Volker Klüpfel: „Wenn Ende gut, dann alles“ . Svetlana, der Dichter und der Fall mit dem einsamen Kind, Penguin Verlag, München 2025, 416 Seiten, €24,00, 978-3-328-60357-3

„Momentan beschäftigte mich sowieso etwas anderes: Svetlanas Einsatz wurde allmählich unkalkulierbar. Was als notwendige Rettungsaktion für ein kleines Mädchen begonnen hatte, wusch sich langsam zu einer absurden Undercover – Recherche aus. Und was war mit meinem alten Leben?“

Gleich vorweg die Frage: Warum schreibt der Autor Volker Klüpfel nicht den ukrainischen Namen seiner Hauptfigur? Mag sie auch nicht zu den ukrainischen Kriegsflüchtlingen zählen, so ist doch ihr Name Svitlana ( Світлана ).
Svetlana, russische Schreibweise, jedenfalls putzt voller Eifer das Wohnmobil von Tommi Mann, der kaum praktisch veranlagt etwas verzweifelt an seinem Kriminalroman schreibt und schon auf Seite fünfzehn in die erste Schreibblockade rutscht. Getrennt von seiner angebeteten Freundin Michelle leidet Tommi auch noch und er hadert eigentlich auch mit dem Leben allgemein. Wozu ein erwachsener Mann eine selbstbewusste, rauchende, mit Redensarten und Lebensweisheiten gesegnete Putzfrau, die ein schreckliches Deutsch radebricht, benötigt, sei auch dahingestellt. Jedenfalls hatte sie sich vorher um Tommis gesundheitlich ziemlich stabilen dreiundsechzigjährigen Vater gekümmert, der nun angeblich Tommis Erbe im Seniorenheim verprasst, und so schaut sie nach dem Sohn, damit dieser nicht in seiner Depression versinkt.
Als die beiden dann bei ihrer Fahrt mit dem klapprigen Wohnmobil in der Nähe von Göttingen ein kleines Mädchen mit Down-Syndrom mutterseelenallein in Richtung Wald laufen sehen, drehen sie um und kümmern sich um das einsame Kind, dass offenbar kein Deutsch versteht. Nach der Kontaktaufnahme mit der Polizei verwundert alle, dass niemand das Mädchen vermisst. Swetlanas Muttergefühle, aber auch ihr detektivischer Instinkt ist geweckt, zumal im Rucksack des Kindes ein Zettel mit der Aufschrift „Hilf mir!“ gefunden wurde. Immer wieder wenden sich Tommi, eher als Mitläufer, immerhin muss sein Roman geschrieben werden, und Swetlana an die übergewichtige, offenbar von ihren Kollegen gedisste Polizistin Britta Schneider, um mehr über das Kind herauszufinden, dass nun im Krankenhaus zur Beobachtung und später im Kinderheim untergebracht wird. Mit ihrer Beharrlichkeit bringt Svetlana das Kind zum Reden und welch ein Wunder, es versteht und spricht Ukrainisch. Diese Steilvorlage nimmt die eifrige Putzfrau auf und beginnt mit Tommi, den das Mädchen, was ihn verwundert, sehr mag, zur erneuten Detektivarbeit auf.
Sie finden das Flüchtlingsheim, in dem offenbar das Kind gewohnt hat und sie erkunden über die Heimleiterin und ihren Mann, der sogar im Stadtrat sitzt, was mit der Mutter geschehen sein könnte.
Nebenher fließen auch Szenen aus dem Manuskript von Tommi ein und die Sache um das ukrainische Mädchen und seine Mutter, die als investigative Journalistin gearbeitet hat, schlägt weitere Wellen.
Gemächlich dümpelt Volker Klüpfels Plot zu seiner Krimireihe so daher und baut auf die krampfhaft gewollte Originalität seiner Figuren auf. Da ist ein antriebsloser Autor, der namentlich zumindest dem größten deutschen Romancier gleicht, eine charismatische, starke Frau als Außenseiterin aus dem Prekariat und eine vollschlanke Polizistin, die guten Willens ist, aber machtlos.
Leider nimmt die Geschichte kaum Fahrt auf und die unerträglich fehlerhafte Aussprache und scheinbar lustig wirkende falsche Verwendung von deutschen Worten oder Redewendungen von Svetlana hemmt den Erzählfluss. Auch wenn die Figur der Svetlana, auch Tommi fragt sich, was er eigentlich über sie weiß, noch ein Rätsel bleibt, springt der Funke für einen guten, überzeugenden Kriminalroman nicht über. Dass die Guten, die vorgeben dies zu sein, es nie sind, ahnt jeder Lesende von Anfang an.
Schade.