen Welt der kleinen amerikanischen Familie, in der es noch Werte gibt, wie Freundschaft oder gar Liebe.

Absolut spannend!