Stefan Ahnhem: Haustausch, Aus dem Schwedischen von Katrin Frey, Ullstein Verlag, Berlin 2026, 444 Seiten, €18,00, 978-3-548-07537-2
„Auch wenn es noch Kleinigkeiten zu erledigen gab, fühlte sie sich schon wie neugeboren. Vielleicht war das ein wenig übertrieben, aber so empfand sie es nun mal. Als könnte ihr wahres Leben erst jetzt beginnen. Das Leben, das immer für sie bestimmt gewesen war.“
Keine Frage, das schwedische Ehepaar Carl und Helene Webster stecken tief in einer Ehekrise. Helfen soll der Haustausch, den Helene allein organisiert hat. Für einen Monat tauschen die Websters ihr schönes Haus im Schärengarten bei Stockholm gegen das Sommerhaus mit Pool der Familie Harris in Santa Cruz. Das passt auch gut, da Adam Harris, der Schwede ist, seine Kunstausstellung in Stockholm vorbereitet. Finanziell haben die Harris‘ nichts auszustehen, denn Scarlett Harris ist finanziell mehr als abgesichert. Alle wollen in diesen vier Wochen einfach nur ihre Ruhe haben und für Harmonie und mehr Schwung in ihren Beziehungen sorgen. Scarlett hat dafür sogar ein paar Kilo abgenommen, was ihr Mann allerdings kaum bemerkt. Nach und nach jedoch schleichen sich bei beiden Paaren langsam Unstimmigkeiten ein. Kaum angekommen im sonnigen Kalifornien entdeckt Carl, der als erfolgreicher, ziemlich cholerischer Inhaber einer Immobilienfirma alles unter Kontrolle haben will, eine tote, aufgeblähte Ratte im Pool. Außerdem passt ihm die geschmacklose Einrichtung des Hauses nicht und er beauftragt ziemlich schnell seine Assistentin in Schweden, eine Suite in einem nahen Luxushotel zu buchen. Als er dann auch noch entdeckt, dass sich Adam im begehbaren Kleiderschrank seines schwedischen Hauses, der eigentlich abgeschlossen ist, aufhält, ist die Gelassenheit erst mal verschwunden. Adam weiß natürlich, dass Carl, alles was in seinem Haus geschieht, aus der Ferne beobachten kann. Und so installiert er einfach ein Kästchen, dass das Sicherheitssystem des Hauses außer Kraft setzt. Ein weiteres Ärgernis für Adam sind die neugierigen Nachbarn, die ebenfalls in Carls Auftrag den Urlaubern hinterher spionieren. Dazu ist Nachbarin Silvia Regner auch noch ehemalige Ermittlerin für Wirtschaftskriminalität. Per Zufall findet Scarlett ein Foto von Helene, die offenbar schrecklich verprügelt wurde. Immer seltsamere wie unangenehme Dinge geschehen. Carl hetzt die Polizei auf Adam und Scarlett und auch Helene und Carl bekommen es mit der Polizei zu tun, denn unweit des Grundstücks wurde ein Obdachloser entführt und vor Wochen kam Scarletts Bruder Tom bei einem Unfall mit Fahrerflucht ums Leben.
Stefan Ahnhem entwickelt seinen psychologisch ausgeklügelten Thriller jeweils aus den genauen Beobachtungen und Beschreibungen der Innenwelten seiner Protagonisten. Fühlt sich Helene mit ihrem Mann Carl, der ihr finanziell alles bieten kann, nicht mehr froh, zumal die Lesenden ja glauben, dass er sie schlagen würde, so glaubt Scarlett schon länger, dass sie zu ihrem attraktiven Mann Adam nicht mehr vordringen kann und er ihr vieles verheimlicht. Als Carl dann auch noch Ekliges im Bad mit langen blonden Haaren aus dem Abfluss zieht und der Tesla in der Garage eventuell in einen Unfall verwickelt sein könnte, beginnen die grauen Zellen der Lesenden zu arbeiten. Als Adam dann auch noch im Haus der nicht gerade sympathischen, etwas gelangweilten Nachbarin entdeckt, dass sie Recherchen über ihn in die Wege geleitet hat, hat ihr letztes Stündlein geschlagen.
Hinter den Fassaden der offenbar wohlsituierten Bürger lauern tiefe Abgründe, die im geruhsamen Urlaub zu Tage treten. Oder war dieser Haustausch von Anfang an von bestimmten Personen als gar nicht so friedlich geplant? Interessant ist der Aufbau der Erzählstruktur, denn die Kapitel enden inmitten von spannenden Geschehnissen, die dann später aus der Rückblende heraus rekapituliert werden.
Absolut empfehlenswert!