Sophie Bonnet: Provenzalische Kälte, Ein Fall für Pierre Durand, Blanvalet Verlag, München 2026, 384 Seiten, €18,00, 978-3-7645-1029-9
„Alles war so schwammig und unkonkret. Überall schienen Informationen aus dem Nichts aufzuploppen, die eine Verbindung andeuteten. Doch keine einzige ließ sich wirklich greifen. Immerhin waren sie bei den Ermittlungen gegen die Einbrecherbande ein Stück vorangekommen. Aber das war auch schon alles.“
Der Chef de police municipale, Pierre Durand, aus Sainte-Valérie ( ein fiktionaler Ort in der Provence ) ist äußerst unzufrieden. Zwar darf er sich an den Ermittlungen der police nationale rund um die zahlreichen, extrem gewaltsamen Einbrüche in luxuriöse Ferienhäuser und einen Mord beteiligen, aber nichts geht voran und an seiner Seite arbeitet auch noch die gut durchtrainierte, äußerst ehrgeizige, aber auch hitzköpfige wie schroffe, nicht im geringsten empathische Lieutenante Jeanne Fenech. Sie verprellt die Befragten, die sofort verstummen und nach ihrem Anwalt rufen.
Und dann muss sich der sechsundvierzigjährige Polizist auch noch mit seinem todkranken Vater auseinandersetzen, der Pierre ohne Rücksicht auf seine Arbeit, die er kaum schätzt, in Beschlag nimmt. Nur Charlotte, Pierres Frau, ist ein Lichtblick. Allerdings wird sie in den Mordfall hineingezogen.
Bei einem Einbruch in sein Ferienhaus wird Thomas Garcin, der Direktor der Thermes du Verdon, ermordet. Zum Zeitpunkt des Todes sollte er eigentlich auf einem Kongress in Lyon weilen. Wurden die Täter beim Einbruch von Garcin überrascht? Warum hatte Garcin eine halbautomatische Glock 17 im Haus versteckt? Und wieso hat er diese nicht ergriffen, als er Geräusche im Haus gehört hat?
Pierre Durand will sich jedoch nicht nur auf die sehr professionellen Einbrecher konzentrieren, die ihre Informationen eventuell von Sicherheitsfirmen, die sich um die Häuser kümmern, beziehen. Er schaut sich im Umfeld des Toten um und schnell stellt sich heraus, dass seine Ehe nicht mehr gut lief und seine Frau vermutet, dass ihr Mann eine Geliebte hatte. Zwar war der Leumund des Direktors der Therme exzellent, doch ergeben Befragungen, dass es einen Todesfall vor Kurzem gab, der Garcin sehr zu schaffen machte. Er hatte sogar die Obduktion der toten, an Rheuma leidenden Frau in Erwägung gezogen, allerdings ohne seinen Stellvertreter und Freund Dr. Jean-Philippe Pouget zu informieren. Dass mit dem Todesfall mögliche nicht genehmigte Arzneimitteltests in Verbindung zu bringen wären, vermuten die Ermittler sofort. Allerdings waren alle klinischen Studien genehmigt und erfolgten mit den Einwilligungen der Kurteilnehmer. Als dann bei der Frau von Garcin eine Mitteilung auftaucht, nach der sie beim Ableben ihres Mannes nach einem USB-Stick im Ferienhaus suchen soll, nimmt die Handlung an Fahrt auf. Vermutet wird allerdings, dass die Einbrecher diesen Stick gestohlen haben könnten. Parallel zu dieser Geschichte versteckt sich die zuverlässige Penelope Brunel, die Schreibkraft von Pierre, hinter einer Krankheit. Charlotte bringt fürsorglich eine Suppe vorbei und trifft eine völlig verängstigte Frau an. Es stellt sich heraus, dass Penelope ihren Namen aus Furcht vor Verfolgung verändert hat. Als einstige Polizistin hatte sie als Zeugin gegen Fabien Sabatier, einen Kollegen, ausgesagt, der eindeutig nicht in Notwehr einen Hehler erschossen hat. Nach nur vier Jahren wurde er nun aus dem Gefängnis entlassen und hatte bereits im Gericht Rache geschworen. Die Lesenden wissen bereits, das Sabatier Mathilde Blanc, die Anwältin von Penelope, bedroht hat. Da Mathilde Blanc nicht mehr zu erreichen ist, bittet Penelope Charlotte nach ihr zu suchen.
Wie nun die Ermordung des Direktors mit den Einbrüchen und dem gewalttätigen Polizisten zusammenhängt, liest sich äußerst spannend.
Sophie Bonnet ist das Pseudonym der deutschen Autorin Heike Koschyk, die die Provence liebt, aber in Hamburg lebt. In ihrem spannenden Krimi thematisiert sie nicht nur einen umstrittenen Ehrenkodex und den Sexismus unter Polizisten, sondern auch Thomas Garcins Schuldgefühle, die mit den Medikamententests zusammenhängen, aber auch die möglichen finanziellen Kürzungen in französischen Gesundheitsverwaltungen. Nebenher wird natürlich wie immer bei Sophie Bonnet provenzalisch gekocht und ausgiebig in die Landschaft geschaut.
Ein Muss für alle Fans des sympathischen Pierre Durand, der allerdings Angst davor hat Vater zu werden. Sicher ein Thema im nächsten Band!
Weitere Besprechungen der Pierre Durand-Reihe in diesem Literaturblog:
Sophie Bonnet: Provenzalisches Licht, Ein Fall für Pierre Durand
Sophie Bonnet: Provenzalische Flut. Ein Fall für Pierre Durand