Kicki Sehlstedt: Mittsommergrab, Aus dem Schwedischen von Ulrike Brauns, Goldmann Verlag, München 2026, 544 Seiten, €14,00, 978-3-442-49761-4

„Das unbehagliche Gefühl, das sie bei der Aussicht, nach Hunnebostrand zurückzukehren, verspürt hatte, meldete sich immer deutlicher. Peppe Johanssons Leben und Verschwinden verwob sich immer mehr mit ihrer eigenen Familie.“

Julia Järvskog konnte durch ihre Recherchen und Befragungen als Host für ihren neuen True-Crime-Podcast die Freilassung eines unschuldig verurteilten Raubmörders bewirken. Eigentlich hatte sie mit ihrem Lebenspartner erfolgreich für einen Radiosender in Göteborg gearbeitet, doch seit dieser sie betrogen hat und nun auch noch Vater wird, sucht die Siebenundvierzigjährige neue Betätigungsfelder. Als dann ausgerechnet in dem Ort, in dem einst ihre Großeltern gewohnt und sie als Kind und Jugendliche ihre Sommerferien verbracht hatte, eine Leiche aus den Tiefen der Ostsee geborgen wird, wittert sie neuen Stoff für ihren Podcast.
Kicki Sehlstedt erzählt in diesem Kriminalroman zeitlich versetzt von den Geschehnissen im Sommer 1994 und Julias Wiedersehen mit ihren damaligen Jugendfreunden dreißig Jahre später. Schnell vermuten die Bewohner, die Polizei und auch Julia, dass der gefundene Tote Peppe Johansson sein könnte. Er ist in der Mittsommernacht plötzlich verschwunden und nie konnte ermittelt werden, was wirklich geschehen war. Viele vermuten bis heute, dass der Immobilienmogul es sich irgendwo auf einer Südseeinsel gut gehen lässt. Nachdem er wie vom Erdboden verschwunden war, ging seine Firma pleite und Julia wird herausfinden, dass seine Frau Magdalena entscheidende Papiere unterschrieben hatte und nun bis an ihr Lebensende die Schulden ihres Mannes abtragen muss. Auch Julias Großeltern und weitere Leute im Ort hatte Peppe Johansson für ein lukratives Geschäft, den Bau eines Ferienresorts, betrogen. Erst jetzt versteht Julia, warum das Haus der Großeltern nach deren Tod verkauft werden musste, denn auch sie waren hochverschuldet. Julia kann sich erinnern, dass Peppes Sohn Patrick als reicher Sohn den anderen immer überlegen war. Dass er nun im Rollstuhl in einem verfallenen Haus wohnt, erfährt Julia von einem weiteren Jugendfreund, Kalle Moghini, der der Ermittlungsleiter in diesem Mordfall ist. Dann die gefundene, zerstückelte Leiche ist wirklich Peppe Johansson. Julia versucht nun mit den Angehörigen, den damaligen Nachbarn und Bekannten zu sprechen, was Kalle bei seiner Polizeiarbeit irritiert und verärgert. Zumal er im Sommer 1994 sehr in Julia verliebt war. Kalle wohnt mit seiner Familie im Haus des Vaters, der als ehemaliger Arzt im Ort sehr beliebt ist, aber nun durch seine Demenzerkrankung in einem Heim leben muss. So wie Julia, die sich immer wieder an die gemeinsame Vergangenheit mit den Freunden und der Familie Johansson erinnert, sortiert auch Kalle in der ehemaligen Praxis des Vaters dessen Hinterlassenschaft. Dass beide unabhängig voneinander zum wahren Motiv für dem Mord an Peppe Johansson durchdringen, liest sich äußerst spannend.
Mit erzählerischer Leichtigkeit, aber auch psychologisch gut beobachtet verbindet die schwedische Autorin Kicki Sehlstedt zwei Erzählebenen. Zum einen schildert sie in ihrer gegenwärtigen Handlung die Geschehnisse aus Julias Perspektive und die Polizeiarbeit Kalles, zum anderen erinnert sich Julia an ihre Freundschaft mit Patrick, Kalle, Malin und Fredrik, die nach der Mittsommernacht 1994 abrupt endete.

Ein Krimi, aus der ganz persönlichen Sicht einer Podcasterin und der Polizei – nicht neu, aber spannend!