Nicola Förg: Schroffe Klippen, Ein Irmi-Mangold-Krimi, Piper Verlag, München 2026, 314 Seiten, €17,00, 978-3-492-06727-0
„Letztendlich waren die Probleme im alten Europa überall dieselben. Und die gefühlte oder auch unechte Ungleichheit auf ganz unterschiedlichen Feldern führte zu einer generellen Ungleichheit, die leider häufig in rechtes Gedankengut mündete.“
Irmi Mangold ist eine Münchner Kriminalkommissarin a.D., die gemeinsam mit Luise in einer WG mit vielen Tieren wohnt. Eigentlich könnte Irmi ihren Ruhestand genießen, aber irgendwie gerät sie immer wieder in Situationen, bei denen ihr Spürsinn und ihre Erfahrungen als Polizistin gefragt sind. So auch in diesem neuen Band. Luises Tochter hat sich an ihre Mutter, zu der sie kein so gutes Verhältnis hat, gewandt und um Hilfe gebeten. Babsi führt in Irland, in Donegal ein kleines, aber feines Café namen Songbirdes. Ihre gute Freundin Anja Theilen ist laut Polizei bei einem Unfall ums Leben gekommen, doch Babsi glaubt, dass sie ermordet wurde. Zwar sind die Klippen im Nordwesten Irlands, bei Malin Head sicher nicht ungefährlich, aber Anja war keine leichtsinnige Frau. Sie arbeitete als Medical Information Managerin, wobei sie für die Weitergabe der Nebenwirkungen von neuen Medikamenten zuständig war. Mit ihren Kindern wohnte sie in einem Camper und lebte somit den Traum jedes nicht nur deutschen Freiberuflers. Irmi lässt sich überreden und verlässt in diesem Frühling ihre Komfortzone. Der Linksverkehr ist gewöhnungsbedürftig und wieder in die englische Sprache hineinzukommen, fällt Irmi auch nicht so leicht. Um so angenehmer ist ihre Ankunft bei Babsi und all den freundlichen Gästen, u.a. dem ziemlich großen, dünnen wie eigenwillig gekleideten Dizzy Danny. Originell ist, dass Babsi ihre Gäste jeweils mit einem ausgesuchten Song begrüßt, was viele Gäste sehr amüsiert.
Interessant ist, dass die Autorin Nicola Förg vor Jahren, also in analogen Zeiten, schon mal einen Irland – Reiseführer geschrieben hat und so fließen in ihre temporeiche Handlung auch immer wieder interessante Informationen zu Land und Leuten ein. Und die Autorin schaut auch ganz aktuell auf bestimmte gesellschaftspolitische Entwicklungen, wie z.B. dass viele Leute heute gern englische Worte einfügen, obwohl die deutsche Sprache doch ziemlich reich an Redemitteln ist oder sie registriert, dass mit dem Krieg gegen die Ukraine und den aufgenommenen Geflüchteten auch in Irland der Fremdenhass gewachsen ist.
Irmi jedenfalls ist nicht sehr optimistisch, was den speziellen Fall von Anja angeht. Sie hat keine Befugnisse in Irland und vor allem ist sie nicht mehr im Dienst. Als sie jedoch hört, dass Anja mit ihren zwei Kindern zusammen gelebt hat und die vierzehnjährige Tochter Kim verschwunden ist, wird sie hellhörig und beginnt zu recherchieren. Kims Bruder Kilian haben die Großeltern aus Bayern, die nicht gut auf Anja zu sprechen sind, abgeholt. Anjas geschiedener Mann, Marco Theilen, hat sich kaum um die Kinder gekümmert und offenbar auch Geld aus dem Erbe der Kinder abgezweigt. Um mehr über Kim zu erfahren, muss Irmi ihre ehemaligen Kolleginnen um Hilfe bitten. Katharina Reindl und Andrea Strobel, die einfach nicht Nein sagen können, versuchen nun, den gut behüteten Kilian zu befragen, was nicht einfach ist. Dabei geht es um Kims Freund, den Ukrainier Illya Petrenko. Möglicherweise sind beide zusammen geflohen.
Irmi sammelt Informationen und entdeckt, dass Anja mit Kim und Kilian zusammen ausgemusterte Greyhounds gefüttert hat. Gnadenlos werden die Hunde zu Rennen eingesetzt, doch wenn sie ihre Leistung nicht mehr bringen, ereilt sie ein früher Tod. Eine ganze Mafia steckt hinter diesen Rennen, bei denen viel Geld zu verdienen ist. Illya wird jedenfalls stark verletzt in einem Steinkreis gefunden und Irmi ahnt, wo sie Kim aufspüren könnte. Nachdem sich Irmi mehr mit Anjas Leben beschäftigt hat, kristallisiert sich neben ihrer Tierliebe und ihrem Engagement bei Wild Ireland auch heraus, dass ihr fingierter Unfall doch mit ihrer Arbeit für eine Pharmafirma zusammenhängen könnte.
Nicola Förg hat sich für ihre sympathische Hauptfigur einen kniffligen Fall ausgedacht, wobei sie mal aus der Perspektive von Irmi und dann wieder aus der Sicht der deutschen Polizisten erzählt.
Lust auf eine Irland Reise macht dieser Krimi auf jeden Fall, auch wenn vieles in der Handlung bitter ernst ist.