Karen Kliewe: Die Brandung – Leichenfischer, Ein Ostsee – Krimi, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2025, 416 Seiten, €16,00, 978-3-423-26417-4

„Grabbeigaben! Was bedeutete das für die laufenden Ermittlungen? Was hatte die Verstorbene mit den Beerdigungsritualen der nordischen Seefahrer zu tun? … Tierknochen hatte die Spurensicherung auch im Grab dieser jungen Frau gefunden. Keine edlen Rösser, keine Hunde, aber die Überreste eines Huhns. Dazu die Gewandnadel und das Amulett ….“

Es ist April, Ostern steht vor der Tür und alle sind mal wieder krank. Die dänische Archäologin, Fria Svensson, die in ihrem früheren Leben auch mal eine Polizeiausbildung durchlaufen hatte, muss selbst zu den Ausgrabungen bei Sønderborg fahren und entdeckt per Zufall ein ungewöhnliches Grab. Doch es ist kein uraltes Wikingergrab, sondern die letzte Ruhestätte der sechsundzwanzigjährigen Lea Schmitz aus Oldenburg, die seit sieben Monaten vermisst wird. Mit großem Aufwand wurde sie mit Grabbeigaben in einen mit Holz ausgekleideten Sarg, einem Schiffsrumpf gleich, gelegt. Die Frau wurde stranguliert und erstochen. Als Fria per Zufall den Flensburger Polizeikommissar Ohlsen trifft und ihm von diesem Leichenfund erzählt, erkennt dieser, dass auch er, zwar alles ziemlich verschüttet und durch den Zeitraum nicht mehr genau erkennbar, eine Frauenleiche gefunden hatte, die mit Grabbeigaben beerdigt wurde. Das Opfer heißt Celine Schwarz und stammt aus Ingolstadt. Klar ist nun, Ohlsen muss mit den dänischen Kollegen und das sind die Brüder von Fria zusammenarbeiten.
Parallel zur Polizeiarbeit wissen die Lesenden, dass zwei junge Frauen entführt wurden und jemand mit ihnen seine Psychospiele treibt. Und dann ist da noch eine junge Frau, Nettie, die mit einem Kind bei einem namenlosen Tyrannen lebt. Sie fantasiert von Morden, die sie angeblich begangen hat.
Der oftmals wortkarge Ohlsen ist nicht so begeistert davon, dass Fria als Expertin hinzugezogen wird und so beauftragt er einen weiteren Privatgelehrten, der sich mit der Zeit der Wikinger gut auskennt. Dr. Stefan Wagner kommt allerdings nicht zu den Schlüssen, die Fria schon längst, auch in Hinblick auf Ermittlungsschritte, gezogen hat. Eigenartig ist auch, dass die Forensiker auf dem einen Körper der Leiche einen Abschiedsbrief gefunden haben. Waren die Frauen selbstmordgefährdet? Und hat ihnen jemand beim Suizid geholfen? Mit der Hilfe einer Psychologin kann sich die dänische wie deutsche Polizei ein Bild vom Täter zusammensetzen. Doch wie soll man jemanden fassen, der offenbar hochintelligent, wie manipulativ ist, durch Deutschland reist und dann seine Opfer im Norden Dänemarks und Deutschlands versteckt und tötet?
Und eine weitere, diesmal männliche Leiche taucht auf, die allerdings irgendwie mit den bereits versteckten Opfern zu tun hat.
Spannung pur verspricht dieser Kriminalroman, der auch in die Privatleben der Ermittler und der Archäologin blickt und so den dramatischen Bogen etwas weiter spannt, als sich nur auf die langatmige Polizeiarbeit zu konzentrieren. Außerdem fängt die Autorin die ganz besondere Landschaft an der Ostsee ein und sie zeichnet ein charakteristisches Bild, von den Menschen, die dort leben.
Lesenswert!