Jochen Gutsch: Frankie . Unter Menschen, Penguin Verlag, München 2026, 240 Seiten, €23,00, 978-3-328-60381-8
„Was sie nicht kennen, macht Menschen oft ne Riesenangst. Also halte ich mich an die ‚Drei Goldenen Regeln der Tiere im Umgang mit Menschen‘: Dumm stellen. Dumm stellen. Dumm stellen. Aber leicht ist es nicht, so dumm zu sein.“
Frankie ist ein lebenserfahrener Kater, außerdem Agnostiker und Hedonist. Nichts ist ihm fremd und zu gern plauscht er mit Tieren, wenn er ihre Sprache versteht und natürlich redet er auch auf Menschisch mit Leuten. Dass diese allerdings doch so ihre Probleme damit haben, wenn ein Straßenkater mit halbem Ohr sie mal so von der Seite anquatscht, ist nachvollziehbar. Im coolen Parlando schwadroniert Frankie gern von seinen atemberaubenden Erlebnissen und seinen Sorgen. Und davon hat er in dieser neuen Geschichte eine Menge, denn sein Lieblingsmensch Gold ist angeblich in der Klapse und er landet unfreiwillig im Müllwagen. Hätte die Müllpresse nicht gestreikt, dann wäre der Roman bereits zu Ende. Allzu leicht hatte Frankie es allerdings im Vorgängerband auch nicht.
( Eine Besprechung ist in diesem Literaturblog unter diesem Link zu finden: http://karinhahnrezensionen.com/lese24/jochen-gutsch-maxim-leo-frankie/ )
Frankies Leben ist gerettet, auch wenn er jetzt wie ein Mülleimer stinkt. Weit fort von zu Hause bleibt nur der beschwerliche Weg zurück, allerdings kann es auf der Straße doch gefährlich werden. Natürlich begegnet der Kater wie Hans im Glück nun vielen unterschiedlichen Menschen, wie Tieren. Frankies größte Sorge ist jedoch, wie er an ordentliches Futter kommen kann. Dass er nicht die geringste Ahnung hat, wie er seinen Menschen namens Gold finden könnte, ist die nächste Hürde. Auf jeden Fall trifft er ein taffes, vierzehnjähriges Mädchen, dass auf der Straße lebt und Ukulele spielt und von einer Fernsehshow träumt. Auch Shattab hat eine schwere Verletzung, denn ihr fehlen zwei Finger. Sie ist aus dem Osten und erzählt, dass ihr Vater Usbeke und ihre Mutter Paschtunin ist und dass sie einen Bombenanschlag in ihrer Mädchenschule überlebt hat. Beide lernen die sehr alte Ruth kennen, die ohne jegliche Berührungsängste den Fremden ein Bett und Essen anbietet. Allerdings am kommende Tag friedlich für immer eingeschlagen ist. Frankie verliert und findet Shattab erneut auf dieser Reise. Beider Dialoge sind wirklich mehr als philosophisch.
„’Frankie, ich bin illegal.‘
‚Klar, illegal. Na und? Jeder hat so seine Macken. Ich bin zum Beispiel genial. Da kannst du auch ’n bisschen illegal sein. Solange es nicht ansteckend ist oder was. Illegal, Rübezahl, Silberaal. Mann, mir doch egal.‘ Shattab sagte nix.“
Und Frankie landet in einem Hühnerstall und wird vom Hahn als der Erlöser für seine Hühnerschar angepriesen. Leider ist der Kater mit dieser hohen Aufgabe eindeutig überfordert und kann als Erlöser nur kurzzeitig dem Huhn 308, das sich den Namen Skywalker ausgesucht hat, aus der riesigen Halle retten. Ja, fressen und gefressen werden, diese Erfahrung bleibt auch Frankie nicht erspart.
Das Leben aus der Katerperspektive oder auch Sicht eines Huhns, dass zum ersten Mal den Himmel und Gras sieht, ist doch etwas speziell. Mit sehr viel Humor und lebensklugen Beobachtungen erzählt Jochen Gutsch seine Geschichte rund um Kater Frankie, der so gar nichts mit den süßen Katzenvideos aus den sozialen Medien gemein hat. Es ist eine Abenteuerreise, in der Leben und Tod ganz nah beieinander sind, und am Ende alle aufatmen können.