Liza Marklund: Das kalte Moor – Der 2.Band der Polarkreis – Trilogie, Aus dem Schwedischen von Dagmar Mißfeldt, Atrium Verlag, Zürich 2026, 395 Seiten, €24,00, 978-3-85535-213-5
„Jemand observierte Markus und seine Familie. Jemand, der sich offensichtlich in oder in der Nähe von Stenträsk aufhielt, was auf jemanden vom Stützpunkt hindeutete. Jemand, der Zugriff auf die Papierwaren vom Hotel International hatte und seine Briefe mit einem Stern unterschrieb.“
Liza Marklund ist literarisch an ihren Heimatort hoch im Norden Schwedens angekommen. Auch im neuen Band der Polarkreis-Trilogie am Beginn der Pandemie 2020 begegnen die Lesenden Personen, die sie bereits kennen, z.B. dem nun alt gewordenen Wiking Stormberg, dem Polizeichef von Stenträsk. Der Achtundfünfzigjährige hat eine Corona – Erkrankung hinter sich und weiterhin Halsschmerzen. Seine Tochter Elin, die in Stockholm als Krankenschwester arbeitet und zu der Wiking nicht das beste Verhältnis hat, besteht auf einer genauen medizinischen Untersuchung. Wikings Arzt diagnostiziert eine Krebserkrankung. Wiking fällt es schwer, seinen Sohn Markus einzuweihen, zumal dieser auf dem Raketenstützpunkt beruflich endlich aufsteigen kann und das Angebot, als Projektleiter für die Erprobung von Streubomben der NATO, des QATS-Systems, zu arbeiten, dankend angenommen hat. Allerdings scheint ihm jemand den Posten streitig machen zu wollen. Markus zeigt den Drohbrief, geschrieben auf dem Briefpapier des Stockholmer Hotels International, seinem Vater, der kaum fassen kann, was er sieht. Am Ende des anonymen Briefes ist ein fünfzackiger Stern, mit dem einst seine Ehefrau Helena ihre Briefe oder Zettel unterzeichnet hat. Doch Helena ist seit dreißig Jahren tot, ertrunken im Moor, wo die Rettungskräfte nur das gemeinsame, von diversen Insekten zerstochene Baby Elin gefunden hatte.
Liza Marklund erzählt nun zeitversetzt von den Geschehnissen vor fünfunddreißig Jahren und denen in der Gegenwart. Wiking sucht verzweifelt nach allen Spuren, die dieser Brief hinterlassen hat. Zum ersten Mal nach all dieser Zeit vermutet Wiking, dass Helena, seine große Liebe, vielleicht doch am Leben sein könnte. Alle bescheinigen dem Polizeichef, dass er sich verrennt, zumal er auch an einem aktuell brisanten Fall arbeitet. Aus dem abgelegenen Hof von Johan Björkman, einem Jäger, wurde der gesamte Waffenschrank gestohlen. Hinter der Tat steckt offenbar das organisierte Verbrechen, denn in Tensta wurde in einer Pizzeria mit den Waffen ein Doppelmord begangen.
In den Rückblenden erinnert sich Wiking an seine Ausbildungszeit an der Polizeischule, an seine Freunde Mats Vikander und Frank Nilsson. Und natürlich denkt er an seine Frau Helena und beider, wie er hoffte, glückliche Ehe. Doch Wiking denkt auch das baldige Ende seines Lebens und wie er diese Zeit verbringen will.
Als Markus dann einen zweiten Drohbrief mit Fotos seiner Familie erhält, verzichtet er wütend und gedemütigt auf seinen Karriereschub. Kurze Zeit später stirbt Hans-Olov Oskarsson, Markus‘ Nachfolger auf dem Posten, bei einem Autounfall. Doch Wiking lässt seine Beziehungen spielen und entdeckt, dass das Auto manipuliert wurde. Soll jemand bestimmtes auf den Posten gehoben werden? Wer steckt hinter diesen kriminellen Aktivitäten? Und wie können geheime Informationen überhaupt in andere Hände gelangen? Als Wiking sich erneut im Hotel International aufhält, sitzt plötzlich eine Frau in seinem Zimmer und für Wiking bricht eine Welt zusammen.
Der Waffenraub gerät in diesem Roman eher in den Hintergrund, denn eigentlich dreht sich alles um die private Tragödie des Polizeichefs Wiking Stormberg. Aus unterschiedlichen Perspektiven können die Lesenden die atmosphärisch dichte Geschichte verfolgen, zum einen aus Wikings Sicht und zum anderen im zweiten Teil des Romans aus Helenas Blickwinkel.
Absolut spannende und zugleich beängstigende Lektüre, da erstaunlich aktuell!
Die Besprechung des ersten Bandes der Polarkreis-Trilogie ist in diesem Literaturblog unter folgendem Link zu finden: http://karinhahnrezensionen.com/lese24/liza-marklund-der-polarkreis-band-1/