Moa Berglöf, Joakim Zander: Die Stockholm Protokolle . Gefährliche Beziehungen, Aus dem Schwedischen von Thomas Altefrohne, Rowohlt Verlag / Polaris, Hamburg 2026, 442 Seiten, €18,00, 978-3-499-01883-1
„Sie saßen auf einem vollkommen unvorstellbaren Scoop. Ein Scoop, der den Ministerpräsidenten stürzen könnte. Ja, vielleicht die ganze Regierung.
Sie musste den Gedanken noch einmal denken, um ihn zu verinnerlichen. Sie hatte vielleicht erst jetzt wirklich verstanden, um wen sie da herumgrub, und wenn die Beweise nicht stichfest waren, sobald sie vorgelegt werden würden, stand einfach alles auf dem Spiel.“
Sie sind ein eingespieltes Team, Julia Popovic und Alfred Swärd, beide Ende dreißig, beruflich etabliert und an einen bestimmten Lebensstandard gewohnt. Sie arbeitet als Politikreporterin bei der Stockholmer Aftonposten und er hat sich in den letzten zehn Jahren beruflich etwas zurückgenommen, um sich um die beiden Kinder Zack und Iris zu kümmern. Doch jetzt soll Alfred seinen Job im Kommunikationsbereich wieder ausbauen und Julia ist mehr zu Hause. Denn Julia, das hatte sie ihrem Lebenspartner nicht so genau erklärt, wurde in ihrer Position als erfolgreiche Investigativjournalistin kaltgestellt und muss wieder über Alltagsdinge schreiben, denn sie hat zwar mit ihren Recherchen eine korrupte Ministerin aus dem Amt gehoben, allerdings führte dies zu Auseinandersetzungen mit der Regierungssprecherin Mimmi Wallner, die Julia angeblich gestalkt hat. Als dann Alfred einen unerwarteten Anruf erhält und in die Position des Regierungssprechers des Ministerpräsidenten Christian Bratt gehoben wird, was er auf gar keinen Fall ablehnen kann, reagiert Julia doch skeptisch. Nach einigen Machtspielchen mit dem Stabschef Kianoush Hooshmad und weiteren intriganten Mitgliedern der Regierung festigt Alfred seine Position. Er ahnt nicht, dass Julia hinter seinem Rücken ausgerechnet die entlassene Mimmi Wallner trifft und von ihr brisante Informationen unter dem Siegel der Verschwiegenheit erhält. Angeblich halten sich der Ministerpräsident und sein bester Mitarbeiter Hooshmad viel länger in Brüssel auf, als offiziell angegeben. Vermutet wird, dass die schwedischen Moderaten sich den extrem rechten Parteien in der EU-Hauptstadt annähern und Bratt somit eine Brücke zwischen den Mitte-rechts-Parteien und den europäischen Populisten aus Ungarn, Österreich und Frankreich schlägt. Julia beginnt zu recherchieren und stellt fest, dass Bratt, als der ins höchste Amt gewählt wurde, seinen engsten Mitarbeiter, Fredrik Krantz, nicht mitgenommen hat. Mit allen Mitteln versucht Julia nun, ihn zum Reden zu bringen und sie trifft auf die graue Eminenz der schwedischen Regierung in Brüssel, Björn Kristow, der offensichtlich alle Fäden in Händen hält. Julia braucht nur einige Stichworte und sie beißt sich an einer Story fest. Schnell wird deutlich, dass der so sympathische Bratt, der sich nach außen als der liebende Familienvater gibt, in der Vergangenheit und vielleicht auch Gegenwart nicht sonderlich gut mit Frauen umgegangen ist. Angeblich liebt er „kaputte Frauen“. Der längere Aufenthalt in Brüssel könnte also auch andere Gründe haben. Als Julia dann nicht nur eine der Frauen, die mit Bratt zusammen waren, trifft, zeigt sich, dass er in Beziehungen gern harte Sexfantasien auslebt und gewalttätig werden kann.
All diese Recherchen hält Julia zurück, doch sie spürt, dass ihr Verhältnis zu Alfred immer spannungsgeladener wird. Er darf ihr als Medienvertreterin bestimmte Dinge nicht erzählen und sie hält mit ihrem Wissen über die Regierungsspitze hinter den Berg. Doch dann am Osterwochenende fangen beide an zu reden und beichten einander, welche Vermutungen sie haben, denn auch Alfred beobachtet mit Unbehagen die allzu enge Freundschaft zwischen Bratt, Hooshmad und Kristow, eine unheilvolle Seilschaft, die zu gern Pressefreiheit und Demokratie aushebeln würde. Als dann noch herauskommt, dass eine der Frauen, mit der Bratt Kontakt hatte, in Brüssel ermordet wurde, wird es für Julia und Alfred, die mehr Beweise zusammentragen wollen, richtig gefährlich.
Spannender, fast tagesaktueller Thriller über politische Intrigen, Machtspiele und vor allem lebenslange Netzwerke, die die absolute Kontrolle übernehmen könnten. Moa Berglöf und Joakim Zander wissen wovon sie schreiben, den Moa Berglöf war viele Jahre lang Redenschreiberin des schwedischen Ministerpräsidenten und hat damit Einblicke aus erster Hand.