Sabine Thiesler: Leb wohl, Schwester, Heyne Verlag, München, 624 Seiten, €24,00, 978-3-453-27439-6

„Wie auch immer. Der Mörder war ein so unglücklicher, frustrierter Mensch, dass die Morde ein Ventil für ihn waren, um überhaupt weiterleben und wieder atmen zu können.“

Tragisch ist diese Geschichte, in der drei Liebespaare ermordet werden. Warum wurden Anne Draheim und Michael Grabowski aus Berlin, Carlo und Flora Faenzi aus Mailand und Domenico und Silvana Vanni, wohnhaft in der Toscana, kaltblütig erschossen? Qualvoll beginnt die Handlung, wobei die Lesenden genau von Anfang an wissen, wer da zum Revolver greift. Soll man Mitleid mit einer Mörderin haben, die als Kind und Jugendliche grausig missbraucht wurde und nun mit ihrem Zwillingsbruder wie ein Liebespaar zusammen lebt und sogar ihr gemeinsames Kind abtreiben musste? Sicher nicht. Doch welchen Hintersinn hat diese unbegreiflich brutale Story. Die Lesenden erleben die unbeschreiblichen Gefühle der Hinterbliebenen, die nichts einordnen können.
Auch die Ermittler tappen gnadenlos im Dunkeln. Zumal der Ermittler Donato Negri, bekannt aus anderen Sabine Thiesler – Romanen, kurz vor der Rente steht. An seine Seite in Ambra wurde nun die gut ausgebildete, wie energievolle Marescialla Romina Roselli gestellt. Die Fünfunddreißigjährige beeindruckt nicht nur den alten Negri, sondern auch den Staatsanwalt Ernesto Tassini aus Arezzo, der sich Hals über Kopf in die leicht korpulente Frau verliebt. Die einzige, die Romina nicht sonderlich beeindruckend findet, ist Negris Frau, die voller Eifersucht, warum auch immer, die junge Frau diskreditiert. Die Ehekräche sind vorprogrammiert. Denn auch Romina Roselli unterlaufen eklatante Fehler.
Um die Geschichte mit Psychologie zu unterfüttern, erzählt die Autorin vom Leben der Mörderin abseits der italienischen Gesellschaft. Mag es der abgründige Hass auf glückliche, wohlhabende Menschen, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort sind, sein, können Lesende diese skrupellose, intrigante Frau kaum verstehen. Die abgöttische Liebe bis in den Tod scheint nur der Zwillingsbruder zu empfinden.
Erscheint im Hintergrund die wundervolle toskanische Landschaft als Hohn auf die Taten der Mörderin, so geht das Töten und Lügen auf Grund einer Amnesie der Hauptfigur im Kloster Monteroni ‚Arbia munter weiter.

Nichts in diesem Roman scheint in irgendeiner Weise logisch oder auch nur nachvollziehbar. Die Ermittler finden keine Spuren und müssen auf weitere Taten und Fehler hoffen.
Keine spannende Lektüre, die doch zu sehr auf die brutalen Effekte der unberechenbaren Serienmörderin setzt. Auch die Auflösung am Ende der Geschichte zeugt nicht von einer wirklich guten Polizeiarbeit.