Frida Gronover: Dänische Aussicht . Gitta Madsen ermittelt, Ullstein Verlag, Berlin 2026, 351 Seiten, €13,99, 978-3-548-07328-6

„Gitte kam nicht umhin, ein wenig verärgert zu sein. Wieso ermittelten denn plötzlich alle möglichen Leute in dem Fall und fanden dann auch noch mehr heraus als sie selbst? Ole hätte ihr den Kopf gewaschen, wenn sie einfach so die Ehefrau eines Verdächtigen interviewt hätte.“

Ob die Bestatterin Gitte Madsen und der Kriminalkommissar Ole Ansgaard, die auf der traumhaften dänischen Insel Falster leben, ein Paar bleiben, ist zu Beginn dieses neuen Bandes noch nicht ganz sicher. Auf jeden Fall arbeitet die sechsunddreißigjährige Gitte, die früher, als ihre deutsche Mutter noch lebte, in Münster gewohnt hat, gern der Polizei zu und oftmals erfährt sie mit ihren unauffälligen Fragen mehr als die Ermittler. Da Ole Ansgaard noch im Urlaub ist, geht Gitte mit ihrer neuen Freundin Birte fein und teuer essen. Doch kaum ist der Abend zu Ende, entdeckt sie am Fuß der Steilküste einen Toten und wird auch noch niedergeschlagen. Allerdings hat das Opfer, das Mikkel Holm heißt, vorher noch mit Birte geflirtet und ihr sogar seine Visitenkarte zugesteckt. An seinem Tisch saß sein Freund und Schwager Jens Halskov und zwei Musikproduzenten, was allerdings erst später ermittelt wird. Mikkel Holm ist der Ex-Mann der wohl in Dänemark ziemlich bekannten Sängerin Lola Hus. Um ihr und der Presse keine Bühne zu bieten, versucht Margrethe, die Mutter von Mikkel, die Beerdigung möglichst geheim zu halten, was nicht gelingt. Gitte hat Mitleid mit der trauernden Lola. Als sie die taffe Margrethe besucht, um sie umzustimmen, stellt sie schnell fest, dass Jens Halskov, den die Polizei als Verdächtigen bereits sucht, bei seiner Schwiegermutter untergetaucht ist. Gitte muss immer austarieren, was sie wem erzählen kann und sie muss auch wissen, wann sie Informationen vor den Ermittler geheim halten kann und wann sie sich strafbar macht, wenn sie diese zurückhält. Und natürlich darf auch Ole, auch wenn beide wieder ein Paar sind, nichts ausplaudern. Als dann jedoch die Beerdigung stattfindet, endet diese in einem Eklat, denn im frischen Grab für Mikkel liegt der ermordete Jens Halskov. Inzwischen hat sich auch herausgestellt, dass zwei Musikproduzenten, die Branche ist ein Haifischbecken, an dem gewissen Abend im Restaurant einen Umschlag und einen USB-Stick Mikkel übergeben haben. Doch niemand hat diesen Stick gefunden. Und dann wird die schwangere Lola auch noch beschuldigt, dass sie ihren neuesten erfolgreichen Song offenbar nicht selbst komponiert, sondern von einem schwedischen Sänger geklaut hat.
Plagiatsvorwürfe, Familienzwiste, eventuell eine Bestechung, eine Entführung, seit Tagen ist die Tochter von Jens Halskov verschwunden und zwei Morde – die Ermittler haben alle Hände voll zu tun und Gitte zieht die Fäden im Hintergrund, denn ihre Menschenkenntnis hat sie noch nie getäuscht. Außerdem nähert sich Gitte wieder ihrem dänischen Vater an, der die deutsch – dänische Familie für eine russische Frau vor zwanzig Jahren verlassen hat. Dieser Teil des Romans rund um die Familie Wolkow ist etwas undurchsichtig und kaum verständlich, wenn man die Vorgängerbände nicht gelesen hat.
Die Außensicht auf die Kriminalfälle durch Gittes Blickwinkel mag interessant sein, führt aber trotz Gittes Netzwerken und einem zahlreichen Personal dazu, dass doch viele Szenen zu konstruiert sind und die Ermittler nur Randfiguren.

Krimi für Fans der Reihe!