Dora Heldt: Zwischen Gut und Böse, Karl Sönnigsens letzter Fall, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2026, 366 Seiten, €17,00, 978-3-423-26462-4

„Diese Vollidioten hatten nicht die mindeste Spur von Schuldbewusstsein. Jeder normale Mensch hätte nach den Ereignissen das Weite gesucht. Aber so regelte Papa alles und diese beiden Spacken machten einfach weiter.“

Auf Sylt, der traumhaften Insel für die Schönen und Reichen, hat der pensionierte Insel-Kommissar Karl Sönnigsen leider nichts mehr zu sagen, ansonsten hätte er gegen die beiden aggressiven jungen Männer, Niklas von Aden, Spross einer extrem wohlhabenden Familie, und seinen Freund Luke, schon einiges unternommen. Mit ihrem hässlichen Riesenauto behindern sie den Verkehr, fahren viel zu schnell und beleidigen auch noch die freundliche Zeitungsverkäuferin im Kiosk, die aus Eritrea stammt. Eine Schande. Aber da kann der leicht schrullige, aber liebenswerte Sönnigsen in seiner wirklich sturen, wie penetranten Art nichts erreichen. Eine Anzeige nach der anderen nimmt Sönnigsens Nachfolger und Intimfeind, Peter Runge von der Kripo Westerland, einfach nicht ernst und fleht seinen Vorgänger wohlmeinend an, sich endlich ein Hobby gegen die Langeweile zuzulegen. Auch Sönnigsens Freund Onno hat bei den Touren zum Makrelenfischen langsam die Nase voll davon, dass der Ex-Ermittler ständig miese Laune hat und seinen einstigen Kollegen auf den Geist geht.
Als dann auch noch ein Schaf totgefahren wird und ausgerechnet die Verkehrsrowdys an Onno und Sönnigsen vorbeirasen, trommelt der eifrige Polizist seine Mitstreiter für die SOKO SCHAF zusammen. Allerdings sind die Rentnerinnen Charlotte und Inge auch ausgelastet, sie müssen Kuchen für einen guten Zweck backen oder etwas Schönes stricken. Aber wenn Karl ruft, dann lassen die Rentnerdetektive alles fallen, nur Onno mosert herum.
Parallel zu Karl Sönnigsens Alltagssorgen um den Frieden in Westerland versucht Markus Bender, der bei Petra Roth und ihrer Ferienhausvermittlung angestellt ist, nebenher, immerhin ist Sylt ein teures Pflaster, noch illegal Einnahmen zu generieren, z.B. kümmert er sich um das große Haus der von Adens. Auf seine Seite hat er noch die Polin Valentina Buksa gezogen, die für die Reinigung zuständig ist und Harry Gerdes, den Hausmeister, der alles reparieren kann. Beide machen sich im Gegensatz zu Bender doch Sorgen wegen der Steuer. Sie wissen nicht, dass Bender Niklas von Aden auch noch Drogen besorgt.
Als dann eines Morgens Harry Gerdes ins Haus der von Adens kommt, findet er nicht nur die Überreste nach einer wilden Party vor, sondern auch eine misshandelte junge Frau, die ohnmächtig auf dem Boden liegt. Schnell bittet er Valentina um Hilfe, doch die junge Frau will diese nicht annehmen und sie will auch nicht zur Polizei gehen. Rolf von Aden reist an und fordert von Bender, dass dieser seinen ungeratenen Sohn aus allem raushalten soll und dafür sorgt, dass der Hausmeister den Mund hält. Bender hat nur eine Idee, er schiebt Harry Drogen und gestohlenen Schmuck unter und schafft so einen Anlass, ihn zu entlassen. Als diese Geschichte, die Insel ist doch klein und alle mögen Harry, die Rentnerdetektive erfahren, gründen sie eine neue SOKO namens FREE HARRY. Sönnigsen ist sofort dabei, denn er hat ein schlechtes Gewissen Harry gegenüber, denn er hatte ihn noch in seiner Amtszeit in große Schwierigkeiten gebracht. Aus der Geschichte um das Schaf wird nun ein viel größerer Fall, denn es geht um Drogenhandel, Erpressung, Schwarzgeld und Vergewaltigung.
Auch im dritten Band siegt natürlich die Gerechtigkeit und die Bösen werden gestraft und die Guten rehabilitiert. In die Handlung fließt natürlich viel Lokalkolorit, liebenswerter Humor auch auf Kosten der skurrilen, wie redefreudigen Einheimischen und ein bisschen Gesellschaftskritik ein.

Cosy Crime – unterhaltsam auch ohne Mord und Totschlag!