Kristina Ohlsson: Blutsfreunde, Deutsch von Susanne Dahmann, Limes Verlag in der Verlagsgruppe Randomhouse, München 2020, 496 Seiten, €15,00, 978-3-8090-2730-0


„Zwei Dinge, die auch darauf hinweisen könnten, dass ich hier in einem halbwegs harmlosen Zirkus hineingezogen wurde. Denn wenn das nicht der Fall wäre, dann hätte der Affe nicht in meinem Kirschbaum gehangen und Lucy hätte nicht einer von zwei Best Men für ihre Hochzeit gefehlt. Und ich selbst hätte nicht das unangenehme Gefühl, nicht aufgemerkt zu haben, weil einer meiner Freunde ermordet worden war.“

Nichts ist mehr harmlos im Leben des Martin Benner, der Antiquitäten, Weine und vor allem Frauen liebt. Als wohlhabender Anwalt lebt Benner mit seiner achtjährigen Ziehtochter Belle, die er zu sich genommen hat, nachdem seine Schwester und ihr Mann bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, und dem Au-pair Marcel in Stockholm. Als sein Freund Henry Schiller stirbt, erbt er mit Henrys Frau Magda eine Antiquitätenhandlung in New York. Auf der Beerdigung begegnet er einem Mann, der behauptet, Henry sei ermordet worden. Nach und nach wird sich herausstellen, dass Henry zwar an Krebs verstorben ist, aber bei der Überführung nicht im Sarg lag. Ein Porzellanaffe wird in Benners Garten aufgehängt an einer Hundeleine gefunden und in seinem Innern wird der Anwalt einen Pass finden, der belegt, dass Henry Schiller kein schwedischer Staatsbürger war. Und Benner findet eine Schlüsselkarte für ein Hotel.

Zeitgleich plant Benners engste Freundin Lucy, mit der Benner auch ein Verhältnis hat, ihre Hochzeit mit dem Herzchirurgen Michael, der den Anwalt nach einer Herzattacke gerettet hat. Michaels bester Freund Steve Hammon, der seltsamerweise in einem geschlossenen Hotel ein antikes Schachspiel abholen sollte, kommt aus unerklärlichen Umständen ums Leben. Er wurde an einer Hundeleine erhängt. Lucy sagt die Hochzeit ab. Durch einen Hinweis, wiedermal von einer Geliebten von Banner bei der Polizei, erfährt der Anwalt, dass eine Frau namens Silvia Magander behauptet, dass in einem geschlossenen Hotel etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Männer würden ins Hotel gehen, aber nicht wieder hinauskommen. Auch sie wird erhängt an einer Hundeleine gefunden werden.

Benner wird dann das Schachspiel holen und feststellen, das es nicht das ist, was Lucy bestellt hatte. Eine Verwechslung oder doch nicht? Auch im Schachspiel gibt es ein Geheimfach, dessen Schlüssel Tochter Belle entdeckt hat.
Gut ist, dass Benner einen ominösen Freund im Hintergrund recherchieren lassen kann, der vielleicht irgendwann mal einen guten Anwalt benötigt. Boris, ein Krimineller vom Balkan, hat ein Auge auf Benner und erkennt sehr schnell, dass auch der Anwalt in Lebensgefahr schwebt.
Wie diese völlig abstrusen Geschehnisse zusammenhängen, kann sich der Leser nicht zusammenreimen, und das macht die Spannung in diesem Thriller aus. Alles hat mit Henrys wahrer Herkunft zu tun und alle Wege in diesem Fall führen wirklich nach Rom.

Schnell zieht Kristina Ohlsson den Leser in die Geschichte hinein. Vielleicht ist es das gut situierte Leben des dunkelhäutigen Fünfundvierzigjährigen mit Villa, Stadthaus, Tesla, Gärtner und männlichem Au-pair, das im ersten Moment so fasziniert; ein Mann, der kaum Vorurteile kennt und frei seinen Leidenschaften nachgehen kann. Die Aneinanderreihung von dubiosen Ereignissen bis hin zu Benners angekündigtem eigenen Todesurteil erhöht die Spannung und die Frage, was steckt hinter all den Geheimnissen rund um Henrys Tod. Ach ja, Henry ist natürlich auch nicht sein wahrer Name.