Freida McFadden: Der Freund – Ist er dein Traumpartner oder dein Killer?, Aus dem Amerikanischen von Astrid Gravert, Heyne Verlag, München 2025, 400 Seiten, €17,00, 978-3-453-44303-7

„Zumindest weiß ich, warum Tom nach all diesen Jahren noch Single ist. Er liebt ein totes Mädchen.“

Freida McFadden mag eine erfolgreiche Autorin sein, die sich lieber im Hintergrund hält, als mit ihren Lesenden in Kontakt zu treten. Sie ist laut Angaben des Verlags praktizierende Ärztin und keine KI, wie auch angesichts der vielen Neuerscheinungen vermutet wurde.
Im neuesten Roman allerdings bedient sie allzu viele Klischees und mehrere Personen, schuldig und unschuldig, kommen grausig ums Leben.
Im Mittelpunkt der Handlung, die in New York spielt, steht die Ich-Erzählerin Sydney Shaw. Die Vierunddreißigjährige arbeitet seit Corona als Buchhalterin in ihrer kleinen Wohnung. Enttäuscht von vielen Dates ist sie immer noch auf der Suche nach ihrem perfekten Mr. Right, mit dem sie glücklich sein wird bis ans Ende ihrer Tage. Natürlich sind Kinder eingeplant und ein Haus. Ach ja, er sollte auch etwas Besonderes sein, am liebsten Arzt. Warum eigentlich? Immerhin hat sie sich von ihrem letzten Freund Jake getrennt, der als Detektive kaum Zeit hatte. Auch Ärzte gehen keiner geregelten Arbeitszeit nach. Sydney ist mit Bonnie, die mit ihr im gleichen Haus wohnt, befreundet und mit Gretchen, die mit dem Hausmeister Randy zusammen ist. Seltsamerweise ist Bonnie seit einem Jahr in einen tollen Arzt verliebt, den allerdings noch niemand gesehen hat und niemand kennt seinen Namen.
Parallel wird von der Jugendliebe von Tom und Daisy erzählt, die sich seit Kindertagen kennen und ineinander vernarrt sind. Toms Leben überschattet sein prügelnder Vater und seine eigenartige Lust an pulsierenden Adern. Außerdem werden zwei Mädchen aus seinem Jahrgang getötet und die Polizei sucht erfolglos nach dem oder den Tätern. Ach ja, und Tom schneidet auch seinem Vater mit Vergnügen die Kehle durch.
In der gegenwärtigen Handlung machen Randy, er sollte etwas reparieren, und Sydney eine grausige Entdeckung. Bonnie wurde in ihrer Wohnung offensichtlich gefoltert und dann getötet. Sie hat dem Mörder die Tür geöffnet. Als Detektiv erscheint auch gleich Jake Sousa, der Ex-Freund von Sydney. Per Zufall trifft Sydney kurze Zeit später dann genau den Mann, der sie vor ihrem Haus vor dem übergriffigen wie schmierigen Kevin, einem glücklosen Date, rettet. Er heißt Tom und ist, wie kann es anders sein, natürlich Arzt, genauer gesagt Pathologe. Sie verlieben sich und nach und nach entdeckt Sydney, dass sich Tom seltsam verhält. Er sagt ihr nicht seinen richtigen Nachnamen, auch die Arbeitsstellenadresse stimmt nicht. Er will ihre Freunde nicht kennenlernen und sie soll seine Mutter nicht treffen. Er benutzt für Telefonate oder Nachrichten ein extra Handy. Und, das findet Jake heraus, er war bei Bonnie und einem anderen weiblichen Todesopfer in der Wohnung.
Würde die Handlung in einer Kleinstadt spielen, könnten die Zufälle glaubhaft sein, aber in einer Millionenmetropole?
Keine Frage, der blasse Plot ist gelinde gesagt an den Haaren herbeigezogen und alle Figuren sind eher holzschnittartig gezeichnet. Dass der Freund nicht der Täter in der Gegenwartshandlung ist, ahnt jeder von Anfang an, was nicht heißt, dass er kein Mörder ist. Dass die Schuldigen auch nie zur Rechenschaft gezogen werden und Serienmörder unbehelligt einfach so davonkommen, spielt dann auch keine Rolle mehr.
Eine Empfehlung: Freida McFadden sollte sich eine kreative Pause gönnen.