Nadine Monfils: Magritte & Georgette machen Ferien, Ein Belgien Krimi, Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig, Eisele Verlag, 272 Seiten, €18,00, 9783961612840

„Wenn Magritte während seiner Ermittlungen versuchte, ein Rätsel zu lösen, versetzte er sich in seine Kindheit zurück und schlüpfte in die Haut seiner Lieblingsfiguren, der Detektive Nick Carter und Nat Pinkerton.“

René Magrittes Kindheit war über eine lange Zeit sorglos, bis sich seine Mutter das Leben nahm. Als er dann mit fünfzehn Jahren die drei Jahre jüngere Georgette kennenlernte, ahnte er sicher nicht, dass er mit ihr ein Leben lang zusammenbleiben würde. Sie bleibt seine Muse, seine Frau, seine Freundin, seine Geliebte. Magritte sagte angeblich, dass er als Künstler nie erwachsen werden wollte, denn sein größter Schatz bliebe die Sorglosigkeit. Finanzielle Engpässe hatte das Paar durchaus, denn Magrittes Karrieredurchbruch ließ auf sich warten. Die Handlung dieses Krimis setzt allerdings ein, als Magritte, der Mann mit der Melone, mit seinen eigenwilligen Gemälden bereits erfolgreich ist.
Um sich zu erholen, reisen Magritte, Georgette und ihr Spitz Loulou sehr gern an die belgische Küste nach Knokke. Hier wohnen sie im Hotel de la Plage und fühlen sich wohl. Magritte ist kaum an neuen Bekanntschaften interessiert, da er eher kontaktscheu ist und nicht so gern mit Fremden redet. Er lehnt sich gern zurück und beobachtet. Das ganze Gegenteil vom introvertierten Künstler ist seine extrovertierte Frau, die auf Menschen zugeht, sie gern ausfragt und nichts gegen Klatsch und Tratsch hat. Und so lernen sie auch beim Essen Roger Doorman kennen, dessen joviale Art Margritte sofort zuwider ist. Georgette erfährt, dass Doorman auf der Suche nach Daisy Fox ist, seiner Frau, die als Reisejournalistin für ein Magazin arbeitet und über die Küstenregion und ihre Hotels schreiben wollte. Beim nächsten Spaziergang jedoch gräbt ihre Hund Loulou eine Hand am Strand aus und so finden sie gemeinsam die Leiche ihres neuen Bekannten. Georgette kann es nicht lassen, durchsucht die Taschen des Toten und entdeckt den Abschiedsbrief von Daisy, der allerdings – recht ungewöhnlich – mit einer Schreibmaschine verfasst wurde. Magritte ahnt, dass dieser Urlaub nicht so erholsam wird, wie er gehofft hatte.
Die Autorin Nadine Monfils konnte noch mit Georgette über ihren Mann, der bereits verstorben war, sprechen und seine Vorliebe für Detektivgeschichten und die einmalige belgische Küstenlandschaft in ihrer fiktionalen Handlung einbauen. Die Autorin verbindet aber auch geschickt, Magrittes künstlerisches Werk, in dem er großen Spaß hatte, Mythen umzudrehen, mit den abenteuerlichen Geschehnissen am Meer. Ganz nebenbei fließen biografische Details von Magritte und den Surrealisten dieser Zeit ein. Wobei der Künstler, der nie im Atelier, sondern immer gut angezogen im Anzug im Esszimmer malte, mit seiner Bildsprache wohl eher ein Außenseiter war und darauf auch Wert legte.

„Seine Inspiration fand er nur zwischen den Dingen des täglichen Lebens, umgeben von Alltagskrimskrams.“

Bei all den Gesprächen und Recherchen stellt sich nun heraus, dass Roger Doorman nicht der freundliche Herr war, als der er sich ausgegeben hatte. Offenbar misshandelte er seine zwei Ehefrauen und drang darauf, dass im Fall ihres Todes eine hohe Lebensversicherung gezahlt wird. Auch Doormans erste Ehefrau, Rosa Velours, ist seltsamerweise verschwunden.
Da Magritte seinem Bekannten bei der Polizei erzählt hat, dass er einen Krimi schreiben will, kann er ab und zu ein paar Fachfragen stellen. Und Georgette befragt in ihrer freundlichen Art das Personal im Hotel, arbeitende Menschen, die andere einfach übersehen. Denn ausgerechnet sie liefern die besten Informationen, sie beobachten und hören vieles, was eigentlich geheim bleiben sollte. Magritte und Georgette scheuen keine Mühen, sie steigen in fremde Wohnungen ein, gehen in Arztsprechstunden und besuchen die Frau von Dr. Tytgat. Und so gelangt Georgette an Fotos, die belegen, dass Daisy offenbar eine Affäre mit Dr. Tytgat hatte. Er hatte Daisy zuletzt gesehen hat, behauptete jedoch, dass er Daisy kaum kannte. Als ihr Leichnam dann gefunden wird, stellt sich bei der Obduktion heraus, dass sie schwanger war. Dr. Tytgat allerdings hat eine sehr wohlhabende Frau und war wohl nicht so in Daisy verliebt wie sie in ihn. Doch warum sollte er ihren Ehemann töten? Und was steckt wirklich hinter diesem brutalen Doppelmord?
Natürlich sind Magritte und Georgette der Polizei immer zehn Schritte voraus, zumal diese den Tod Doormans als Unfall abgehakt hatten.
Verschmähte Liebe, Rache und Geldgier – nichts ist dem ermittelnden Paar fremd und so wissen sie am Ende, wer der Mörder war und nach einem Telefonat ist auch die Polizei informiert.

Mag der Kriminalfall nicht sonderlich spannend sein, alle Geschichten rund um Magritte und Georgette sind um so interessanter, zumal viele Titel von Bildern erwähnt werden, die man entweder kennt oder durch den Roman und eine Recherche im Internet für sich entdecken kann.