Eric Berg: Der Küstenpfad, Limes Verlag, München 2025, 416 Seiten, €17,00, 978-3-8090-2727-0

„Folgendes war ein Fakt: Ein Mann war ermordet, sein Leben ausgelöscht, eine unverzeihliche, nicht wiedergutzumachende Tat war begangen worden, und der Täter oder die Täterin lief noch immer frei herum. Mit jeder Woche, die verging, sank die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Fall aufklären ließ.“

Vier Frauen und drei Männer verabreden sich im heißen Sommer über das Internet für zehn Tage zu einer Wanderung. Die Strecke heißt ziemlich unpoetisch europäischer Fernwanderweg E9 und führt von Wolgast nach Wismar streckenweise durch Wälder, aber auch an der Ostsee entlang. Die Gerichtsreporterin Doro Kagel, aus deren Sicht auch zum Teil erzählt wird, ist keine passionierte Wanderin. Aber sie interessiert dieser Fall, denn am Ende wird ein Mensch ermordet und nur sechs Personen beenden diese Wanderung. Noch tappt die Polizei im Dunkeln und so entschließt sich Doro, ebenfalls den Weg abzulaufen. Leider findet sie niemanden, der Lust hätte, diese Tour zu absolvieren. Nur Sohn Jonas, der als Assistenzarzt in Freiburg eigentlich genug zu tun hat, bietet sich als Begleiter an.
Parallel zur Ich-Erzählerin Doro, verfolgen die Lesenden die Wanderung der kleinen Gruppe, die sich am siebten Juni, also Tage bevor Doro aufbricht, treffen. Alle Teilnehmenden kommen aus ganz verschiedenen Ecken von Deutschland, aus Eisenach, dem Ruhrpott oder Berlin. Die vierundsechzigjährige Sozialarbeiterin Elsi reist gemeinsam mit ihrem siebzehnjährigen Enkel Yannick an. Er müsste eigentlich in Jugendhaft wegen schwerem Diebstahl sitzen, aber Elsis Ruf hat ihn gerettet und somit ist diese Wanderung für den Jugendlichen eine Zeit der Läuterung und Trennung von seinen kriminellen Freunden. Romina, ein Kosmetikerin aus Berlin ist dabei, aber auch der Organisator der Wanderung, Gregor mit seiner siebzehnjährigen Tochter Jule und Hund Biskuit. Jochen ist von der Partie und die sehr dünne Fritzie. Doro hat ein paar Informationen über die Wandergruppe zusammengestellt, konnte aber nicht über alle Wichtiges herausfinden.
Ziemlich motiviert sind alle Teilnehmer, außer Yannick, als die Wanderung beginnt. Es entspinnen sich Gespräche untereinander und trotz der kurzen Zeit, die sich alle kennen, werden auch Geheimnisse preisgegeben. So stellt sich schnell heraus, dass sich Jochen, genannt Joe, und Fritzie bereits vorher über eine Kennlern – APP Kontakt aufgenommen haben. Diese Zeit miteinander soll nun dazu dienen, sich auch persönlich nahe zu kommen. Irgendwann erzählt Yannick von seinen kriminellen Aktionen und Jule berichtet der Gruppe von ihrem Gehirntumor, der möglicherweise bei einer Operation zu Blindheit führen kann. Joe hat das Schlimmste zu beichten, denn er hat acht Jahre in Malaysia wegen Mordes im Gefängnis gesessen. Über Fritzie erfährt die Gruppe, dass sie seit gut zwölf Jahren in einem Wikingerdorf in Dänemark lebt. Was die Wanderer jedoch nicht wissen, ist, dass Fritzie durch ein Versehen ihren Ausweis in einem Restaurant liegen gelassen hat. Die Kellnerin wollte freundlich sein und hat den Ausweis an die bayerische Adresse gesandt, wo Fritzie nicht mehr lebt, aber dafür ihr Zwillingsbruder Ferdi. Ferdi und Fritzie waren einst ein symbiotisches Paar, mussten sich allerdings aufgrund der grausigen Neigungen Ferdis trennen.
Da Ferdi nun weiß, wo sich Fritzie aufhält, folgt er der Gruppe. Doro stellt schnell fest, dass nur sie diese Information im Gegensatz zur Polizei hat und natürlich führt Eric Berg die Lesenden mit all seinen Hintergrundinformationen in falsche Richtungen. Als dann auch noch der Hund von Gregor erstochen wird, nimmt die Handlung an Fahrt auf und schnell scheint man zu ahnen, wer wohl der Täter sein könnte. Wer das Opfer ist, das wird erst in der Mitte des Romans verraten.

Eric Bergs Roman erzählt auf eine sehr ausufernde, aber auch spannende Weise von unterschiedlichen Menschen, die sich freiwillig auf eine landschaftlich so wunderbare Reise begeben, dessen tragisches Ende sie nicht vorausahnen können.