Anna Jansson: Schlangengrube – Ein Kommissar-Bark-Krimi, Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann, Blanvalet Verlag, München 2026, 480 Seiten, €13,00, 978-3-7341-1430-4

„Kristoffer ermuntere seine Mitarbeiter immer, frei von der Leber weg zu sprechen, doch das bereute er nun. Wenn Alex mit allzu schrägen Kommentaren kam, könnte die Ermittlung auf dem Tisch einer anderen Abteilung landen.“

Der fünfzigjährige Kristoffer Bark muss sich in diesem sechsten Band nicht nur mit seinen Kollegen auseinandersetzen, mit Alex, der auf eiskalten Straßen wie ein Wilder fährt, Jessica, die leider Kleptomanin ( anerkannte Krankheit ) ist und mit dem pedantischen Henrik, den seine Frau vor die Tür gesetzt hat und der kurzerhand bei ihm eingezogen ist. Auch der neue, ehrgeizige Vorgesetzte Josef Hillerström wird zum Problem, denn er bezeichnet die Kollegen, die im Turm untergebracht sind, als Losertruppe und würde das Team gern auflösen. Und dann ist da noch Barks große unerreichbare Liebe, die Psychologin Mia Berger. Nebenbei beeinflusst auch Barks Krankheit, d.h. die Angst vor epileptischen Anfällen, seinen Alltag.
Anna Jansson erzählt auf einer Ebene von den Geschehnissen rund um Kristoffer Bark in Örebro und zum anderen von einem Pfleger, dessen Name vorerst nicht genannt wird. Er arbeitet als Springer mal in Krankenhäusern oder im Hospiz. Hier begleitet er die im Sterben liegende siebenundfünfzigjährige Susanne Tyrsjö, die sich unbedingt von ihrem Mann scheiden lassen will. Ob Susanne sich erinnert, bleibt offen, aber der Pfleger erkennt sie als einstige Mitschülerin in Hallsberg. Vor ihrem Ableben offenbart Susanne dann dem Pfleger ein wohl gehütetes Geheimnis, dass nun eine Reihe von Gewalttaten in Gang setzen wird. Die Lesenden sind Kristoffer Bark immer ein Stück voraus und sie kennen zwar das Geheimnis nicht, ahnen aber schneller als die Polizei, wer hinter allem stecken könnte. Zuerst sucht der Pfleger ein verfallenes Kino auf und entdeckt im Luftschacht eine Leiche. Damit die Polizei aufmerksam wird, brennt er das Kino und ein paar Autos ab. Sofort mutmaßt die Polizei, dass es sich bei der Leiche um den seit vierzig Jahren vermissten Mattias Cederman handeln könnte. Der Siebzehnjährige wurde damals im Ort beschuldigt, die fünfzehnjährige Frida Lohagen ermordet zu haben. Seine Familie musste mit der Ächtung durch die Nachbarn leben. Und dann erschleicht sich der Pfleger Informationen über das Universitätsbankett, an dessen Ende fünf von acht Gästen, die am Ehrentisch saßen, durch Schlangengifte ermordet wurden. Vorerst überleben werden der Dekan Urban Tyrsjö und seine Geliebte, die Gastwissenschaftlerin Maritza Diaz und der Regierungspräsident Pierre Nilsson. Es dauert ziemlich lang, bis die Ermittler erkennen, dass die deutsche Teilnehmerin bereits in ihrem Hotelzimmer vergiftet wurde und der Mörder offenbar gut verkleidet an ihrer Stelle am Bankett teilgenommen hat. Natürlich bleibt die Frage, wer sind diese Leute, die sich bereits seit Schulzeiten kennen und nun als berühmter Koch oder in höchsten akademischen Ämtern arbeiten. Keine Frage, bei den Morden dreht sich alles um eine späte Rache für tiefe Demütigungen und den grausamen Tod einer bestimmten Person. Doch wer der Täter ist, bleibt lange im Ungewissen. Außerdem hat er erkannt, dass Bark und Mia ein heimliches Verhältnis haben und nun setzt der Mörder auch noch Mia auf seine Liste, um Bark ins Unglück zu stoßen.
Fernab von Stockholm geben alle nun ihr Bestes und schlagen sich mit der Polizeiarbeit und ihren privaten Konflikte herum. Auch wenn Bark nach nur einem Tag Zusammenleben seine Geduld mit Henrik schon verloren hat, gibt er sich Mühe und toleriert sogar das Übernachten der fünf Kinder. Neben der Lösung des brisanten aktuellen, wie des alten, sehr traurigen Falls mögen die Lesenden ohne Zweifel die Krimis rund um Kristoffer Bark, weil alle Ermittler und Ermittlerinnen in irgendeiner Weise gebrochen sind, und d.h. allzu menschlich.

Ein Muss für Fans von Kristoffer Bark!