Daniel Silva: Das Meisterwerk, Ein Gabriel-Allon-Thriller, Aus dem amerikanischen Englisch von Wulf Bergner, Verlagsgruppe HarperCollins, Hamburg 2026, 413 Seiten, €17,00, 978-3-365-01279-6
„Zu der Story, wie Gabriel sie erzählte, gehörten eine Wasserleiche in der venezianischen Lagune, ein nicht angezeigter Diebstahl aus den Vatikanischen Museen, eine von der italienischen Mafia kontrollierte Schweizer Bank und ein russischer Oligarch, der in Südfrankreich im Luxus lebte.“
Und zur fiktiven Story, die sogar einen neuen Papst ins Amt gehoben hat, mit dem die Hauptfigur Gabriel Allon auch noch befreundet ist, gehört ein unbekanntes Gemälde von Leonardo da Vinci versteckt unter einem Heiligenbild auf Walnussholz, das die ehrgeizige Restauratorin und Praktikantin Penelope Radcliff im Vatikan eigentlich nur zum Üben bearbeiten sollte. Ihre sensationelle Entdeckung musste nicht nur sie mit dem Leben bezahlen, zumal das Bild schon längst aus den Vatikanischen Museen mit interner Hilfe geschleust wurde.
Der ehemalige Spion und Restaurator Gabriel Allon, der nun mit seiner Familie in Venedig lebt und arbeitet, hat ihre zertrümmerte wie verweste Leiche in einem Kanal entdeckt. Ihr Gesicht ist nicht mehr erkennbar, doch Gabriel mit seinem phänomenalen Gedächtnis kann sich an eine junge Frau in einem Café erinnern, die umsonst auf jemanden gewartet hatte. Kurze Zeit später fand sie den Tod.
Vieles was Daniel Silva in seiner rasanten Handlung der Hauptfigur andichtet, ist ziemlich unglaubwürdig. Wie kann jemand den Kopf einer Toten betasten und danach ein Porträt der Frau entwerfen und sie dann als Tischnachbarin vor geraumer Zeit in einem Café wiedererkennen? Die Lesenden erwarten weitere geniale Geniestreiche von Gabriel, dessen Suche nach dem unbekannten Leonardo da Vinci – Bild ihn von Venedig über Rom nach Florenz und Amsterdam führen wird. Natürlich wird in exquisiten Restaurants gut gespeist und getrunken und wo Geld im Spiel ist, ist natürlich auch die Camorra nicht weit. Niemand ist nun daran interessiert, das wunderbare Gemälde des wohl berühmtesten Malers Italiens großen Museen anzubieten. Allen Klischees folgend wird das nicht mal wirklich restaurierte Bild zahlungskräftigen Millionären offeriert, die kein Problem damit haben, es in ihren Villen zu verstecken und sich daran zu erfreuen.
Sicher ist auch das italienische Kunstdezernat dem Gemälde auf der Spur, aber Gabriel scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Mit Erpressungen und öffentlich ausgestellten Morden zeigt die Mafia, dass sie kaum an geldgierigen Verrätern und Kunstexperten interessiert ist. Natürlich bekommt ein russischer Oligarch, der ohne Sanktionen in Frankreich lebt, den Zuschlag.
Wie er ausgetrickst wird und Gabriel den Plan schmiedet, das echte Bild wieder zurückzustehlen, liest sich ganz amüsant, wenn man sich auf die Figur des einstigen Superagenten mit dubiosen Kontakten, Fähigkeiten und James Bond mäßiger Technik einlässt.
Unterhaltsam sind Daniel Silvas historische Exkurse in die Geschichte der Malerei und Historie bekannter Orte, wo er Tatsachen vertraut.
Dass am Ende trotz aller Kritik auch an der Kurie alles gut wird, beruhigt bei Lesen von Daniel Silva Romanen.