Elizabeth Arnott: Ein guter Blick fürs Böse, Aus dem amerikanischen Englisch von Erik Licht, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2026, 334 Seiten, €24,00, 978-3-455-02138-7

„Ihr ist aufgefallen, dass die Auswahl der Opfer fast klischeehaft anmutet, was allerdings dem klassischen Muster entspricht. Es geht immer nur um die Hübschen, diejenigen, die aus der Masse hervorstechen – selbst Mörder halten sich an dieses eherne Gesetz.“

Weder Beverly, noch Elsie, noch Margot haben bemerkt, dass sie mit Männern zusammenlebten, die ein Doppelleben führten. Beverlys Mann, ein Ingenieur, hat junge allein lebende Frauen aufgespürt und getötet, Elsies Ehemann Albert, von Beruf Lehrer, hat ebenfalls junge Frauen umgebracht und auch Margots Mann Stephen, ein bekannter Politiker, war ein Mörder mit sadistischen Fantasien und dazu noch ein nachlässiger, denn seine eigene Frau hat die Polizei verständigt. Alle drei Frauen verbinden diese gemeinsamen Erfahrungen mit ihren Männern, die sie in der Gesellschaft schuldlos zu Außenseiterinnen degradieren. Dabei gehen sie sehr unterschiedlich mit ihrem Schicksal um, denn sie fragen sich auch nach fünf Jahren noch, warum sie die Zeichen nicht erkannt haben, warum sie sich gerade diese Männer ausgesucht hatten. Margot, die gern zynische Bemerkungen macht und als gesellschaftliche Aufsteigerin nun wieder als Verkäuferin arbeiten muss, ist maßlos darüber verärgert, dass sie sich so täuschen konnte. Die attraktive Beverly, die als Model tätig war, wurde noch lang von den Ermittlern der Mittäterschaft beschuldigt. Haben Elsie und Margot ihre Wohngegend verlassen, so lebt Beverly mit ihren beiden Kindern immer noch in ihrem Haus. Dass sie ein Verhältnis mit dem verheirateten Polizisten Roger Greaves hat, wissen die Nachbarn, die sie konsequent schneiden, sicher.
Elizabeth Arnott siedelt ihren Kriminalroman im Jahr 1966 in Kalifornien an. Hinter der sonnigen Fassade von Los Angeles geschehen grausame Morde. Aber bei der amerikanischen Autorin stehen nicht die Ermittler im Vordergrund, sondern die drei ungewöhnlichen Frauen von Serienkillern, die diese aufklären werden. Wieder stehen junge Frauen im Fokus des Täters, der sich durchaus Zeit nimmt, um die Leichen auszustatten und zu verkleiden; so erwürgt er Cheryl und setzt ihr eine blonde Perücke auf oder zieht Diane einen Mantel und Strapse an, anderen tätowiert er die Fingerknöchel. Erste Nachrichten zu den Morden veröffentlicht die Zeitung „Los Angeles Signal“, wo die ehrgeizige, zu beflissene Elsie als völlig unterforderte Assistentin des Herausgebers arbeitet. Da sie ihren Fähigkeiten entsprechend nicht eingesetzt wird, unterschlägt sie einfach Infos zu den Morden und beschließt gemeinsam mit ihren Freundinnen Margot und Beverly, die in ihrem Album alle Zeitungsausschnitte zu Verbrechen sammelt, selbst aktiv zu werden. Sie wissen, dass der korrupte Polizist, Chief Tom Cornwell, die Ermittlungen in die falsche Richtung dirigiert, um angeblich einer Drogenbande auf die Spur zu kommen. An die Seite der Frauen stellt sich noch eine weitere Außenseiterin, die taffe Reporterin Patricia Fowler, auf die Elsie eigentlich sauer ist. Die Frauen befragen nun übergriffige Hollywood – Regisseure, Angehörige bei Beerdigungen oder Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben müssen. Sie versuchen ein Profil vom Täter herzustellen, wofür Beverly ohne das Wissen der anderen sogar ihren Ex-Ehemann Henry im Gefängnis besucht, um ihn nach seinen Motiven und seiner Vorgehensweise auszufragen. Erstaunlich ist, dass der Killer sich sogar in einem Papier, dass er einem ahnungslosen Autofahrer unter die Scheibenwischer geklemmt hat, darüber beschwert, dass ihm nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird. Und er droht, weiterhin Morde zu begehen.
Parallel zum Geschehen rund um die ermittelnden Frauen wissen die Lesenden, dass eine weitere, deren Namen nicht genannt wird, gefangen gehalten wird.
Als sich Beverly dann doch zu einem Fernsehauftritt überreden lässt und vom Reporter schamlos vorgeführt wird, meldet sich im Nachhinein eine Frau, die der Meinung ist, auch ihr Mann sei ein Mörder. Ohne es zu ahnen, bringt diese Meldung die ermittelnden Frauen auf die richtige Spur und gleichzeitig in Gefahr, denn der Täter hält sich immer in ihrer Nähe auf.
Der Roman führt vor, wie Frauenhass unter der Oberfläche brodelt, wie er manchmal hochschießt und explodiert, und welche Rolle er in der Gesellschaft spielt. Andererseits zeigt die Handlung auch, wie sehr Frauen in den 1960er Jahren in den USA und nicht nur dort unterschätzt und gedemütigt wurden. Sogar Beverlys Mutter Alice setzt alle Hebel in Bewegung, um ihre erwachsene Tochter zu kontrollieren und ihr einzureden, dass sie an allem Schuld sei. Was Elizabeth Arnott unterlässt, ist die genaue Schilderung der brutalen Taten, sie bleibt bei Andeutungen und neigt dazu, typisch Frau, am Ende alles versöhnlich ausklingen zu lassen.
Egal, spannend ist der Roman auf jeden Fall und trotz der vielen Morde sehr unterhaltsam.