René Anour: Tödliches Gebet, Ein Fall für Commissaire Campanard, Heyne Verlag, 384 Seiten, €17,00, 978-3-453-44265-8
„Ein Luftzug streifte ihn, ließ ihn herumfahren. Mit zusammengekniffenen Augen suchte er den Waldrand ab. Dieses Gefühl, beobachtet zu werden. Es hatte ihn erfasst, seit er angekommen war … und seither kein einziges Mal verlassen.“
Niemand weiß, warum sich Commissaire Louis Antoine Companard einem Zisterziensermönch so eng verbunden fühlt. Es ist Frére Bernard, der als Gefängnisseelsorger, in Companards schwersten Stunden genau den richtigen Ton gefunden hatte. Doch nachdem alles überstanden war, hat Companard den Mönch nie im Kloster Sénanque in Gordes besucht. Immer gab es etwas Wichtigeres. Jetzt bedauert Companard, dass er zwar in Briefkontakt mit Bernard stand, aber ihn nie wiedergesehen hat. Dabei wollten sich die beiden treffen, denn Bernard hoffte auch Companards Hilfe. Aus dem Kloster ist Bruder Arbogast verschwunden und die Polizei vor Ort hat sich kaum um diesen Fall gekümmert. Doch ehe es zu einer Begegnung der Freunde kommt, verunglückt Bernard mit dem Auto und kommt in den Flammen ums Leben. Gemeinsam mit seinen Team, dem Projet Obskur, Inspecteur Pierre Olivier und der nun anerkannten Sonderermittlerin, der Psychologin Linda Delavours, begibt sich Companard in die Nähe des Zisterzienserklosters, dass offensichtlich auch ohne die Besuche der Touristen in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Nicht umsonst hatte Bernard mit dem einzigen Novizen Luc Kurzfilme auf Youtube gestellt, die jedoch etwas verstörend wirkten. Immerhin behauptet Luc, dass der Teufel den vermissten Arbogast geholt habe. Capitaine Claire Dubac ist nicht sonderlich erfreut, dass weitere Polizisten in ihrer Stadt ermitteln. Companard sieht nur einen Weg, um hinter das Geheimnis des Klosters zu gelangen. Er wird inkognito als Abt namens Frére Albéric aus dem Kloster Citeaux die Bruderschaft beobachten. Die Zisterzienser schweigen gern, was Companard entgegenkommt. ( Natürlich darf die Referenz an den weltberühmten Roman „Der Name der Rose“ von Umberto Eco nicht fehlen. )
Companard erfährt, dass die Mönche geheime Treffen veranstaltet haben, obwohl der Ausgang nachts verboten ist. Während Companard im Kloster ermittelt, versucht Linda Delacours, auf die inzwischen ein Mordanschlag verübt wurde, in einem weiteren Kloster auf der Insel Saint-Honorat Informationen zu sammeln. Seltsam ist auch, dass durch eine Zusatzuntersuchung der verkohlten Leiche von Bernard herausgefunden wurde, dass dieser sehr krank gewesen sein muss. Allerdings kann dies niemand im Kloster bestätigen. Companard spürt, dass ihm jemand auf Schritt und Tritt folgt. Parallel zu diesem Fall geht es auch um eine Drogenbande und ihren neuen Anführer, der sich Caché nennt. Wie nun das Verschwinden von Arbogast, der vermeintliche Unfall von Bernard und die Marseiller Bande zusammenhängen, werden die Ermittler, die alle kurzzeitig dem Tod und dem Teufel in die Augen sehen, herausfinden.
Wie immer spielt neben der spannenden Handlung auch die Landschaft der Provence mit ihren wunderbaren Lavendelfeldern eine wichtige Hauptrolle. Hinzu kommen nun die altehrwürdigen Mauern von Jahrhunderte alten Klöstern. Allerdings verbergen sich in der typischen Bekleidung der Mönche nicht immer diejenigen, die man erwartet anzutreffen.