Mick Herron: Bad Actors . Ein Fall für die Slow Horses, Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer, Diogenes Verlag, Zürich 2025, 464 Seiten, €19,00, 978-3-257-30114-4
„Diana hatte viele Gründe, Sparrows Kopf auf einen Spieß zu stecken, und ganz oben stand, dass sie seinetwegen gezwungen war, die Slow Horses um Hilfe und Beistand zu bitten. Das einzig Gute daran war, dass sie es garantiert vermasseln würden, aber angesichts der Lage war das auch kein Anlass zur Freude.“
Wie tief wird Diana Taverner, die Generaldirektorin des Geheimdienstes, noch sinken, während der Sonderberater des Premierministers, Anthony Sparrow, vehement ihre Ablösung betreibt. Sie muss in einer aussichtslosen Situation ausgerechnet die Slow Horses, die abgehalfterten Londoner Agenten, um Hilfe bitten. Dass diese darüber nicht sonderlich begeistert sind, verwundert kaum. Zumal ihr Chef, der unerträgliche, ziemlich vulgäre Jackson Lamb, Taverner so einschätzt.
„Damals hatte er noch geglaubt, dass eine Kugel Diana Schaden zufügen könnte. Mittlerweile bezweifelte er, dass ein Pfahl ins Herz sie erschüttern würde.“
Einer würde dem anderen gern ein Bein stellen, doch agieren hier nicht Kinder auf dem Schulhof, sondern Mitglieder einer Regierung, deren Berater und der Sicherheitsapparat. Mit spitzer sarkastischer Feder zeichnet Mick Herron, wie in jedem seiner „Slough House“ – Reihe (Kongenial verfilmt und zu sehen bei AppleTV+.) seine Protagonisten, wobei es kaum sympathische Figuren gibt. Fies, britisch und klein beschreibt der Autor den Sonderberater:
„Sparrow war das Wiesel unter dem Kabinettstisch, zähnefletschend und sabbernd.“
Rachsüchtig und nervig ist die neue, sehr junge Loser-Agentin Ashley Khan, die sich unendlich langweilt und nicht fassen kann, dass Lamb einfach in seinem Büro raucht und am liebsten ihr mitgebrachtes Essen auffuttert. Allerdings ist der Müßiggang bald vorbei, denn Sparrow hat ein riesiges Problem, bei dem er natürlich nicht die Slow Horses hinzuzieht.
Er beauftragt Oliver Nash, Vorsitzender des Aufsichtskomitees über den Geheimdienst Ihrer Majestät, nach Sophie de Greer, Schweizerin und Superforcasterin, zu suchen. Die Siebenunddreißigjährige, die für die Regierung künftige, mögliche Wahlergebnisse voraussagen soll, wurde offenbar entführt. Doch warum ist sie eine unliebsame Person? Nash fordert die Hilfe von Claude Whelan, dem ehemaligen Chef von Regent’s Park ein. Er erhält von seiner Intimfeindin Taverner einen USB-Stick mit den Telefondaten von de Greer und Whelan stellt fest, dass die letzte Nummer, die Sophie vor ihrem Verschwinden wählte, keinem geringeren als Jackson Lamb gehört. Fragt sich, ob die sogenannten Waterproof – Protokolle aktiviert wurden, die natürlich nicht existieren, aber doch „Bad Actors“ einfach mal so in Osteuropa verschwinden lassen.
Da nun einer den anderen bespitzelt, entdeckt Taverner, dass sich Sparrow mit Wassili Rasnokov, dem Chef des russischen Geheimdienstes, in Moskau getroffen hatte und kein Bericht existiert. Sparrow betreibt ein fieses Spiel, an dessen Ausgang er auch die Fäden beim Geheimdienst ohne Taverner ziehen will. Allerdings hatte er nicht mit John Bachelors Erinnerungsvermögen gerechnet. Der ehemalige Spion erinnert sich an ein Treffen 1988 in Bonn. Anwesend war eine sowjetische Oberstin, die erstaunliche Ähnlichkeit mit Sophie de Greer hat. Welche geheime Person hat Sparrow, eine mögliche „Kreml-Marionette“, da ins Land geholt und was treibt Jackson Lamb rülpsend und Kette rauchend wieder mal im Hintergrund?
Mit britisch-trockenem Humor gepaart mit Spannung und auch Action liest sich dieser achte Band für Fans der Reihe von Seite eins an einfach so weg. Wer Neueinsteiger ist, sollte mit Band eins beginnen. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn Mick Herron arbeitet sich bei aller Fiktion so nah an mögliche reale Szenarien heran, dass es die Lesenden eigentlich nur gruseln sollte.
Besprechungen von Mick Herron – Romane sind in diesem Literaturblog zu finden.