Sara Ochs: Das Paradies – Hier kannst du glücklich werden. Oder sterben …, Übersetzt von Leo Strohm, blanvalet Verlag, München 2024, 416 Seiten, €17,00, 978-3-7645-0858-6
„Falls Daniels Tod nichts mit den beiden anderen zu tun hat, dann hat das Resort vielleicht eine Chance, zu überleben. Und genau das brauchen wir. Denn das hier ist unsere Existenz. Ohne das Resort und die Touristen, die es anlockt, können wir auf dieser Insel nicht leben. Wir müssten sie verlassen. Wir würden sie verlieren.“
Sie sind jung, kommen aus Europa, Asien, den USA und Australien und sie lieben das freie Leben und die Partys auf ihrer thailändischen, traumhaften Insel, die alles hat, was ein Paradies verspricht. Cass, Logan, Doug, Greta, Neil und Daniel sind ein eingeschworenes Team. Sie arbeiten als Barkeeper wie Logan, als Tauchlehrer oder Tauchlehrerinnen wie Cass. Allerdings hat jeder von ihnen auch eine Vergangenheit, über die die meisten nicht allzu gern reden. Wichtig ist die unbeschwerte Gegenwart, die Insel, das Meer und die Touristen natürlich. Zu ihnen zählen Brooke, eine attraktive Influencerin aus den USA und Lucy, eine Schülerin in Casses Tauchkurs.
Sara Ochs berichtet von den Geschehnissen auf der fiktiven Insel aus zwei Perspektiven, zum einen erzählt die sich selbst als unscheinbar und ziemlich unsicher empfindende Cass, zum anderen die nach außen hin so selbstbewusst wirkende Brooke. Brooke freundet sich schnell mit Cass an, wobei Cass nicht ahnt, warum Brooke diese Nähe zu ihr sucht. Cass hat sich mit Logan verlobt, weiß aber, dass sie ihm noch nicht alles über sich erzählt hat. Den Namen Cass Morris hat sie angenommen, da sie aus den USA vor dem Medienrummel geflohen ist, denn sie hat ihren Vater und ihre kleine Schwester Robin getötet. Wie das geschehen konnte, stellt sich erst im Laufe der Handlung heraus. Brooke hingegen hat kaum noch Geld und hofft auf eine gute Story für ihren Insta – Kanal. Sie sinnt auf Rache, denn sie weiß, wer Cass ist und sie ist es auch, die zu Beginn Cass Drohbriefe vor die Tür legt. Dann stürzt eine junge Touristin, Jacinta, von einem Felsen und die Polizei verbucht dies als Unfall. Als dann jedoch auch Lucy mit Striemen am Hals angeblich ertrinkt, wird Cass misstrauisch und beginnt mit Brooke zusammen zu ermitteln. Zweifel kommen auch auf, da Cass neben der Leiche im Meer Logans Ring gefunden hatte. Und sie hatte vor dem Unfalltod von Jacinta herausgefunden, dass Logan und sie ein Verhältnis hatten. Als dann auch noch Daniel, der ein angeblicher Sexualstraftäter aus England sein soll, brutal ermordet auf der Straße, also kein Unfall, gefunden wird, gerät die gesamte Partygesellschaft in Unruhe. Schnell findet die Polizei den Täter, den laotischen Barkeeper, der natürlich mit Drogen handelt. Alle ahnen, dass dies nur ein Vorwand für einen schnellen Fahndungserfolg darstellt, damit die Touristen nicht wegbleiben.
In einem ständigen Hin und Her zwischen Reflexionen aus der Vergangenheit, Cass und Brooke verbindet ein brutales Geschehnis aus ihrer gemeinsamen Zeit an der Universität, dass Cass allerdings verdrängt hatte, und der Gegenwart verliert sich die Handlung in kleinteiligen Spekulationen.
Getrieben von der Angst um ihre wunderbaren Jobs versucht die Gruppe um Cass herauszufinden, wer der oder die Täter sind. Zu verworren jedoch sind die Motive, aus denen die beiden jungen Frauen und Daniel ermordet wurden. Zu unglaubwürdig auch die Geschichte um Cass und die Ermordung ihrer Familie. Die Männer zeichnet die Autorin eher oberflächlich, immer getrieben von einem sexuellen Abenteuer, und die Frauen als zupackend, aber doch scheiternd.