René Anour: Tödliches Déjà-vu . Ein Fall für Commissaire Campanard, Heyne Verlag, München 2026, 384 Seiten, €17,00, 978-3-453-44385-3
„Er spürte, wie sie seine Hand nahm und festhielt. Was wollte sie damit ausdrücken? Zuversicht? Verzweiflung? Vermutlich würde er das nie erfahren.“
Der Chef de Police de Grasse, Commissaire Campanard, hat im Frühjahr sicher anderes zu tun, als sich mit der Protestaktion einer unbequemen Umweltschützerin auseinanderzusetzen. Monique Gaillard schafft es jedoch immer, alle Leute zu verärgern. Dabei gilt ihre berechtigte Sorge dem Verschwinden der Bienen. Sie beschuldigt die Firma ProPlant, die angeblich illegale Pestizide gepanscht habe und verbreite. Commissaire Campanard jedenfalls kann die wütende „Bienenfrau“ mit seiner ruhigen Art und dem Versprechen, sie auf ihrem Hof abseits der Stadt mit seinem Team zu besuchen, besänftigen. Erstaunlich ist, dass die Bioimkerin sich ihren Lieblingen ohne Schutzkleidung nähern kann. Inspecteur Pierre Olivier hat da weniger Glück, denn er wird sofort gestochen. Die dritte im Bunde, Linda Delacours, Psychologin und Expertin für Mikroexpressionen, geht eher mit Respekt auf Distanz zu den Insekten. Monique Gaillard behauptet nun vehement, dass sie Beweise habe, warum die Bienen angeblich getötet werden, aber Campanard reichen diese nicht aus. Ärgerlich jagt sie ihren Besuch vom Hof.
Campanard, Olivier und Delacours hätten zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht, dass die Bienenfrau ihr nächster, ungewöhnlicher Mordfall werden würde. Denn die Täter, und dies bleibt ein Rätsel, waren Gaillards eigene Bienen, eine befand sich sogar im Rachen der Frau und ihr Stich führte letztendlich zum Erstickungstod. Um an Informationen zu gelangen, bleibt dem Team nur eine Möglichkeit, sie müssen undercover recherchieren. Linda frischt ihre Kenntnisse über Lavendelpflanzen auf und lässt sich als Gärtnerin bei ProPlant einstellen. Oliver, dem es neuerdings wieder sehr schlecht geht, schlüpft in die Rolle des Neffen von Monique Gallierd. Er muss sich nun auf ihrem Hof um die Bienen, aber auch um Hühner, Ziegen und Schafe kümmern. Zum Glück lernt er die attraktive Tierärztin Delphine Laurie kennen, die ihm unter die Arme greift und den Kopf verdreht.
Commissaire Campanard indessen findet heraus, dass der Freund von Monique, Hugo Carpet, der im staatlichen Labor für Lebensmittelsicherheit arbeitet, bisher nicht nachweisen konnte, dass die verstorbenen Bienen durch Pestizide getötet wurden. Carpet berichtet Campanard auch davon, dass Monique vor ihrem Tod Besuch von zwei Mitarbeitern von ProPlant hatte. Auch diese hat die aggressive Frau mit ihrem Gewehr vom Hof verscheucht. Und dann stellt sich noch heraus, dass die Bienenfrau früher selbst in der Forschung bei ProPlant gearbeitet hat. Interessant dabei ist, dass sie offenbar eine hochangesehene Wissenschaftlerin war, die in einem ambitionierten Projekt herausfinden wollte, ob es möglich wäre, das Schwarmverhalten der Bienen zu kontrollieren und zu steuern. Zu dem Zeitpunkt als Monique noch bei ProPlant arbeitete, gab es auch einen merkwürdigen Zwischenfall, wo Bienen einen Mitarbeiter aus dem Nichts heraus attackiert und verletzt haben. Für Campanard ist das wie ein Déjà-vu, denn Monique musste auf diese Art sterben.
Olivier, der eigentlich als Köder den Täter anlocken sollte, glaubt hingegen nicht daran, dass Monique ermordet wurde, bis er selbst von den Bienen angegriffen wird und rechtzeitig von Delphine mit Medikamenten vor dem Ärgsten bewahrt wird. Campanard ahnt nun, dass er auf der richtigen Spur ist. Unklar ist nur, welches Geheimnis die Bienenfrau mit in den Tod genommen hat, wer sie bedroht und letztendlich getötet hat.
Mit sehr eigenwilligen Methoden, Campanard scheint ein Fan von J.R.R. Tolkien und seinem Werk „Herr der Ringe“ zu sein, motiviert er sein Team, dass doch sehr fragil ist. Immerhin ist Olivier gesundheitlich sehr angeschlagen und Linda neigt zu Panikattacken und auch Campanard kann nicht über seine Vergangenheit sprechen.
René Anour hat sich für seinen dritten Band über Commissaire Campanard ein schwieriges Thema ausgesucht, denn in gewisser Weise führt es in die spannende Welt der Science – Fiction. Wirklichkeitsnah und informativ beschreibt der Autor hingegen, welchen Gefahren die Bienen, z.B. durch Faulbrut und andere Krankheiten heutzutage ausgesetzt sind und er schreibt wie immer atmosphärisch genau, was in der Provence im Frühjahr so blüht: Jasmin, Lavendel und Mairosen.
Ziemlich konstruiert, gespickt mit Liebesgeschichten und einer Menge süßem Honig!
Weitere Besprechungen zu den beiden Vorgängerbänden finden sich in diesem Literaturblog!