Hendrik Berg: Kalte Strömung, Goldmann Verlag, München 2025, 368 Seiten, €13,00, 978-3-442-49628-0
„Und während sie von grenzenlosem Entsetzen gepackt wurde, sah sie, wie eine Träne über seine Wange lief und er sie auf eine seltsam entrückte Weise anlächelte.“
Der neununddreißigjährige IT-Spezialist Joris Lüdgen steht am Kliff unweit seines Hauses und schafft es nicht zu springen. Seine Freundin Clara Gerland hat ihn über Nacht ohne ein Wort verlassen, da sie seine Kontrollsucht und die Einsamkeit mit ihm nicht mehr ausgehalten hat. Sie wusste, dass sie ihren Namen und ihre Haarfarbe vorsorglich verändern muss, denn sie fürchtete, von ihm verfolgt zu werden. In Lüdgens Kopf, in dem auch ab und zu die fiese Stimme seines prügelnden Vaters auftaucht, die Mutter hatte die Familie früh verlassen, türmen sich Fantasiebilder auf, die er für die Realität hält. Und so wissen die Lesenden auch, dass Lüdgens den Fährkapitän Lasse Harms in seiner Wohnung aufgesucht und beschuldigt hat, dass er angeblich ein Verhältnis mit Clara hatte. Dass Harms durch die körperliche Auseinandersetzung mit Lüdgen, der schnell ausrasten kann, zu Tode kommt, war sicher nicht die Absicht des Eindringlings.
Schnell finden die Ermittler um Kommissar Krumme, der aus Berlin an die Nordsee gezogen ist, in Husum heraus, wer Harms Mörder ist. Was nun beginnt, ist die Suche nach dem Täter, der als IT-Spezialist und tickende Zeitbombe genau weiß, wie er seine Spuren verwischen kann. Auch der Ermittler Bo Jepsen aus Eckernförde ermittelt gemeinsam mit der jungen Polizistin Pat, die ihn als Ausbilder hatte und dem älteren, zum Hexenschuss neigenden Krumme. Während der Untersuchungen stellt sich dann heraus, dass eine Leiche in Lüdgens Garten vergraben wurde.
Carla habe sich wohl, so das Ergebnis der Befragungen, in Australien einen Job gesucht.
Doch diese Streuung falscher Tatsachen hat ebenfalls seinen Grund, denn Carla lebt mit ihrem Freund Robin in Friedrichstadt und hoffte, Lüdgens nie wieder zu sehen. Ein Irrtum.
Nicht sonderlich spannend und auch psychologisch kaum interessant entwickelt sich die vorhersehbare Handlung bis zum tragischen Ende ohne Wendungen, die die Lesenden überrascht.
Ärgerlich und problematisch ist eher, dass der Ermittler Bo Jepsen unwidersprochen während eines Gespräches äußern kann, dass Lüdgens Gewalttätigkeit in den Genen angelegt sei, da ja auch sein Vater ein brutaler Mensch und Mörder ( Leiche der Ehefrau im Garten ) war.