Benjamin Stevenson: Jeder im Zug ist verdächtig (Die mörderischen Cunninghams 2), List Verlag bei Ullstein Verlage, Berlin 2025, 320 Seiten, €16,99, 9783471360583

„Jetzt wird es Zeit, meine Glaubwürdigkeit als zuverlässiger Erzähler zu untermauern. Das Strafregister für alle in diesem Buch begangenen Verbrechen umfasst: Mord, versuchter Mord, Vergewaltigung, Diebstahl, Brandstiftung, Hausfriedensbruch, Beweismittelfälschung, Verschwörung, Rauchen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Kopfnüsse verteilen ( ich nehme an, juristisch sprechen wir hier von Körperverletzung, Einbruchdiebstahl, ja, das ist etwas anderes als Diebstahl ) und die unangemessene Verwendung von Adverbien.“

Alles geschieht wieder so, wie es der zuverlässige Erzähler und Protokollant, Ernest Cunningham, erlebt hat. Obwohl er bisher nur einen einzigen Kriminalroman, auch dessen Handlung fand in der realen Welt wirklich so statt, veröffentlicht hat und sich eher durch literaturtheoretische Werke hervorgetan hatte, erhält er eine Einladung zum 50. Kriminalautoren-Festival. Fünf gestandene Autoren, die einst durch einen Roman zu Ruhm gelangt sind oder seit Jahren erfolgreich Krimis verlegen, versammeln sich in Australien mit ihren Fans in einem Zug, der vier Tage die Strecke zwischen Darwin und Adelaide zurücklegen wird. Von Anfang an ist klar, dass es einen Mord an einem der Autoren geben wird und einer der Teilnehmenden wird auch der Mörder oder die Mörderin sein. Verraten sei hier, es sind zwei Morde, die Ernest Cunningham als Hobbydetektiv aufklären muss. Natürlich denkt man bei einer Zugreise ( hier durch die heiße Wüste ) sofort an „Mord im Orientexpress“ und Agatha Christie. Alle Personen, und es sind nicht wenige, die in Benjamin Stevensons Krimihandlung zum Tragen kommen, verheimlichen etwas. Klar ist auch, dass es zwischen den Krimiautoren so einige Konflikte gibt, die auf engstem Raum und mit kostenlosem Alkohol nicht gerade friedlich ausgetragen werden. Akribisch genau baut Ernest Cunnigham seine Erzählung von dieser Fahrt wie einen klassischen Krimi auf. Er prophezeit, dass er den Namen des Täters oder der Täterin 106mal nennen wird. Der wohl bekannteste unter den Autoren ist der Schotte Henry McTavish, dem auch gleich die Präsidentensuite zugeteilt wird. Dann ist da der arrogante Intellektuelle unter den Autoren, der sich nur Wolfgang nennt, weiterhin Alan Ryce, der gern dem Alkohol zuspricht, Lisa Fulton, die als einzige für ihren neuen Krimi einen Blurb vom schottischen Meister erhält und SF Majors, die der Meinung ist, dass McTavish ihr einst einen Plot geklaut hat. Eifersucht, Neid und Missgunst zwischen den Autoren und ihren Verlegern und Agenten, die auch anwesend sind, breiten sich aus. Und dann entdeckt Ernest Cunnigham, dass McTavish auch noch die Romane der Teilnehmenden mit Sternen bewertet hat und sein Buch steht auf der Liste ganz unten. Allerdings hat der Erzähler gar keine Zeit, um sich groß aufzuregen, denn der erste Mord geschieht.
Die aufmerksam Lesenden sollten, so Cunningham, in seinem Text schnell erkennen, wer der mögliche Täter oder die Täterin sein könnten, denn Andeutungen gäbe es von ihm an vielen Stellen.
Kurzum, der nicht gerade gesund lebende Henry McTavish segnet das Zeitliche und alle denken, Todesursache könnte ein Herzinfarkt gewesen sein. Cunnigham und Royce, der angeblich mal als Rechtsmediziner gearbeitet hat, jedoch vermuten, dass der Autor vergiftet wurde. Wer profitiert vom Tod des beliebten Autors, der seine erfolgreiche Krimiserie beenden wollte?

Ausgestattet mit vielen sarkastischen wie witzigen Bemerkungen rund um den Buchmarkt, insbesondere dem, der Kriminalromane bevorzugt, erzählt Benjamin Stevenson in seiner temporeichen und ziemlich verzwickten, aber in sich dann doch logischen Handlung. So wie Henry McTavish liebt auch er Tricksereien, Rätsel und Wortspiele.

Krimiautoren sind auch nur Menschen mit Stärken und Schwächen. Doch diese Gruppe hat es in sich und am Ende ist nichts so, wie man es am Anfang vermutet hat.

Sehr empfehlenswert!