Patrick McGinley: Todeskarussell, Blanvalet Verlag, München 2026, 544 Seiten, €13,00, 978-3-7341-1570-7

„Die Szene zuckte in ihrem Bewusstsein auf, der modrige Keller, ihre gefesselten Hände, die Silhouette des Mannes mit der Glatze, der Gasbrenner in seiner Hand, das Fauchen der Flamme an ihrem Ohr.“

Kim Sperling von der Berliner Mordkommission kann eigentlich ihren Instinkten vertrauen und ist hart im Nehmen, wenn es um gefährliche Situationen geht. Doch als sie hilflos einem Sadisten namens Lazarus ausgeliefert ist, der offenbar sehr viel Freude daran hat, Menschen mit Feuer zu verstümmeln, da spürt auch sie eine „tierische Angst“. Offenbar ist die zierliche Polizistin der Drogenmafia zu nahe gekommen. Ihr Polizeiausweis rettet ihr das Leben, denn eine tote Ermittlerin schadet nur dem Geschäft.
Patrick McGinley, der in Brüssel geboren wurde, in München aufgewachsen ist und heute in Irland lebt, hat sich für sein Thriller – Debüt die deutsche Hauptstadt ausgesucht und lässt seine Ermittler quer durch Berlin, von Pankow bis in den Grunewald, nach Verdächtigen und Motiven suchen. Ausgangspunkt der Handlung ist eine Explosion im Internationalen Flughafen ( Reale Orte wie politische Verhältnisse in Berlin sind fiktiv verfremdet.). Nach Ankunft einer Maschine aus New York warten alle übermüdet auf ihre Koffer. Doch auf dem sich drehenden Gepäckband befindet sich nur ein gefesselter Mann, dessen Kehle durchgeschnitten wurde. Auf seiner Stirn ist ein L-förmiger Einschnitt zu sehen. Der Teddy vor seinem Bauch transportiert eine Sprengladung, die durch eine Fernzündung ausgelöst wird. Das Opfer ist Georg von Fallbach, ein Kleinkrimineller und Bruder des Oberbürgermeisters von Berlin, der auf diese abscheuliche Weise sterben muss. Moritz von Fallbach befindet sich mitten im Wahlkampf und seine Gegnerin ist ausgerechnet eine politisch extrem rechte Politikerin, deren Berater nicht gerade für seine Friedfertigkeit bekannt ist.
Kim und ihr Kollege Andi Steger und auch beider Vorgesetzter stehen unter heftigem Druck von allen Seiten. Schnelle Ergebnisse müssen her. Alle sind der Meinung, nur jemand der den Flughafen gut kennt, konnte diese Aktion unbemerkt in die Wege leiten. Als Kim dann einen angeblich unbescholtenen Bundespolizisten verfolgt, der offenbar in Drogengeschäfte im Flughafen verwickelt ist, nimmt dieser sich aus Angst vor Lazarus das Leben. Kim leitet zwar die Ermittlungen, aber immer wieder kommt ihr der unsympathische, nur auf die Karriere orientierte Stefan Schwandorf in die Quere. Denn körperlich ziemlich lädiert, da ein zweiter Verdächtiger mit einem Sprengsatz getötet wurde und Kim in seiner Nähe war, muss sie die umfangreiche Polizeiarbeit koordinieren. Immer tiefer geraten die Ermittler in die Revierkämpfe der Drogenmafia und registrieren auch Verbindungen zwischen einem dubiosen Geschäftsmann und obersten Politikern. Zum einen sucht die Mordkommission nun nach dem Gewalttäter namens Lazarus und zum anderen glaubt Kim nicht, dass er hinter all den Morden steckt. Er hat nur Freude am Geldeintreiben und Quälen, nicht am Töten. Und Kim wird recht behalten, denn diese Morde sind Racheakte an sehr unterschiedlichen Personen. Doch was verbindet alle Toten? Und was haben die brutalen Taten mit dem Flughafen zu tun?
Patrick McGinley hat einen düsteren Thriller geschrieben, dessen kurze, sehr bildhaft wie szenisch geschriebene Kapitel einen unwiderstehlichen Sog entwickeln. Der Autor hat eine Vorliebe für präzisen Darstellungen von Verfolgungsjagden und menschliche Abgründe. Seine Hauptfigur Kim Sperling ist eine durchsetzungsfähige Polizistin, die gern unterschätzt wird, aber in entscheidenden Situationen alles im Griff hat und die richtigen Fragen stellt. Eng verbunden mit ihrem Kollegen und Freund Andi geraten beide oft in brenzlige Situationen, aus denen sie sich oftmals nur verletzt retten können. Neben dem beruflichen Stress lässt Patrick McGinley die Lesenden auch in die Privatleben der Ermittler schauen, was aber kaum von der Dramatik der temporeichen Handlung ablenkt.

Abgründig, aufregend und gut geschrieben!