Alex Beer: Das dritte Grab, Blanvalet Verlag, München 2026, 352 Seiten, €23,00, 978-3-7645-1022-0

„Dieser dreckige Mistkerl war in sein Zuhause eingedrungen, hatte ihm auflauert und ihn niedergeschlagen. Der Bastard wollte ihn einschüchtern, aber da kannte er ihn schlecht. Er hatte sich mit dem Falschen angelegt.“

Kriminalinspektor August Emmerich ist nicht so schnell kleinzukriegen, was aus Vorgängerbänden bekannt ist. Seine Frau ist viel zu früh gestorben und so kümmert er sich als Stiefvater um drei Kinder und Irina, die zu seiner kleinen zusammengewürfelten Familie nebst Hund längst dazugehört. Emmerich flucht ausgiebig, so dass er sogar mit seinem Assistenten, dem empfindlichen Ferdinand Winter, ausgemacht hat, dass er bei jeder Verfehlung in die „Schimpfwortkasse“ einzahlen muss. Erstaunlich ist, dass Emmerich in einem feinen Villenviertel wohnt. Sein großes Haus, Teil einer Erbschaft, ist allerdings etwas heruntergekommen, denn Emmerichs leiblicher Vater war Baron Breitenbach, seine Mutter das einstige Hausmädchen. Zu all den Rätseln um den verarmten Vater gehört auch eine Mappe mit einer Geheimschrift, die schwer zu knacken ist. Emmerich jedenfalls raucht auf Schritt und Tritt und er ist ein treuer Freund. Als er erfährt, dass sein alter Kumpel Veit Kolja, mit dem er im Waisenhaus aufgewachsen ist, verschwunden ist, setzt er alles in Bewegung, um ihn zu finden. Allerdings erscheint der Blutverlust, den die Beamten in der Wohnung Koljas vorfinden, zu groß, als dass er noch lebt. Die Lesenden indes wissen, dass Kolja in der Kanalisation Wiens festgehalten wird. Neben dem historischen Zeitkolorit, Österreich ist 1923 eine Republik und die sogenannten Hakenkreuzler treiben ihr Unwesen auf den Straßen der Hauptstadt, dreht sich die Handlung auch um die qualvollen Erinnerungen an den Krieg, die Zeit der Schleichhändler, Kolja mit seiner Bande gehörte dazu, die steigenden Preise und den Judenhass.
Zu Beginn wird bei einer Begehung der Kanalisation eine grausig zugerichtete Leiche gefunden. Kolja ist es nicht, dafür Ludwig Marek, ein weiterer Bandenanführer, der allerdings einst mit Kolja einen Riesencoup 1917 starten wollte und seitdem jedoch verschwunden ist. Mehrere Männer der früheren Banden werden nach und nach ermordet und Emmerich und seine Familie mit dem Tod bedroht. Kolja ist noch am Leben, aber durch den Regen steigt das Wasser in der Kanalisation und es wird nicht mehr lang dauern, dann könnte er angekettet ertrinken.
Atmosphärisch genau beschreibt Alex Beer wie in allen Emmerich-Bänden das Wien in den 1920er Jahren. Auch wenn der Fall nicht allzu spannend ist, folgt man der Autorin und dem sympathischen Emmerich gern bei seinen Ermittlungen, der es offenbar mit einem Mann zu tun hat, der sich der Meister nennt. Die Handlung fußt auf historischen Tatsachen, die im Nachwort nochmals aufgeschlüsselt und eingeordnet werden und natürlich wird auch aufgeklärt, was es nun mit dem „dritten Grab“ so wie dieser Geheimschrift auf sich hat und wer Emmerichs Vater wirklich war.
Empfehlenswert!