Eric Berg: Rote Sonne . Mord auf Fuerteventura, Limes Verlag, München 2026, 320 Seiten, €18,00, 978-3-8090-2768-3

„Der Fall wurde immer verzwickter, mit jedem Tag, beinahe jeder Stunde, die verging. War Constanza Federl etwa doch gezielt vergiftet worden? …. Andererseits profitierten sowohl Maroungou als auch Ngaba erheblich von Constanza Federls Tod. Nur wozu dann dieser zweite Anschlag mit den vielen Opfern im Konsulat?“

Als Ich – Erzähler führt Fabio Lozano, den alle Flaco nennen, mit Charme und manchmal auch trockenem Humor durch die Handlung. Als ehemaliger Polizist mit einer hohen Aufklärungsrate arbeitet er jedoch nun etwas unterfordert in einem Luxushotel in Fuerteventura als Sicherheitschef. Flaco mag seine Chefin Doña Esmeralda, die seine Arbeit sehr wohl zu schätzen weiß, aber doch immer auf der Hut ist, da sie niemandem traut, auch nicht ihren hochnäsigen Verwandten, die alle pleite sind. Zur großen Jubiläumsfeier ihrer Hotelkette hat Doña Esmeralda sechzig Gäste eingeladen, u.a. ihre Patentochter Constanza Federl, obwohl sie die vierundvierzigjährige, verwitwete und sehr wohlhabende Schweizerin gar nicht richtig kennt, dann ein ehemals berühmtes Wissenschaftler- und Abenteuerehepaar Stella und César Zavaleta und den afrikanischen Konsul Ngaba und sein Gefolge. Es geht hoch her, Champagner wird gereicht und dann kippt plötzlich Constanza Federl zusammen. Flaco versucht, sie zu reanimieren, aber jede Hilfe kommt für die reiche Frau zu spät. Als erfahrener einstiger Ermittler spürte Flaco bei der Mund-zu-Mund-Beatmung, dass ein Nervengift im Spiel war: Tetrodotoxin vom japanischen Kugelfisch. Begleitet wurde das Opfer auf dieser Party von einem gewissen Héctor López. Flaco ahnt, dass dies nicht sein wahrer Name ist und er vermutet, dass er ein Privatdetektiv ist. Was sich allerdings als Irrtum herausstellen wird. Gemeinsam mit dem Ermittler der Policia Nacional aus Las Palmas, dem sympathischen Carlos Arenas, wird Flaco jetzt zusammenarbeiten, zumal die Tote eine Verwandte seiner Chefin war. Schnell stellt sich heraus, dass Constanza eine Tochter hat, die allerdings wenig Kontakt zur Mutter hatte. Liiert ist die siebenundzwanzigjährige Genevra mit Konsulatssekretär Lionel Maroungou von Ngaba, denn beide haben sich an der Universität Oxford kennengelernt. So sehr sich die Ermittler auch den Kopf zerbrechen, sie finden kein Motiv für die Ermordung Constanzas. Sie hatte wohl wenig Sympathien für ihren Schwiegersohn in spe, der genauso wie seine Freundin Genevra unfreundlich und arrogant auf andere Menschen zugeht. Mit seinen Fragen stößt Flaco auf eine Wand. Dass Lionel der Adoptivsohn von Stella und dem an Demenz leidenden César ist, überrascht die Ermittler dann doch. Allerdings haben auch die drei kaum Kontakt, denn Lionel hasst seine Eltern, die ihn als Kind aufgenommen haben und die er für Kolonialisten mit dem falschen Mitleid für Afrika hält. Dass Ngaba, einst Angehöriger einer Militärdiktatur war und Chef der Geheimpolizei und auch noch mit Blutdiamanten handelt, scheint ihn nicht zu stören.
Ngaba jedenfalls weist jegliche Verbindung zwischen dem Mord an Constanza und seinen Leuten zurück und fordert in brüsker Weise von Flaco, dass er den Mord schleunigst aufklärt.

„Toller Vertragstext, dachte ich. Könnte von Donald Trump stammen.“

Als dann jedoch im Konsulat nicht sonderlich feinfühlig kurze Zeit später die Verlobung von Genevra und Lionel mit den üblichen Gästen gefeiert wird, geschieht ein nächster Giftanschlag. Doch nun stirbt nach einem Schluck Champagner nicht nur ein Mensch, sondern gleich fünf. Unter ihnen befindet sich eine der Ehefrauen von Ngaba, dann der alte César, ein dubioser Barkeeper und zum allergrößten Unglück auch noch die Hotelchefin von Flaco, was ihn zutiefst schmerzt. Und zu aller Überraschung wird auch gleich nach der desaströsen Feier das Testament von Doña Esmeralda verlesen, das besagt, dass die nichtsnutzige Familie erben wird, aber auch Flaco, der nun anteilig am Hotelimperium beteiligt ist. Das Vertrauen seiner toten Chefin spornt ihn nun noch mehr an, endlich herauszufinden, was wirklich hinter diesen mysteriösen Morden stecken könnte.
Eric Berg, ein deutscher Krimiautor, der die Winterzeit gern auf den Kanarischen Inseln verbringt, beschreibt natürlich Land und Leute genau. Originell ist sein respektloser Ermittler, der durch seine langjährigen Erfahrungen und seine Menschenkenntnis schnell herausfindet, wer ihn belügt.
Dass auf den Inseln Drogen geschmuggelt werden, wird kaum jemanden überraschen. Doch weder der Handel mit verbotenen Substanzen, noch die Blutdiamanten oder die afrikanischen Diktatoren, die die der spanische Geheimdienst im Blick hat, stecken hinter den Morden.
Spannend bis zur letzten Seite ist dieser Roman, dem sicher ein nächster folgen wird.

Ebenfalls im diesem Literaturblog ist die Besprechung des ersten Bandes zu finden:

Eric Berg: Roter Sand – Mord auf Gran Canaria