Freida McFadden: Die Kollegin, Aus dem Amerikanischen von Astrid Gravert, Heyne Verlag, München 2025, 384 Seiten, €17,00, 978-3-453-42948-2
„Denken sie, ich hätte Dawn getötet, mir einen Telefonanruf ausgedacht, bei dem sie um Hilfe bittet, wäre dann zurück zu ihrem Haus gefahren und hätte so getan, als ob ich das Blut auf dem Boden gefunden hätte?“
Wer kennt sie nicht die lieben Kollegen und Kolleginnen, die alles ganz genau machen wollen und dabei allen ein schlechtes Gewissen bereiten? So eine nervige Kollegin ist Dawn Schiff von der Buchhaltung. Sie ist extrem pünktlich, seltsam gekleidet, leicht autistisch, wenn es ums gleichfarbige Essen geht, etwas schüchtern, aber in allem sehr akribisch, insbesondere bei den Abrechnungen. Und sie geht allen mit ihrer Leidenschaft für Schildkröten auf den Geist. Im Großraumbüro sitzt Nathalie Farrell gleich neben ihr. Die junge Frau ist genau das Gegenteil von Dawn. Sie hockt nicht den ganzen Tag in ihrer Bürozelle, sondern ist eine charismatische, wie erfolgreiche, skrupellose Verkäuferin von Nahrungsergänzungsmitteln. Wenn beider Chef Seth Hoffman ihnen begegnet, dann strahlt er Nathalie an und hat für Dawn kaum ein Kopfnicken.
Freida McFadden erzählt ihren Thriller aus zwei Perspektiven. Zum einen kommt Nathalie zu Wort, die sich jedoch immer nur im positiven Licht darstellt und zum anderen schreibt Dawn ellenlange Briefe an ihre beste Freundin Mia, die jedoch nur kurz antwortet. Als dann eines Tages Dawn nicht zur rechten Zeit an ihrem Arbeitsplatz sitzt, macht sich Nathalie Sorgen. Dabei hat die freundliche Kollegin Nathalie, rein aus Spaß versteht sich, die gute Dawn in einer Tour gemobbt. Außerdem hatte Dawn an ihren Chef und an Nathalie E-Mails versendet, um ein Treffen zu vereinbaren, um sie über eine „sensiblen Angelegenheit“ zu informieren. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Nathalie findet immer wieder eine kleine Schildkrötenfigur mit etwas Blut verschmiert auf ihrem Schreibtisch. Auch wenn sie sie wegwirft, kehrt die Figur wie durch Zauberhand zurück. Unheimlich. Doch was hatte Dawn herausgefunden? Wurden wirklich Gelder veruntreut, u.a. von Nathalie?
Nathalie jedenfalls wird Dawn zu Hause aufsuchen, denn ihr Verschwinden erscheint ihr doch sehr eigenartig. Im Haus jedoch wird Nathalie von einer riesigen Blutlache überrascht, die von Dawn stammt. Kurz danach wird eine Frauenleiche entdeckt. Als die Polizei nun alle Briefe Dawns an ihre Freundin Mia liest, verdichten sich die Vermutungen. Nathalie kommt in Untersuchungshaft.
Doch wer die Romane von Freida McFadden kennt (einige sind in diesem Literaturblog besprochen ), weiß dass es hier nicht nur um eine mörderische Feindschaft zwischen Kolleginnen geht. Wie immer hat sich die amerikanische Autorin eine glaubhafte Handlung mit ungewöhnlichen Wendungen ausgedacht, an deren Ende sich alle Elemente der Geschichte überzeugend wie in einem Puzzle zusammensetzen.
Unterhaltsame Lektüre nicht nur für Büromenschen!