Tina N. Martin: Racheflamme, Aus dem Schwedischen von Leena Flegler, Blanvalet Verlag, München 2026, 543 Seiten, €17,00, 978-3-7341-1577-6

„Drei Personen aus ein und demselben Abschlussjahr der Musical-Akademie. Eine, die mutmaßlich in Säure aufgelöst wurde, die Zweite wird vermisst, der Dritte wurde erhängt. In Schweden sind Serienmörder extrem selten. Doch wenn die Verbindungen über zwei Jahrzehnte zurückreichen, dann ist Rache das wahrscheinlichste Motiv.“

Auch der Titel des Thrillers weist auf eine Tat aus Rache hin, und diese wird es mehrfach in sich haben. Die Tänzerin und Schauspielerin Tone wird nach der Vorstellung im Stadttheater in ihrer Garderobe überfallen und auf extrem grausige wie schmerzhafte Weise getötet. So richtig mochte wohl niemand die achtundvierzigjährige Frau leiden, da sie sich mit kritischen wie bissigen Äußerungen nicht zurückhalten konnte. Aber diesen Tod hätte ihr wohl niemand gewünscht. Darin sind sich ihre Kollegin Anne, deren Lebensgefährte und Bühnenbeleuchter Erik und der Intendant des Theaters Mats, den alle einst den Maestro genannt hatten, einig. Beide haben die mit Schwefelsäure und Wasserstoffperoxid gefüllte Wanne auf der Bühne entdeckt, in deren undurchsichtiger, stinkender Brühe nur Blut zu entdecken war und eine Glasperle, die Tone immer getragen hat. Die Polizei in Luleå steht vor einem ungewöhnlichen Fall, bei dem sie nicht ahnen kann, was noch auf sie zukommt.
Tina N.Martin lässt wie immer Tareq Shaheen, Calle Brandt und Idun Lind ermitteln, obwohl Idun und Calle freigestellt wurden, da sie im letzten Fall nicht regelkonform gehandelt hatten. Calle darf seinen Dienst wieder antreten, Idun hingegen muss weiterhin im Archiv neben dem ziemlich pedantischen Curt Akten ablegen. Da Tareq und Idun jetzt zusammenwohnen, weiß sie natürlich über alles Bescheid, was Marianne, ihre Chefin, die sie nicht ausstehen kann, auf gar keinen Fall erfahren darf.
Parallel zu den laufenden Ermittlungen tauchen immer wieder Briefe an eine gewisse „D, meine Liebe“ auf, die, wie sich herausstellen wird, vom Täter oder von der Täterin stammen. Alles dreht sich in ihnen um die Zeit vor mehr als zwanzig Jahren, als die wirklich begabte Abschlussklasse an der Akademie das Stück „Der Zauberer von Oz“ probte. Ein Mitglied war Tone. Als dann die sehr zurückgezogen lebende Bühnenautorin Claudia Bundi verschwindet, soll Idun, da Personalmangel herrscht, erste Befragungen durchführen. Sie ist es dann auch, die nach Recherchen feststellt, dass auch Claudia zur Abschlussklasse der Akademie zählte, genau so wie ihr Mann Dalil, der kurze Zeit später im Stadtpark erhängt aufgefunden wird. Bei Claudia findet Idun ein seltsames Blechteil, bei Dalil stellen die Polizisten fest, dass er ausstaffiert wurde wie eine Vogelscheuche. Und wer nun das Buch von Lyman Frank Baum gelesen oder den Film mit der jungen Judy Garland in der Rolle der Dorothy gesehen hat, ahnt worauf diese Morde hinauslaufen. Jemand will sich an den Schauspielern und Tänzern des Stückes, das 2002 erfolgreich aufgeführt wurde, grausam rächen. Doch wo ist das Motiv?
In den eingestreuten Briefen ist nie ersichtlich, wer diese überhaupt schreibt. Ist es ein Mann, eine Frau? Und warum kommt immer wieder der Maestro darin vor? Auch wenn die Polizei alle Personen, die damals an dem Stück beteiligt waren, in Sicherheit bringt, gelingt es ihr nicht noch mehr Morde zu verhindern.
Über zu viele Seiten zieht sich die Racheaktion einer Person, die zutiefst gekränkt, enttäuscht und gedemütigt sich Linderung erhofft. Nicht ganz klar jedoch kann die Autorin belegen, warum nach so langer Zeit die Taten ausgeführt werden müssen. Die Schilderungen der unterschiedlichen Tötungsarten und die Entführung, immerhin wird Claudia in einen engen Blechkarton gefangengehalten, sind langatmig und ausufernd quälend. Nichts für zarte Gemüter und gnadenlos auserzählt.