Petra Johann: Wem du traust, Aufbau Verlage Taschenbuch, Berlin 2025, 428 Seiten, €17,00, 978-3-7466-4250-5
„Ich drehe mich im Kreis. Warum erzählt Daniel mir nicht, worum es geht? Wir erzählen uns doch sonst alles Wichtige. Wenn es nicht gerade um Thomas geht …“
Alles scheint bei den beiden Freundinnen Eva Kramer und Susanne Ziemiak gut zu laufen. Jahrelang haben beide zusammen gewohnt und Susannes Tochter Sofia großgezogen. Doch dann hat Eva, die als Optikerin tätig ist, Daniel kennengelernt, geheiratet und ihre Sohn Linus, der heute fünf Jahre alt ist, bekommen. Alles ist eigentlich harmonisch, wenn nicht ständig Daniels Bruder Thomas auftauchen würde, den Eva nicht sonderlich mag. Und Susanne ist nun mit dem attraktiven Axel, einem stadtbekannten Architekten mit besten Beziehungen in ein Penthouse gezogen. Die fünfzehnjährige Sofia, ein sehr verschlossenes Mädchen, ist davon nicht sonderlich begeistert. An ihrer neuen Schule hat sie genauso wenig wie an der alten Freundinnen, aber sie schreibt für die Schulzeitung. Sie ist gern allein, sagt sie und sie verbringt als Babysitter gern Zeit mit Linus. Nach einem Abend bei ihm, Eva, Susanne, Axel und Daniel feierten ausgiebig den Geburtstag ihres Freundes Ilkay, fährt Daniel Sofia nach Hause. Allerdings sollte sie bei Eva und Daniel übernachten, doch Sofia behauptet, dass dies nie ausgemacht war. Am nächsten Tag ist das junge Mädchen wie vom Erdboden verschluckt und Kriminaloberkommissarin Heidi Westphal nimmt ihre Arbeit auf.
Petra Johann erzählt aus der Ich – und der personalen Perspektive. Zum einen schildert Eva alles aus ihrer Sicht und zum anderen bleiben die Lesenden an Heidi Westphals Seite. Und dann zieht sich in kursiver Schrift ein Fall von häuslicher Gewalt durch die Handlung.
Schritt für Schritt verfolgt die fünfzigjährige Ermittlerin Sofias Weg an diesem Abend und in der Nacht. Bei all ihren Befragungen, ob nun an nächste Angehörige, Mitschülerinnen, Lehrer oder Schreibende für die Schulzeitung, stellt sich heraus, dass Sofia ein ruhiges, aber auch cleveres Mädchen ist. Sie tummelt sich nicht in den sozialen Medien, sondern schreibt gern über ernste Themen und interessiert sich auch für Jennifer Mann, eine junge Frau, die nach einem Discobesuch vor vielen Jahren vergewaltigt und ermordet wurde.
Sofias tagelanges Verschwinden lässt Susanne und Eva verzweifeln. Da beide nun mehr zusammenrücken, stellt sich heraus, dass Axel doch nicht der schimmernde Ritter ist. Und Daniel belügt die Polizei oder verschweigt wichtige Informationen. Dass Sofia mit ihm in der letzten Zeit ein Problem hatte, kann Eva jetzt nicht mehr verschweigen. Die Ermittler beginnen sich langsam auf Daniel zu fokussieren, da seine Zeitangaben für den Abend nicht stimmen und Sofias Handy in seinem Auto unter der Rückbank gefunden wurde. Weiterhin hat er den Verlauf des Abschieds von Sofia in der Nacht falsch dargestellt.
Eva ahnt, dass Daniel ihr etwas verschweigt.
Konzentriert auf die Polizeiarbeit verliert Petra Johann nie ihre ambivalenten Figuren aus den Augen, deren Handeln überzeugend und glaubhaft ist. Auch wenn Sofias Fahrrad und ihr zerrissener Hoddie gefunden werden, ahnen die Lesenden, dass hinter dem Verschwinden des Mädchens mehr steckt als die Launen einer Pubertierenden, die nicht ihren Willen bekommt.
Absolut spannend und beste Lektüre für ein graues Wochenende!
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