Megan Miranda: Die Tochter . Du dachtest, niemand würde es je erfahren, Aus dem Amerikanischen von Melike Karamustafa, Penguin Verlag, München 2026, 432 Seiten, €16,00,978-3-328-11146-7

„Ich hatte die ganze Zeit recht gehabt, irgendetwas stimmte nicht. Hier geschahen seltsame Dinge. Ich hatte ihren Anruf verpasst, und seitdem waren zwei weitere Tage vergangen. Jamie hatte versucht, sich mit mir zu treffen, und jetzt war sie verschwunden.“

Die Dürre überzieht das Land von Westen her und in der kleinen Gemeinde Mirror Lake trocknet in diesem Mai langsam der See aus. Eine seltsame Stimmung herrscht in dem Ort, denn der allseits beliebte und angesehene Detective Perry Holt ist plötzlich verstorben. Mit der Trauer verbinden sich auch Entdeckungen im See, die Ungutes erahnen lassen.
Megan Miranda lässt Hazel, die Stieftochter von Perry Holt, aus ihrer Sicht von den Geschehnissen berichten. Die Siebenundzwanzigjährige hat sich ihre eigene Firma aufgebaut und lebt im zwei Autostunden entfernten Charlotte. Sie ist die einzige aus der Familie, die den Ort, wo jeder jeden kennt und alle angeblich so wunderbar aufeinander aufpassen, verlassen hat. Nicht jeder ist Hazel auch aus diesem Grund gut gesonnen. Ihre Brüder Caden und Gage sind beide wie der Vater Polizisten geworden. Beider Mutter Audrey ist bei einem Fahrradunfall zu Tode gekommen. Als Caden acht und Gage zehn Jahre alt war, lernte Perry seine zweite Frau Libby Sharp kennen. Sie hat die achtjährige Hazel mit in die Ehe gebracht. Sechs Jahre hat es Libby in Mirror Lake ausgehalten, bis sie alle Konten ihres Mannes und ihres Schwagers Roy abgeräumt hat und mit dem Schmuck von Perrys erster Frau einfach abgehauen ist. In einem kurzen Abschiedsbrief an die Tochter bittet sie um Verzeihung. Nie konnte Hazel verwinden, dass die Mutter sie allein zurückgelassen hat, wobei Perry Holt ihr der beste Vater war. Nur Caden konnte voller Eifersucht von Anfang an nicht verwinden, dass die gleichaltrige Hazel sich in die Familie gedrängt hat, Und nun vermacht der Vater in seinem Testament auch noch der Tochter sein Haus mit Grundstück am See. Die Söhne erben nichts, denn die Konten des Vaters sind fast leer. Er hat in den letzten Jahren immer wieder größere Beträge bar abgehoben. Nur per Zufall erfährt Hazel, dass die Brüder das Haus ausräumen wollen. Jamie, die Ehefrau von Caden, erzählt ihr nichts ahnend davon. Immer garstiger wird die Stimmung unter den Geschwistern, die auch der Bruder von Perry, der Anwalt Roy Holt nicht ändern kann. Caden will auf jeden Fall das Testament anfechten. Zu allem Unglück werden dann zeitgleich im See zwei versenkte Autos ohne Nummernschilder entdeckt. Schnell stellt sich heraus, dass diese beiden Wagen einst den beiden Ehefrauen von Perry gehörten. Doch was ist wirklich geschehen? Ist Hazels Mutter vielleicht gar nicht geflohen? Immer öfter spürt Hazel, die sich nun tagelang im Haus des Vaters aufhält, dass jemand in ihrer Abwesenheit das Haus durchsucht hat. Perry hatte offensichtlich für Hazel auch eine Liste am Küchenschrank hinterlassen. Systematisch durchsucht sie das alte Haus und entdeckt im Kriechkeller den versteckten Schmuck von Audrey. Aber dann ist Jamie verschwunden und Hazel befragt misstrauisch die Leute im Ort, was ihren Brüdern nicht gefällt. Erst Tage später findet Hazel einen Hilferuf ihrer einstigen Freundin Jamie. Als der Regen einsetzt, gewinnt Hazel immer mehr Klarheit über ihren Vater und gerät in Lebensgefahr.
Wurde Perry Holt erpresst? War er vielleicht gar nicht der gute Mensch, den alle in ihm gesehen haben? Hat er Hazel das Haus vermacht, weil er wusste, dass sie seinen Hinweisen energisch nachgehen würde? Welche Geheimnisse mussten die Söhne für sich behalten?
Der Thriller zeigt einmal mehr, dass die angeblich so heile Welt in amerikanischen Kleinstädten nicht existiert. In immer neuen psychologisch überzeugenden Wendungen läuft die Handlung auf den dramatischen Höhepunkt zu, der endlich das Puzzle zu einem ganzen Bild zusammensetzt und alles Geglaubte in Frage stellt.

Unbedingt lesen!