Robert Galbraith: Das tiefschwarze Herz. Ein Fall für Cormoran Strike, Aus dem Englischen von Christoph Göhler, Kristof Kurz, Wulf Bergner, Blanvalet, München 2022. 1360 Seiten, €26,00, 978-3-7645-0817-3

„Der Vampir schien zu seufzen.
Aber ich bin blutarm.
Leicht amüsiert schrieb Robin:
Sorry.
Der Vampir antwortete:
Eines Tages bist du untot. DANN tut’s dir leid.“

J.K.Rowling kann es nicht lassen, eigene Spiele zu erfinden und in diesem neuen, erneut extrem dicken Roman, mit dem man ohne Probleme jemanden erschlagen könnte, ist es ein Comic-Spiel, zu dem sich Robin Ellacott, Ermittlungspartnerin des Privatdetektivs Cormoran Strike Zugang verschaffen konnte. Nicht jeder kann von der Partie sein. Angeregt wurde dieses Spiel, genannt „Drek’s Game“, durch eine erfolgreiche, ziemlich krude wie irgendwie abgründige Horror-Friedhof-Serie mit dem Titel „Das tiefschwarze Herz“, dass Edie Ledwell und ihr Ex-Partner Josh Blay kreiert haben. Als Edie Ledwell allerdings das kostenlose Comic-Spiel kritisiert hatte, konnte sie nicht ahnen, welche Folgen dies für sie nach sich ziehen würde. Der nachtragende, doch begabte Entwickler oder die Entwicklerin des Spiels, Anomie, und weitere AnhängerInnen verfolgen die junge Frau nun seit Jahren mit übelsten Beschimpfungen in den sozialen Medien. Sie unterstellen ihr Geldgier, Rassismus und überschütten sie mit Hasstiraden der schlimmsten Art. Ellenlange Chatverläufe mit hässlichsten Beschimpfungen ( Sicher kennt auch die Autorin solche Formen der Herabsetzung. ), ausführliche Spielabläufe und den Fließtext der Handlung baut J. K. Rowling nun zu einem voluminösen Kriminalroman aus, denn Edie Ledwell und Josh Blay werden auf dem Highgate Cemetery in Camden angegriffen und Edie wird es nicht überleben. Zuvor hatte sie ziemlich am Boden Robin in der Agentur aufgesucht und sie inständig gebeten, herauszufinden wer sich hinter dem Nutzername Anomie verbirgt. Robin und vor allem Strike fühlten sich zu dem Zeitpunkt nicht in der Lage, einen Fall von Cyberkriminalität zu übernehmen. Doch nun beauftragt die Familie von Edie die Agentur mit der Aufdeckung der gefährlichen Person, die hinter Anomie steht. Robin wird feststellen, dass alle, die in Ledwells Leben eine Rolle spielten, mit diesem Spiel zu tun haben.
Parallel zu diesem Fall schlägt sich Strike auch wieder mit seiner Ex-Frau und ihrem prügelnden Ehemann Jago herum. Er hat eine neue Freundin, eine charmante Schmuckdesignerin, die auch noch mit seiner Ex-Frau bekannt ist. Robin dagegen hat einen widerlichen, aufdringlichen Verehrer und einen Kommissar, der sie gern zu einem Drink einladen würde. Auch im sechsten Band schaffen es die beiden Hauptfiguren nicht, sich ihre wahren Gefühle zu gestehen. Zu Robins dreißigstem Geburtstag hätte es beinahe klappen können. Aber nur beinahe.
Niemand gönnt dem anderen einen Erfolg, die sozialen Medien, insbesondere Twitter bietet viele Möglichkeiten so richtig unter der Gürtellinie zuzuschlagen und ultrarechte Gruppen schleichen sich klammheimlich in Communitys, um diese von innen auszuhöhlen.
J.K.Rowling siedelt ihren Roman zwar 2015 an und hat wohl auch diesen sehr früh fertiggestellt, aber nichts in den ellenlangen Passagen und aktuellen Bezügen bringen einen Mehrwert. Zu viele Figuren, zu viele Nebenhandlungen, Beschreibungen, psychologische Einlassungen und nun auch noch Ergüsse aus sozialen Medien überschwemmen die Lesenden mit Informationen, die wahrscheinlich zu achtzig Prozent gar nicht wichtig sind.
Nur Fans schlagen sich bis zu Seite 1349 durch, um erlöst endlich zu erfahren, was wirklich hinter all den Recherchen, Observierungen und Befragungen steckt.
Und Robin und Cormoran sind auch Ende dieses mehr als aufwendigen Falls kein Paar. Schade.