Milena Busquets: Auch das wird vergehen, Aus dem Spanischen von Svenja Becker, Suhrkamp Verlag, Berlin 2016, 167 Seiten, €19,95, 978-3-518-42527-5

„Letztlich lieben wir so, wie wir in der Kindheit geliebt worden sind, und die späteren Lieben pflegen nur ein Abklatsch der ersten zu sein. Ich verdanke dir also alle meine späteren Lieben, auch die wilde und blinde, die ich für meine Söhne empfinde.“

Milena Busquets Debütroman ist ein Buch, aus dem man ständig zitieren möchte, denn viele Sätze sind so feingeschliffen lebensnah und so berührend formuliert, dass man sie unterstreichen möchte.

Eine Tochter, Blanca, trauert um ihre Mutter, doch sie zieht sich nicht stumm in die Einsamkeit zurück, sondern reist lautstark mit Kindern, Ex-Ehemännern und Freunden an den Ort, der ihr der liebste ist. In Cadaqués an der Costa Brava liegt das Ferienhaus der Familie, in dem geredet, gekocht, gelacht, geweint, nachgedacht, miteinander geschlafen und gestritten wird. Hier entdeckt Blanca sogar für sich einen interessanten Mann, den sie auf der Beerdigung der Mutter beobachtete. Er wird Blanca später von der Großzügigkeit ihrer Mutter seinem Vater, den sie gar nicht gut kannte, gegenüber erzählen. Immer wieder erinnert Blanca Szenen mit der Mutter, in der sie als starke Persönlichkeit, aber auch verletzlich erscheint.

„Mein Platz auf der Welt war in deinem Blick, und der schien mir so unstrittig und beständig, dass ich mir nie die Mühe machte, herauszufinden, wie er beschaffen war.“

Im Zwiegespräch mit der Mutter nimmt Blanca langsam Abschied, in dem Wissen, dass alles vergehen wird. Die Rede ist von der Schriftstellerin und Verlegerin Esther Tusquets, die mit ihrem Roman „Aller Sommer Meer“ über eine lesbische Liebe bekannt wurde und nach langer Parkinson-Erkrankung 2012 verstarb. Vor den flimmernden von Sonne durchtränkten Sommertagen geschieht nichts Aufregendes und doch entwirft die Autorin vor dem inneren Auge des Lesers ein facettenreiches Bild von einem schillernden, widersprüchlichen, kreativen und zum Ende hin sehr schwierigen Menschen, der sie geprägt und stark beeinflusst hat. Dieses erfolgreiche Debüt ist eindeutig ein kraftvolles Plädoyer fürs Leben.

„Du hast mir das irre Lachen geschenkt, die Freude am Leben, die völlige Hingabe, den Spaß an jedem Spiel, die Abneigung gegen alles, was in deinen Augen das Leben kleiner machte und einem die Luft nahm: Knauserigkeit, Mangel an Loyalität, Neid, Angst, Dummheit und vor allem Grausamkeit. Und den Sinn für Gerechtigkeit. Die Aufsässigkeit. Das überwältigende Erkennen von Glück in den Momenten, wenn man es in Händen hält und ehe es wieder davonfliegt.“