Arno Strobel: Abgründig, Loewe Verlag, Bindlach 2014, 236Seiten, €9,95, 978-3-7855-7864-3

„Wären da nicht der heulende Sturm, die Pfützen auf dem Boden und ihre durchnässten Klamotten gewesen, die sie immer mehr frieren ließen. Und das Wissen, dass sie von der Außenwelt abgeschnitten waren.“

Im Bergcamp Grainau versammeln sich gut 60 Jugendliche, unter ihnen auch Ralf, der eingebildete Arztsohn und „große Bergführer“ und Tim, aus dessen Blickwinkel die Geschichte erzählt wird. Ein paar Jugendliche lernen sich kennen, darunter ist auch der Frühstarter Fabian, der leicht aggressive Sebastin, Ralf und sein Bekannter Lucas und Denis, der eigentlich sich aus allem raushalten wollte. Julia, Jenny und Lena sind bei der ersten Party dabei und dann auch bei dem Trupp, der unter Ralfs Führung zur Zugspitze wandern will. Alle, außer Ralf, sind Anfänger, wenn es ums Bergsteigen geht. Sie lassen sich von seinen Sprüchen beeindrucken, obwohl Tim schnell merkt, dass der Jugendliche ein Angeber ist. Aber der Gruppenzwang funktioniert und früh am Morgen ziehen die zehn Jugendlichen, die sich keine Vorschriften machen lassen wollen, los.
Klar ist, es wird echt Ärger geben, wenn sie nicht wieder früh genug zurück sind. Aus diesem Grund soll Ralf auch einen Zettel mit ihrem Wanderziel zurücklassen.
Doch der Weg zur Zugspitze ist nicht so easy wie Ralf es den anderen verklickern wollte. Tim ist kurz davor auszusteigen, wenn nicht Lena, die ihm gefällt, ihn nicht überredet hätte.

Die erste Hürde nimmt die Gruppe, aber dann bricht über sie ein orkanartiger Sturm herein. Die Nerven liegen blank, denn Ralf hat sich verlaufen. In der schützenden Hütte, die die zehn finden, wird dann auch klar, dass Ralf eine völlig falsche Information hinterlassen hat. Die Emotionen kochen hoch, denn die Gruppe hat nicht genug Vorräte eingepackt und allein Tim hat an ein Messer gedacht.
Die große Überraschung, die Ralf sich für seine neuen Freunde ausgedacht ist, läuft in die falsche Richtung als dann auch noch Wodkaflaschen ausgepackt werden, die sein Kumpel Lukas schleppen durfte. Angetrunken, aber innerlich gewärmt, schlafen alle ein. Am nächsten Morgen ist Ralf verschwunden. Ist er abgehauen, wollte er trotz wütendem Sturm Hilfe holen? Liegt er irgendwo verletzt in einer Schlucht?

Seltsamerweise hat Tim Blut in seinem Gesicht, ist aber selbst nicht verletzt. An der Stelle an der Ralf saß sind ebenfalls Blutflecken.

Die Gruppe nimmt Tim in die Zange und er erzählt, dass er als Kind geschlafwandelt ist und dabei, ohne es zu ahnen, seine Mutter und sich extrem mit einem Küchenmesser verletzt hat.
Sebastin tickt aus. Für ihn ist Tim der Psycho, der jetzt versuchen wird, auch die anderen zu töten. Nur Denis, der immer nur bissige Bemerkungen machen kann, stellt sich auf Tims Seite. Es war nicht Denis‘ Entscheidung, ins Bergcamp zu fahren. Er wohnt seit Jahren schon in einem Jugendzentrum und sollte nun mal auf eigenen Füßen stehen.„Er sah zu Denis und stellte fest, dass dieser dürre, kalkweiße Kerl wohl derjenige unter ihnen war, in dem er sich am meisten getäuscht hatte.“

Sogar Lena zweifelt. Und auch Tim ist verunsichert, was wirklich mit ihm los ist.
Gegen die aggressive Stimmung kann Tim jedoch nichts ausrichten. Er ist von den anderen längst verurteilt.
Doch dann flaut der Sturm ab und die Jugendlichen steigen hinab ins Tal. Sie finden Ralf und die Beschuldigungen gegen Tim rücken in eine neues Licht.

Arno Strobels Thriller baut auf eine nachvollziehbare, spannende Erzählhandlung, die dem wahren Leben abgelauscht sein könnte. Nie überzieht der Autor seine Geschichte mit Gewaltakten, um die Spannung anzuheizen und das macht sie lesenswert.