Stefan Ahnhem: Herzsammler, Aus dem Schwedischen von Katrin Frey, List Verlag, Berlin 2015, 570 Seiten, €14,99, 978-3-471-35111-6
„Er wurde seinem Vater in jeder Hinsicht immer ähnlicher. Sonja hatte nachgedacht und war zu dem Schluss gekommen, dass sie vielleicht getrennte Wege gehen sollten. Dass sie etwas Besseres verdient hätten, als in einer Krise zu stecken, die kein Ende zu nehmen schien.“
Ziemlich verzweifelt durchlebt Ermittler Fabian Risk seine Ehekrise und den neuen Fall, den sein Chef, Herman Edelman, ihm gegen alle Staatsräson zugeteilt hat. Der Justizminister, Carl-Eric Grimas, ist wie vom Erdboden verschwunden. Trotz Sicherheitsdienst und Kameras ist er unauffindbar. Als sein Leichnam endlich auftaucht, fehlt die Leber. Ein Serientäter ist am Werk, der seinen Opfer lange Torturen zumutet, ehe er sie erlöst. Den Opfern entnimmt er Organe, er bestraft sie. Doch war steckt hinter all dem? Als ein Tatverdächtiger, der bereits als Kannibale verurteilt wurde, und nun nach 13 Jahren geheilt wieder entlassen wurde und Selbstmord begeht, scheint der Fall geklärt. Doch Risk und seine hochschwangere und gern heftig fluchende Co-Ermittlerin Malin ahnen, das Martyrium ist noch nicht zu Ende, zumal durch ein Telefonat klar wird, dass Risks Chef als Freund des Justizministers in die Sache involviert ist.
Auch der Leser weiß, es gibt noch ein Opfer, das gefangen gehalten wird. Sofie Leander, die sich eigentlich nur wegen einer Kinderwunschbehandlung im Krankenhaus aufhielt, wurde von einer Ärztin betäubt und liegt nun irgendwo angeschnallt auf einem Tisch. Sie ist sich einer fälschlichen Handlung bewusst, nur welcher? Und dann trifft es auch noch Malin, die inzwischen wegen einer Schwangerschaftsvergiftung im Krankenhaus liegt.
Zwischen all den grausigen Schilderungen dümpelt Risks Familienleben auf eine Katastrophe zu. Seine kleine Tochter, die panische Angst vor einer Trennung der Eltern hat, zeichnet die heftigen Auseinandersetzungen von Sonja und Fabian und provoziert ein Elterngespräch in der Schule, an dem Sonja nicht teilnimmt und Fabian nur mit seinem klingelnden Handy beschäftigt ist. Risks Frau ist Malerin und da eine Ausstellung vor der Tür steht, hat sie keine Zeit für Familie und Kinder. Risks dreizehnjähriger Sohn trifft sich in der Nacht mit seinen Freunden. Fabian Risk hat nichts mehr unter Kontrolle. Als er seinem renitenten Sohn dann noch aus Verzweiflung eine schallende Ohrfeige verpasst, ist der Tiefpunkt erreicht.
Parallel zu Risk Fällen häufen sich auch in Dänemark Morde, in denen Menschen überfallen und ausgeschlachtet werden. \r\nSeltsamerweise beginnt die Geschichte mit einem qualvoll geschriebenen Brief eines Mannes, der in einem Gefangenentransport verletzt seine letzten Kräfte sammelt.Er richtet seine Zeilen an eine palästinensische Frau, die jetzt in Schweden lebt.
Wie all diese grausigen Morde zusammenhängen, warum die Fäden von Israel, über Dänemark nach Schweden reichen, erzählt der Autor Stefan Ahnhem ausufernd, mit immer wieder neuen überraschenden Wendungen, temporeich, äußerst anschaulich und keine Frage, nicht für zart besaitete Leser.
Schreibe einen Kommentar