Anna Jansson: Teufelsmord – Ein Kommissar – Bark – Krimi, Deutsch von Susanne Dahmann, Blanvalet Verlag, München, 496 Seiten, €13,00, 978-3-7341-1576-9
„Mia starrte auf die Zeichnung vor sich. Darauf war der Teufel selbst abgebildet. Sie wusste, ihr Körper hatte sie verraten, denn sie hatte kurz genickt.“
In einem Mehrfamilienhaus, einem Genossenschaftsverein in Karlskoga, werden Camilla Fransson und Hans Hendriksson nach einer vorverlegten Vorstandssitzung in der Sauna mit Blausäure getötet. Der siebenundachtzigjährige, leicht verwirrte Göte Vresåker überlebt den Anschlag und wird allerdings später auf dem Weg von der Intensivstation ins normale Krankenhaus entführt und erwürgt. Welche Motive kann es geben, um willkürlich Leute aus einem Haus in einer ziemlich sicheren Gegend umzubringen? Kristoffer Bark und sein Team, eigentlich zuständig für Cold Cases, aber wegen Personalmangels zum aktuellen Fall hinzugezogen, stehen vor einem Rätsel. Möglich, dass die unbeliebte Camilla Fransson das Ziel war, da sie als Politikerin schon vielen Menschen auf die Füße getreten ist. Hans Henriksson arbeitet als Wachmann im Karlskoga – Gefängnis. Auch seine Arbeit mit Inhaftierten könnte mit dem Anschlag im Zusammenhang stehen. Gefunden wurden die Toten und der Verletzte ebenfalls von zwei Vorstandsmitgliedern des Hauses, die allerdings, was eigentlich üblich war, nach der Sitzung nicht in die Sauna mitgehen wollten. Der mürrische wie geizige Rentner Rune Öhman war über die Beschlüsse des Vorstands verärgert und die pflichtbewusste Krankenschwester Tove Dellman fühlte sich nicht gut und wollte früh ins Bett gehen.
Wer die Reihe um den Ermittler Bark kennt, weiß, dass er sich unsterblich in die sehr zurückhaltende Psychologin Mia Berger, die eigentlich Maria von Thurn heißt, verliebt hat. Mittlerweile weiß er auch einiges über ihre schwierige Vergangenheit. Mia hat mit ihrem Sohn Alex, ebenfalls Polizist in Barks Team, eine neue Identität angenommen, nachdem sie von ihrem Ex-Mann Jakob von Thurn, der als Strafverteidiger gearbeitet hat und nun im Gefängnis von Karlskoga eine Strafe wegen Anstiftung zum Mord absitzt, misshandelt, gedemütigt, vergewaltigt, eingesperrt und gefoltert wurde. Mehrmals, auch nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Julia, hatte sie versucht, den Psychopathen Jakob zu verlassen. Aber seine Kontrollsucht und seine kriminelle Energie, ohne Fragen immer unterstützt von seinem jüngeren Bruder, verhinderten jedesmal Mias gut geplante Fluchten aus dem gemeinsamen Zuhause. So tötete Jakob, ohne dass die Polizei Beweise finden konnte, Mias jüngeren Bruder und sogar ihre Eltern.
Diese toxische Beziehung prägt bis heute Mias schreckhaftes Verhalten, da sie jeden Schritt mit dem Blick über die Schulter macht. So hat Mia auch, geprägt von einer Zeit in permanenter Angst, Vorsichtsmaßnahmen für ihre Tochter und ihren Sohn getroffen, z.B. lebt Julia bei einer Pflegefamilie in der Nähe von Paris, damit Jakob sie nicht finden kann. Auch wenn Mia weiß, dass sie mittlerweile auch überreagieren kann, glaubt sie fest daran, dass sie Jakob in Stockholm gesehen hat, obwohl er eigentlich für Jahre inhaftiert sein müsste.
Anna Jansson verknüpft nun die Morde in der Sauna mit Mia Bergers persönlichem Schicksal und der Tatsache, dass sie wirklich mit ihrer Behauptung recht hatte, und ein Doppelgänger Jakobs Platz im Gefängnis eingenommen hat. Ingrid aus Barks Team hat entgegen allen Regeln sehr geschickt bei einer Lesung im Gefängnis die Fingerabdrücke vom unechten Jakob mitbringen können. Schnell wird nun klar, dass der angeberische Wachmann Henriksson, der dem manipulativen Jakob per Smartphone Zugang zu allen möglichen Social Media – Kanälen und der Außenwelt gewährt hat, in diese Geschichte verwickelt ist und mit dem Leben bezahlen musste. Dass Jakob von Thurn durch seine Kontakte in die kriminelle Unterwelt wieder davon kommen könnte und Mia und Alex erneut den ihnen nun doch sehr vertrauten Ort Örebro verlassen müssten, passt beiden nicht. Mia ahnt, dass sie sich ihrem gefährlichen Ex-Mann, dem Teufel, auch ohne die Hilfe der Polizei oder gar Barks Unterstützung, stellen muss, um ihn, ohne Rücksicht auf die eigene Person und den Folgen, zu töten, um endgültig ihre Kinder vor ihm zu retten.
Wer die sehr lebendig wie ambivalent geschilderten Figuren in der Bark-Reihe von Anna Jansson im mittlerweile siebenten Band ins Herz geschlossen hat, zittert bei dieser Handlung mit Mia, Alex, aber auch dem besorgten Bark, der Mia nicht verlieren will, mit. Psychologisch wie immer überzeugend geschrieben zieht dieser Band die Lesenden sehr in seinen Bann, denn es geht um nichts anderes als um die persönliche Freiheit und die Gerechtigkeit, die ja bekanntlich nicht immer die Siegerin ist.
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