Nicola Sanders: Don’t believe her, Aus dem Englischen von Wolfgang Thon, HarperCollins Verlag, Hamburg 2026, 333 Seiten, €17,00, 978-3-365-01272-7

„Was ist nur los mit ihnen allen? Fake Carla will das Haus verkaufen und Marjorie in ein drittklassiges Altersheim stecken. Zudem ist sie offensichtlich nicht bereit, eine einfache Frage über ihre eigene Kindheit zu beantworten, und doch wollen alle nur über ein Mädchen reden, das vor dreizehn Jahren verschwunden ist.“

Ellie kann nicht fassen, dass ihre einzige beste Freundin Carla Goodwin nach dreizehn Jahren plötzlich wieder auftaucht und einfach mal so zum Mittagessen vorbeischaut. Wie sehr hat Ellie sie vermisst, wie lange hat sie nach ihr gesucht und Marjorie, Carlas Mutter, mit Fragen nach der Freundin, die mit sechzehn Jahren Hals über Kopf ihr Elternhaus verlassen hat, gelöchert. Doch dann lag plötzlich eine Karte aus Paris in Marjories Briefkasten. Wobei Ellie daran zweifelt, dass Carla diese Karte geschrieben hat. Was ist mit Carla wirklich geschehen? Auch Nick, Carlas älterer Bruder, den Ellie bald heiraten möchte, hat keine Ahnung. Nach dem Tod ihres Vaters ist Ellie mit ihrer sechsjährigen Tochter Karlie wieder nach Lindleton gezogen und da Carla schon immer in Nick verliebt war, kam eins zum anderen. Und nun wohnen auch noch alle zusammen in Marjories großem Haus. Da Nicks Fitnesscenter nicht so gut läuft, überlässt Ellie ihm eine große Geldsumme, das Erbe ihres Vaters.
Alles könnte so harmonisch sein, wären da nicht Ellies Zweifel an der Person, die teuer gekleidet angeblich in Paris lebt und sich für Carla ausgibt. Mal kann Fake Carla, wie Ellie sie nennt, sich an nichts erinnern, was die beiden Freundinnen einst verbunden hat, dann wiederum weiß sie Details, die nur die echte Carla wissen kann. Alles läuft irgendwie ganz falsch ab und Ellie versucht verzweifelt Marjorie und Nick klarzumachen, dass sie einer durchtriebenen Hochstaplerin aufsitzen. Natürlich kann Ellie verstehen, dass Marjorie und Nick unbedingt daran glauben wollen, dass die so lang vermisste Tochter sich endlich gemeldet hat. Ellie überredet Fake Carla doch länger zu bleiben, was sich als Fehler herausstellen wird. Denn plötzlich erkennt Ellie, dass Carla über sie und ihre einst so innige Freundschaft Lügen verbreitet. Alle Freunde und die Familie zieht Carla auf ihre Seite und lässt den Eindruck entstehen, dass sich Ellie in die Familie gedrängt habe und dass Carla ihre damals beste Freundin eigentlich gehasst hat und vor ihr geflohen ist. Geschickt manipuliert Carla ihre Umgebung und isoliert Ellie, die auf einmal für alle eine Stalkerin ist und besessen von der Familie Goodwin. Auch Nick wendet sich von Ellie ab, die ihn allerdings mit Carla vor der Bank gesehen hat und beobachten konnte, wie Carla ein dickes Bündel Geldscheine zählt. Und es kommt noch schlimmer. Alle Fallen, die Ellie für Carla aufstellt, laufen ins Leere. Sogar Ellies eigene Tochter fühlt sich zu Tante Carla hingezogen und sogar Lauren, Ellies Chefin und Freundin, aus dem Frisörsalon glaubt die falschen Anschuldigungen von Fake Carla. Ellie zweifelt langsam an ihrem eigenen Verstand. Doch dann entdeckt sie den Führerschein von Carla, der einer gewissen Susan Williams gehört. Ellie kann ihren Triumph, der nicht lang anhält, kaum fassen. Die Polizei wird eingeschaltet und nun dreht sich plötzlich alles um Carlas Verschwinden und um eine gewisse Sophie Bonham. Das fünfzehnjährige Mädchen, das damals mit Nick liiert war, wurde vor dreizehn Jahren von ihrer Familie als vermisst gemeldet. Ellie spürt, dass die Polizei, die auch noch Carlas damaliges Handy in Ellies Sachen findet, langsam damit beginnt, ihr die wahrscheinlichen Morde an den beiden Mädchen anzudichten.
Nicola Sanders konstruiert eine spannende Handlung, die psychologisch in sich stimmig ist und dazu noch derartig doppelbödig, so dass die Lesenden durch die vielen unerwarteten Wendungen das Buch kaum aus der Hand legen können.

Absolut empfehlenswert!