Susanne Mischke: Du musst mir glauben, Piper Verlag, München 2026, 320 Seiten, €17,00, 978-3-492-06515-3
„Hätte sie ihr doch nie zum Schreiben geraten! Mit diesem blöden Manuskript fing die ganze Misere an. Nun ist Völxen enttäuscht von ihr, was ihr mehr ausmacht, als sie geglaubt hätte, und womöglich wird man sie wegen ihrer diversen Vergehen in dieser Sache belangen.“
Im 15. Band der Hannover – Krimis ( Mehrere Besprechungen sind in diesem Literaturblog zu finden! ) entführt Susanne Mischke ihre Fans dieser Reihe in die Welt der angeblich Schönen und Reichen.
Das traditionsreiche und international bekannte norddeutsche Gestüt Sieben Eichen kann immerhin auf eine zweihundertjährige Geschichte zurückschauen. Die Zucht von Hannoveranern hat Sieben Eichen bekannt gemacht und allein dem taktischen und kaufmännischen Geschick von Gustav von Rath, dem attraktiven wie eitlen Gutsherren, ist es zu verdanken, dass die Familie finanziell und gesellschaftlich profitiert. Allerdings liegt Gustav von Rath nach einem Reitunfall nun seit elf Monaten mit wenig Aussichten auf Veränderung im Koma. Greta, seine zweite Ehefrau, als Stiefmutter schon immer von Melissa und Theo, den Kindern aus erster Ehe, verhasst, hatte vorsorglich ein Berliner Testament abgeschlossen, dass beide erst nach ihrem Ableben erben lässt.
Bodo Völxen, erster Hauptkommissar von der Polizeidirektion von Hannover, durfte die seit Jahren zerstrittene Familie bereits kennenlernen. Melissa und Theo behaupteten, dass Greta den Unfall des Vaters verursacht habe. Da die Polizei ihr nichts nachweisen konnte, wurde der Fall eingestellt.
Die von Raths erscheinen den Ermittlern wie eine dysfunktionale Familie aus dem 19. Jahrhundert. Altes Geld der von Raths verbindet sich mit dem gesellschaftlichen Aufstieg der manipulativen Greta von Rath, die als neureiche Tochter eines Hundefutterverkäufers nicht gerade standesgemäß einheiratet. Dünkel, Vorurteile und Arroganz zeichnen eher Melissa und Bruder Theo aus, die von klein an die attraktive, aber oberflächliche Greta für ihr Auftauchen in der Familie verachten. Auch Gustav von Raths Ruf ist kaum unbefleckt, steigt er doch jedem Rock hinterher. Aufgezogen wurden die Kinder von der nicht gerade sympathischen Haushälterin Stefanie Besler. Sie wird die im Kaminzimmer erschlagene Greta von Rath dann auch finden und ihre Beobachtungen zu ihrem vermeintlichen Vorteil ausnutzen, was allerdings tragisch endet. Zum Zeitpunkt des Mordes mit einem antiken Schürhaken fand auf dem Gutshof ein Tag der offenen Tür statt, denn die finanzielle Lage der angesehenen Familie scheint wohl doch nicht so rosig. Durch die Anzahl der Leute auf dem Hof und der Geschehnisse vor dem Haupthaus und den Stallungen erschwert sich die Polizeiarbeit. Bodo Völxen hatte zu diesem Zeitpunkt gerade Besuch von seiner ehemaligen Kollegin Oda Kristensen, die nun zurückgekehrt aus Frankreich ihre eigene Praxis als Psychotherapeutin betreibt und immer wieder in die Rolle der Polizistin zurückfällt und sich damit Probleme einhandelt. Ihre neueste Patientin ist Amelie Witten, die nach dem Tod ihrer kaltherzigen Mutter nun ins Elternhaus bezogen ist und von einem bestimmten ihr zugefügten Trauma auf dem Gutshof Sieben Eichen nicht reden will. Oda rät ihr dazu, alles Erlebte nur für sich selbst aufzuschreiben. Als Amelie sich einer Schreibgruppe anschließt, zu der auch die aus Vorgängerbänden schillernde Charlotte Engelhorst gehört, beschließt sie einen autofiktionalen Roman zu schreiben. Charlotte Engelhorst ist mit Erwin Raukel, dem Hauptkommissar, der gern ungewohnte Wege geht, liiert. Als Amelie, die Charlotte ihr Manuskript anvertraut hat, plötzlich verschwindet, wittern die Ermittler, auch von Oda zu spät informiert, ein neues Motiv für den Mord an Greta. Als heimliche Favoriten allerdings bleiben immer noch die Stiefkinder im Visier der Polizei. Oda Kristensen, deren Ausscheiden aus der Polizei Bodo Völxen bedauert hat, spielt nun als eher neugierige Außenstehende eine wichtige Rolle in der spannenden Handlung.
Susanne Mischke interessiert sich für die finsteren Ecken der menschlichen Existenz, wobei in diesem Band eher die gesellschaftlich bekannten Klischees bedient werden, aber auch die Polizei an ihre Grenzen stößt.
Noch eine Anmerkung: Leider liest sich das Buch durch die gewählte, sehr kleine Schrift trotz breitem Rand und durch den blassen Druck nicht sehr angenehm. Warum hier bei der Buchgestaltung gespart wurde, hat sicher seine Gründe, ist aber bedauerlich.