Freida McFadden: Die Ehefrau, Aus dem Englischen von Frank Dabrock, Heyne Verlag, München 2026, 416 Seiten, €17,00, 978-3-453-42810-2
„Es war ein rührender Anblick, als er heute Morgen vor sich hin singend den Truthahn mit Öl, Butter, Salbei und Rosmarin einrieb. Während ich ihm einen Moment dabei zusah, verspürte ich plötzlich ein Gefühl der Zuneigung, bis mir einfiel, was ich in Victorias Tagebuch gelesen hatte. Das ist alles nur Fassade – der wahre Adam ist ein zorniger, gewalttätiger und eifersüchtiger Mann.“
Sylvia Robinson befindet sich in einer ziemlich aussichtslosen Lage. Die Fünfundzwanzigjährige braucht unbedingt einen Job, denn sie hat ihren Freund Freddy vor die Tür gesetzt und auf die Hilfe ihrer Eltern kann sie nicht zählen. Da kommt ihr die zufällige Begegnung mit dem attraktiven wie reichen Adam Barnett gerade recht, denn er sucht jemanden, die sich um seine an den Rollstuhl gefesselte Frau Viktoria kümmert. Allerdings wohnt und arbeitet der erfolgreiche Schriftsteller im weit entlegenen Montauk. Sylvia überlegt nicht lang und zieht in Adams großes Haus ein. Die erste Begegnung mit Viktoria, die Sylvia vorher auf Bildern gesehen hat, ist schockierend. Die junge Frau, die im Haus auf der Treppe gestürzt ist, kann kaum sprechen, ist halbseitig gelähmt und ihr Blick ist der einer Toten.
Im Haus begegnet Sylvia der unfreundlichen Haushälterin Eva und die sehr sympathische Putzfrau Maggie, die sich freut, wieder eine junge Frau in ihrem Alter kennenzulernen. Irina, die als Gärtnerin bei den Barnetts gearbeitet hat, hat wohl ihren Job aufgegeben. Sylvia jedenfalls ist etwas verunsichert, denn sie weiß nicht so genau, was von ihr erwartet wird. Aber Adam, der so sympathisch und hilfsbereit wirkt, steht ihr zur Seite und sie muss aufpassen, dass sie sich nicht in ihn verliebt. Dabei sorgt sich Adam sehr um seine Frau, wobei Sylvia spürt, das Victoria ihn nicht in ihrer Nähe haben will. Wie durch ein Wunder kann die kranke Ehefrau, ohne Adams Wissen Sylvia auf ihr Tagebuch aufmerksam machen.
Durch die Lektüre der ausführlichen Einträge lernt Sylvia Viktoria näher kennen und sie liest ausführlich davon, wie die Beziehung zwischen Viktoria und Adam sich im Laufe der Zeit von schwer verliebt in extrem verhasst ändert. Viktoria als ausgebildete Fachkrankenschwester wird ihren geliebten Beruf aufgeben und ohne gefragt worden zu sein mit Adam nach Montauk ziehen. Beide wollen unbedingt Kinder und Viktoria freut sich auf diese neue Aufgabe. Aber sie wird nicht schwanger. Nach und nach lernt Viktoria die dunklen Seiten ihres Mannes kennen, der alles, aber auch alles kontrollieren muss und zu Wutausbrüchen neigt. Adam bestimmt über ihre Kleidung, wohin sie gehen darf und welches Geld sie ausgeben darf. Sie ist letztendlich in einem goldenen Käfig gelandet, in dem sie nur noch fernsieht und gute sieben Kilo zunimmt. Adams so sympathische Fassade fällt und dahinter verbirgt sich ein eifersüchtiger Ehemann, der kein Selbstwertgefühl hat, aber ein Bestseller – Autor ist.
Immer im Wechsel zwischen der gegenwärtigen Handlung aus der Perspektive von Sylvia und den Tagebucheintragungen entsteht so ein widersprüchliches Bild von Adam und seinem Leben mit Viktoria, einer doch einst im Leben stehenden, berufstätigen Frau, die nie von einem Mann abhängig war. Das sich Sylvia trotz der Lektüre, die Haushälterin Eva hatte es geahnt, sich auf eine sexuelle Beziehung mit Adam einlässt, ist hingegen unglaubwürdig. Der Kontakt zwischen Viktoria und Sylvia wird im Lauf der Zeit enger, auch wenn Sylvia Gewissensbisse hat. Und die junge Frau besorgt der kranken die Pistole, die sie in Adams Schlafzimmer findet. Damit leitet sie den Showdown ein, denn erfahrene Lesende erwarten eigentlich noch einen dramatischen Wechsel der Perspektiven oder Gewissheiten auf Leben und Tod in der hier nicht allzu spannenden Handlung, die zu holzschnittartig vom extrem eifersüchtigen Mann erzählt, der seine eigenständige Frau wahrscheinlich demütigen und bestrafen will.
Aber dieser überraschende Wechsel gelingt Freida McFadden in dieser trivialen, vorhersehbaren allzu simplen Geschichte voller Klischees, ohne lebendige Figuren oder Tiefgang kaum.
Ziemlich enttäuschend!