Andrea Bonetto: Ein romantischer Tod – Ein Ligurien – Krimi, Droemer Verlag, München 2026, 314 Seiten, €16,99, 978-3-426-56015-0

„Grassi so hieß es, habe sich verrannt. War die Fehleinschätzung sogar eine Folge seiner Kopfverletzung? Grassi hatte keine Ahnung, wie er diesen Unterstellungen begegnen sollte oder wie die Ermittlungen weitergehen könnten. Und das brachte ihn um den Schlaf. Es war, als warte er auf ein Zeichen. Und dann war eben der Anruf von Ricci gekommen.“

Deutsche Lektoren oder Verleger, die sich aufs Schreiben von Krimis fokussieren, lieben entweder Frankreich oder die schönsten Kulturlandschaften in Italien. Auch Andrea Bonetto, ein Pseudonym, geht es nicht anders. Er verortet seine Krimis rund um den knorrigen Commissario der Policia di Stato, Vito Grassi, und seine taffe, junge wie unkonventionelle Ermittlerin Ispettore Marta Ricci an der Küste zwischen Sestri Levante und La Spezia. Nach Levante ist der fünfzigjährige Grassi von Rom aus vor drei Jahren umgezogen. Seine Ehe geht dem Ende entgegen, wobei sich Grassi und seine Mitbewohnerin Toni in seinem idyllisch gelegenen Rustico immer näher kommen. Andrea Bonetto beschreibt allerdings in seinen Romanen, dies ist der dritte in der Reihe, nicht nur die malerische Landschaft mit ihren Klippen und dem Blau des ligurischen Meeres, sondern auch historisch wie gesellschaftlich interessante Details. So berichtet er von der Freundschaft zwischen dem Schriftsteller Lord Byron und Percy B. Shelley und dessen Tod bei einem Segelunfall im Golf von La Spezia vor der ligurischen Küste. Allerdings ist Grassi kein Fan der Romantik und für ihn kann ein Tod auch nicht romantisch sein. Und Andrea Bonetto konzentriert sich bei diesem Fall auf die einstigen terrassierten Olivenhaine und Weinberge und die wirklich sehr alten, kilometerlangen Trockenmauern, die jedoch so langsam, wenn sie nicht restauriert werden, porös zerfallen.
Auf dem Wanderweg der Via Becarra finden zwei Touristen auf einer abschüssigen Terrasse einen Toten, der offenbar von Mauersteinen erschlagen wurde. Als Grassi sich jedoch am unwegsamen Tatort den Unbekannten anschaut, wird auch er von Steinen am Kopf und Körper getroffen und muss im Krankenhaus behandelt werden. Waren das nun wirklich unglückliche Umstände oder vielleicht doch ein Mord und ein Mordanschlag? Zu allem Unglück wird auch noch die Polizeichefin Lilia Fetrinelli Korruption vorgeworfen und der unfähige Vice Questore Vicario Bruno Bolognesi, den sie hinter seinem Rücken als die Boje bezeichnen, übernimmt nach ihrer Suspendierung die Verantwortung. Da Grassi trotz seiner Verletzungen nicht untätig im Bett herumliegen kann, schaut er sich nochmals am Tatort um und kann so die Identität des Toten klären. Der Unbekannte ist Dante Macellaio, ein ehemaliger Polizist aus Turin, der nun als Privatdetektiv für eine Versicherung arbeitet. Inzwischen klärt auch der weltgewandte Dottore Andrea Penza, dass es sich wirklich um Mord handelt. Grassi beginnt nun mit seinen Ermittlungen, die sich allerdings kompliziert gestalten, weil er immer noch Schmerzen hat und nicht gut laufen kann. Ist Grassi schon so kein einfacher Mensch, so kann er jetzt seine Wutanfälle und nicht immer wohl gesetzten Worte mit seiner Diagnose, verminderte Impulskontrolle und erhöhte Reizbarkeit, entschuldigen. Seine medizinischen Ausreden akzeptieren Toni, Ricci und vor allem Bolognesi jedoch nur eine kurze Zeit. Die Ermittler finden dann herausfinden, dass Dante Macellaio unter einem falschen Namen bei Stella Colombo in ihrer Byron Lodge gewohnt und recherchiert hat und offenbar dem gewieften Investor Nicola Di Lorenzo, der auch der Besitzer einer Modeboutique ist, auf der Spur war. In seinem Laden wurde eingebrochen und nun fordert Di Lorenzo Geld von der Versicherung. Außerdem hat Di Lorenzo, der zugleich den amerikanischen wie den italienischen Pass hat, das Land gekauft, auf dem Dante Macellaio gezielt mit einem Stein erschlagen wurde. Alles passt so gut zusammen, doch Grassi beißt sich die Zähne an dem arroganten Verdächtigen aus, was ihn noch mehr in Rage bringt, da er kaum Rückhalt von seinem neuen Chef erwarten kann. Hinter Grassis Rücken versucht Ricci Lilia Fetrinelli zu helfen, denn niemals würde sie sich bestechen lassen.
Ein wirklich verzwickter Fall, den Grassi, dem jetzt auch noch seine Frau die Scheidungspapiere zugesendet hat, natürlich lösen wird und auch wenn er es nicht erwartet hat, muss er sich nochmals mit der Romantik und ihrer Lyrik beschäftigen.
Gern folgt man dem Figurenensemble rund um den charismatischen Commissarrio, denn die Handlung ist temporeich, zum Teil auch witzig und vor allem gut konstruiert, um glaubwürdig zu sein. Und Ligurien als zweite Hauptperson fasziniert vor allem durch die Geschichten rund um die einmalige Kulturlandschaft.

Empfehlenswert!